Mitarbeiter verärgert

Daimler: Verwirrung um Mercedes-Gehaltsabrechnung - wegen Kurzarbeitergeld

Ein Schild mit der Aufschrift Daimler steht vor dem Mercedes-Benz Werk in Untertürkheim. (Archivbild)
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Rechnet Daimler seine Mitarbeiter bewusst arm?
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Auf der Hauptversammlung hat Daimler die Dividenden seiner Aktionäre erhöht. Bei seinen Mitarbeitern scheint der Mutterkonzern von Mercedes jedoch weiter sparen zu wollen.

Daimler muss sparen! Das ist an sich keine neue Meldung, immerhin ist schon länger bekannt, dass Ola Källenius den Gürtel bei Daimler enger spannt und ein striktes Sparprogramm veranlasst hat. Doch scheinbar ist die Lage noch schlimmer als gedacht - das dürften sich zumindest einige Angestellte einer Mercedes-Niederlassung in der vergangenen Woche gedacht haben.

Auf zahlreichen Gehaltsabrechnungen für den Monat März fand sich weder der übliche Monatslohn noch das Kurzarbeitergeld, sondern lediglich ein Betrag von 0,00 Euro. Wie die Welt berichtet, war der Ärger unter den Angestellten entsprechend groß. Auf WhatsApp bezeichnete ein Mitarbeiter das Verhalten von Daimler als „asozial“, immerhin erhöhte der Automobilkonzern seinen Aktionären die Dividenden.

Daimler: Merkwürdige Gehaltsabrechnung - Aufregung unter Angestellten von Mercedes-Niederlassung

Auch in zahlreichen Sprachnachrichten von Mercedes-Verkäufern wird deutlich, wie frustriert die Daimler-Mitarbeiter sind. Nach Monaten der Kurzarbeit war den Angestellten zwar klar, dass der Gehaltsscheck nicht so üppig sein würde wie gewohnt, dass es aber so wenig wird, damit hatte wohl keiner gerechnet.

Entsprechend sorgte auch eine Sprachnachricht des Vorgesetzten der betroffenen Mercedes-Niederlassung - der sich in der Daimler-Zentrale erkundigt hatte - nicht für Beruhigung. Wie die Welt berichtet, seien die Provisionen im Januar voll ausgezahlt worden, mit den März-Abrechnungen werde dies nun korrigiert.

Daimler: Merkwürdige Gehaltsabrechnung - Hält Mercedes-Niederlassung Provisionen der Angestellten zurück?

„Die Provisionen werden hälftig zurückgehalten, damit ihr in die Lage versetzt werdet, überhaupt Kurzarbeitergeld zu bekommen“, erklärt der Vorgesetzte der Mercedes-Niederlassung in der Sprachnachricht, die der Welt vorliegt, weiter. „Damit drücken wir euch unter die Kurzarbeiterschwelle.“

Diese merkwürdig klingende Reglung soll laut dem Vorgesetzten der betroffenen Mercedes-Niederlassung vor allem den gut verdienenden Verkäufern helfen. „Erst wenn unser Betrieb Kurzarbeit aufgibt, wird dann endgültig der Rest bezahlt, dann kommt wieder der dicke Batzen, der uns jetzt aber natürlich nicht hilft.“

Daimler: Merkwürdige Gehaltsabrechnung - Suche nach Lösung für Angestellte von Mercedes-Niederlassung

Doch was sagt Daimler zu den Aussagen des Niederlassung-Vorgesetzten? Auf Anfrage von echo24.de erklärt der Stuttgarter Automobilhersteller: „Es ist falsch, dass in den Mercedes-Benz Niederlassungen Provisionen für Verkäufer unzulässig zurückgehalten werden, um Ansprüche auf Kurzarbeitergeld geltend zu machen. Unser Vorgehen ist mit der Bundesagentur für Arbeit (Stuttgart) abgestimmt.“

Wegen Corona meldete Daimler Kurzarbeit an. (Symbolbild)

Dass es bei einigen Mitarbeitern im März zu „signifikanten Entgelteinbußen gekommen“ ist, bestreitet Daimler indes nicht. „Wir sind uns der Unannehmlichkeiten für die betroffenen Mitarbeiter bewusst und werden individuelle Lösungen finden, um Härtefälle zu vermeiden“, erklärte eine Daimler-Sprecherin.

Daimler: Gehaltsabrechnungen komplex - Kurzarbeitergeld-Vorgehen abgesprochen

Dabei macht der zeitliche Abstand zwischen Arbeitsleistung und Provisionsfälligkeit bei den Autoverkäufern die Ermittlung der Gehälter wesentlich komplexer. Daher betrachtet die Bundesagentur für Arbeit bei der Berechnung der Höhe des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte auf Provisionsbasis grundsätzlich das durchschnittliche Einkommen der letzten drei Monate.

„Um dieser Berufsgruppe dennoch eine vergleichbare Teilnahme an der Kurzarbeit zu ermöglichen, wurde mit der Bundesagentur für Arbeit ein spezifisches Vorgehen abgestimmt“, erklärt Daimler. Wie die Welt berichtet, würden auch andere Autohersteller ähnlich verfahren.

Daimler: Gehaltsabrechnungen im Januar zu hoch - Mercedes-Mitarbeiter informiert

Wie aber konnte es zu den Überzahlungen im Januar kommen? Laut Daimler lag dies daran, dass es in den vergangenen Monaten „verschiedene Regelungen zu Kurzarbeit und zur Steuergesetzgebung“ gegeben habe. „Die Verrechnung erhaltener Überzahlungen ist planmäßig in den Folgemonaten erfolgt. Die Verkäufer wurden über diese Vorgehensweise im Vorfeld informiert, die Info erfolgte in Abstimmung mit dem Betriebsrat gemeinsam durch Vorgesetzte und Personalverantwortliche persönlich in den Niederlassungen“, betont die Unternehmenssprecherin.

Dennoch bleibt die Frage, ob Daimler darauf angewiesen ist, seinen Mitarbeitern Kurzarbeitergeld zu zahlen, immerhin steigerte der Automobilkonzern aus Stuttgart seinen Gewinn im Vergleich zu 2019. Und das trotz der Corona-Pandemie.

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