Alles auf eine Karte bei Daimler

Daimler-Betriebsrat schlägt Alarm: Neuer Fokus E-Mobilität wird stark kritisiert

Daimler will sich verstärkt auf den Bau von E-Autos konzentrieren.
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Daimler will sich verstärkt auf den Bau von E-Autos konzentrieren.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Daimler will in Zukunft voll auf die Elektromobilität setzen, das gefällt dem Betriebsrat allerdings nicht. Und das hat Folgen.

Stuttgart - In Frankreich gibt es ein Sprichwort: „Der König ist tot. Lange lebe der König.“ Früher gaben damit die Herolde den Tod des alten Königs bekannt und riefen zugleich den neuen aus. Gewissermaßen lässt sich dieser Ausruf auch auf die aktuelle Situation von Daimler und den anderen Autoherstellern übertragen. Und das gleich doppelt.

Zum einen ist mit Tesla ein neuer Konkurrent auf der Bildfläche erschienen, den die meisten Hersteller belächelt und unterschätzt haben. Dazu zählt auch der Automobilkonzern Daimler, der einst Anteile an dem Tech-Konzern aus Kalifornien hatte. Zum anderen passt das Sprichwort auch im Bezug auf die Mobilitätswende: weg vom Verbrenner hin zum Elektromotor.

Daimler/Stuttgart: Der Verbrennungsmotor stirbt, es lebe die Elektromobiiität

Entsprechend hat auch Daimler reagiert und möchte bis 2039 völlig klimaneutral sein. Bei den Werken soll dieses Ziel bereits 2022 erreicht werden. Im Rahmen einer Investorenkonferenz am Dienstag hatte Daimler-Chef Ola Källenius, wie echo24.de* berichtet, noch einmal betont, dass die Zukunft im Bereich der Elektromobilität liegt - bis 2030 sollen E-Autos mehr als 50 Prozent des Absatzes ausmachen. Zeitgleich soll der Anteil der Verbrenner um 70 Prozent sinken.

Heißt der neue König steht schon fest, während der alte noch im Sterben liegt. Und das sorgt laut der Automobilwoche für Ärger in den eigenen Reihen. Der Chef des Gesamtbetriebsrats von Daimler, Michael Brecht, mahnt gegenüber dem Fachblatt an, dass man nicht alles auf diese eine Karte setzen dürfe: „Elektromobilität ist wichtig, ja. Es ist aber auch ein Hype darum entstanden, der politisch und gesellschaftlich befeuert wird.“

Daimler/Stuttgart: Elektromotor für Betriebsrat kein Allheilmittel

Für den Betriebsrat sind die Elektromotoren kein Allheilmittel für die Zukunft, stattdessen stellen sich Brecht einige Grundsatzfragen. Können überhaupt ausreichend Batterien hergestellt werden und woher kommen die Rohstoffe dafür. Außerdem ist Ladeinfrastruktur ein wichtiger Punkt für den 55-Jährigen. Aus seiner Sicht dürfe man die herkömmlichen Verbrennungsmotoren nicht gänzlich verteufeln.

DachgesellschaftDaimler AG
CEOOla Källenius
Mitarbeiterzahl298.655
ZentraleStuttgart
Gründung17. November 1998

„Die Gesamtklimabilanz ist wichtig, nicht die Antriebsart. Wer ohne Verbrenner plant, schlägt all denjenigen Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht, die seit Jahrzehnten in diesen Bereichen eine hervorragende Arbeit leisten und diese Technik weiter verbessern“, erklärte Brecht der Automobilwoche (Artikel hinter der Bezahlschranke). Doch genau hier will der Autobauer aus Stuttgart sparen, wie auch BW24.de* berichtet.

Immer wieder ist von Stellenabbau zu lesen, besonders betroffen wären davon die Motorenwerke in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin. Gerüchte, zu denen sich Daimler auf Anfrage von echo24.de* nicht äußern wollte. Allerdings betont der Betriebsrat, dass die Personalkosten faktisch weniger als 15 Prozent der Gesamtkosten ausmachen: „Da muss dem Unternehmen mehr einfallen, als uns jedes Mal die Personalkosten um die Ohren zu hauen.“ Am Todesurteil für den alten König dürfte das jedoch nichts ändern. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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