Stuttgarter Autobauer in der Krise

Daimler-Zulieferer möglichst spät bezahlen? Konzern rechtfertigt sich

Das Logo der Daimler AG ist an der Konzernzentrale im Mercedes Benz-Werk in Untertürkheim zu sehen.
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Der Autobauer Daimler versucht, in der aktuellen Krise zahlungsfähig zu bleiben.
  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Um in der aktuellen Krise zahlungsfähig zu bleiben, sollen Mitarbeiter bei Daimler Rechnungen möglichst spät bezahlen. Der Konzern bezieht gegenüber echo24.de Stellung.

Stuttgart – Der Autokonzern Daimler steckt in der Krise. Das liegt zum einen an der Corona-Pandemie, zum anderen am Strukturwandel in der Autobranche hin zur Elektromobilität, den die Daimler AG* zunächst verschlafen hatte. In der Folge sind es harte Zeiten für den Autobauer, nicht nur während des Lockdowns im Frühjahr, sondern auch aktuell – aufgrund der Corona-Lage in Baden-Württemberg* und dem seit 2. November geltenden Teil-Lockdown*. Tausende Jobs, unter anderem am symbolträchtigen Konzernstammsitz in Stuttgart-Untertürkheim*, stehen auf dem Spiel. Das berichtet echo24.de*.

Die Lage bei Daimler ist offenbar noch immer ernst. Der Stuttgarter Konzern will jetzt den Fokus darauf legen, zahlungsfähig zu bleiben – und nicht auf deutliche Gewinne. Intern wurde deshalb ein Appell an die Daimler-Mitarbeiter veröffentlicht, Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen, um die Kassenlage zu verbessern. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten und berufen sich auf ein Interview von Finanzchef Harald Wilhelm, das demnach im Intranet bei Daimler veröffentlicht wurde (Artikel hinter der Bezahlschranke).

DachgesellschaftDaimler AG
CEOOla Källenius
Mitarbeiterzahl298.655 (Stand 31. Dezember 2019)
HauptsitzStuttgart
Gründung17. November 1998 in Stuttgart

Daimler: Rechnungen möglichst spät bezahlen – Finanzchef appelliert an Mitarbeiter

Konkret geht es laut StN darum, dass die Beschäftigten bei Daimler verstehen sollten, wie „man die Balance zwischen dem Geld, das hereinkommt und dem Geld, das ausgegeben wird, optimieren könne“. Das betrifft zum einen die Rechnungen, die an Daimler gestellt werden – beispielsweise durch die Zulieferer. Demnach will der Finanzvorstand, dass die Mitarbeiter mit den Lieferanten verhandeln, damit man die Rechnungen so spät wie möglich bezahlen müsste. Was man dabei natürlich außen vor lässt: Die Autozulieferer sind selbst der Corona-Krise und haben mit dem Strukturwandel zu kämpfen – meist mehr als der große Autobauer.

Zum anderen geht es um den Umgang mit jenen Kunden, die Daimler-Rechnungen begleichen müssen. Hier solle man bestmöglich die „Zahlungsziele unserer Kunden reduzieren“ und die „Außenstände minimieren“. Kurzum: Die Kunden sollen also schneller zahlen. So will Daimler in der Krise zahlungsfähig bleiben.

Daimler/Stuttgart: Zulieferer so spät wie möglich bezahlen? So rechtfertigt sich der Konzern

Auf echo24.de*-Nachfrage äußert sich ein Sprecher von Daimler zu dem Thema: „Eine ausgewogene Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben ist für jedes vorausschauend agierende Unternehmen essentiell. Das Cash Flow Management ist daher für Daimler ein völlig normaler Vorgang.“ Dass das wirke, zeigten die Zahlen des dritten Quartals. 

Zuletzt hatte Daimler bekanntgegeben, dass der Autobauer im dritten Quartal 2020 deutlich stärker abgeschnitten hatte als erwartet. Daraufhin hatte der Autobauer seine Ziele für das Gesamtjahr etwas nach oben korrigiert. „Daimler geht davon aus, das Jahr 2020 mit einem operativen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres abzuschließen, sofern es zu keinen neuerlichen Rückschlägen infolge der COVID-19-Pandemie kommt“, so der Sprecher. 

Noch im zweiten Quartal fuhr der Autobauer rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. „Das Cash Flow Management ist und bleibt eine Daueraufgabe. Wir sind dazu wie üblich auch mit unseren Lieferanten in engem Austausch“, heißt es von Seiten von Daimler weiter. Zu konkreten Vertragsinhalten mit Lieferanten und Dienstleistern äußere man sich grundsätzlich nicht. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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