Stammwerk wird E-Campus

Daimler: Ist beim Autobauer ein heimlicher Job-Killer im Gange?

Ein weißer SUV EQA der Daimler AG beim Ladevorgang.
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Daimler will sich verstärkt auf den Bau von E-Autos konzentrieren.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Daimler hat einen wichtigen Schritt in der Transformation zum Elektroauto-Hersteller getätigt. Die Vereinbarung könnte jedoch zum heimlichen Job-Killer werden.

Als am Freitag die Meldung die Runde machte, dass die Zukunft von Daimlers Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim endlich geklärt ist, dürften viele Mitarbeiter wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge reagiert haben. Dass nach monatelangen Verhandlungen endlich die Transformation zu einem E-Campus beschlossen wurde, dürfte in der Belegschaft wohl für Erleichterung gesorgt haben.

Auch die Beteiligten - in Form des Werksleiters Franz Dieß und Betriebsrats-Chef Michael Häberle - waren stolz auf die komplexe Vereinbarung.  „Es gibt keine Verlierer“, betonte Häberle laut StN.de. Dieß sprach gar von einem „historischen Beschluss“ allerdings - und das dürfte den Daimler-Mitarbeitern in Stuttgart-Untertürkheim Sorgen bereiten - werden einige Jobs wegfallen.

Daimler: In Stuttgart-Untertürkheim fallen Jobs weg - Betriebsrat spricht von Transformation

Denn der Anteil der klassischen Verbrennungsmotoren wird in den kommenden Jahren weiter zurückgehen, entsprechend wird auch die Fertigung reduziert und schließlich eingestellt. Denn künftig heißt es bei Daimler: Electric First! Neben dem Daimler-Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim ist auch das Mercedes-Benz-Werk in Berlin massiv davon betroffen.

Wie viele Jobs an den beiden Standorten bedroht sind, ist nicht bekannt. Für Daimlers-Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim stellte Betriebsrats-Chef Häberle klar: „Der Betriebsrat redet nicht über Abbauzahlen.“ Allerdings gehe es auch nicht um einen Jobabbau, sondern eine Transformation, die die Zukunftsfähigkeit des Standorts sichern soll.

Daimler: Keine betriebsbedingten Kündigungen in Stuttgart-Untertürkheim - Stellenabbau dennoch möglich

Letztlich lassen sich Stellenstreichungen aber sicherlich nicht vermeiden, das liegt in der Natur der Sache. Ein Elektroantrieb ist deutlich unkompliziert zu fertigen als ein klassischer Verbrenner und somit wird weniger Personal benötigt. Hinzu kommt, dass der Standort in Stuttgart-Untertürkheim aus Sicht von Daimler insgesamt zu teuer ist.

Ursprünglich forderte Daimler daher bis 2025 den Abbau von rund 4.000 Stellen im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim. Häberle betonte jedoch laut StN.de, dass wegen der Beschäftigungssicherung bis 2029 keine betriebsbedingten Kündigungen möglich sind. Allerdings lässt diese eine Hintertüre offen. So können Mitarbeiter in der Produktion und produktionsnahen Bereichen an andere Daimler-Standorte in der Region wechseln. Zudem zahlt Daimler Mitarbeitern, die den Automobilkonzern freiwillig verlassen, hohe Abfindungen. Laut dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer seien diese besonders für Mitarbeiter, die „50 Jahre oder älter“ sind, interessant.

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