Missmut beim Autobauer

Källenius hat Pläne: Knallt es bald bei Daimler?

  • Anna-Maureen Bremer
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Daimler in Stuttgart: Erst harte Sparmaßnahmen, dann mehr Gewinn als erwartet. Aber die Mitarbeiter schauen weiter in die Röhre - zumindest, wenn‘s nach dem Boss geht.

Bei Daimler in Stuttgart könnte die Stimmung bald kippen. Dass coronabedingt knallharte Einsparungen geplant wurden, wird den meisten Außenstehenden und bestimmt auch einigen Mitarbeitern einleuchten. Andererseits hat es viele überrascht, kürzlich diversen Medien zu entnehmen, dass Daimler unerwartet gute Zahlen für das vergangene Jahr vorlegen konnte. Trotz Krise. Wer jetzt aber meint, dass beim Autobauern dann weniger Sparmaßnahmen greifen, hat die Rechnung ohne Chef Ola Källenius gemacht. Er will am Sparplan festhalten. Eine heftige Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat scheint unausweichlich.

Daimler in Stuttgart: Betriebsrat widerspricht Källenius-Plänen

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, rechnet der Daimler-Vorstand auch in diesem Jahr nochmal mit einer Verbesserung der Ertragslage. Leichter wird‘s dadurch für Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht nicht. Er hat natürlich im Fokus, beschlossene Kürzungen aufgrund der Besserungen wieder zurückzunehmen. Im Bericht wird Daimler-Chef Ola Källenius bei der Vorlage der Bilanz zittiert: „Wir müssen in den kommenden Jahren sowohl hohe Investitionen in neue Technologien tätigen, als auch eine Verbesserung der Kosten anstreben. Daran halten wir fest.“ Klingt nach dicker Luft zwischen Arbeitnehmervertretern und der Vorstandschaft.

Schon im Sommer waren die Parteien aneinandergeraten, als die Arbeitnehmerseite einer Kürzung von Arbeitszeit und Gehalt zugestimmt hatte - notgedrungen, weil durch das Coronavirus wochenlange Werksschließungen und Kurzarbeit nicht mehr zu vermeiden waren.

Stuttgart: Bei Daimler droht heftiger Streit

Die Stuttgarter Zeitung berichtet weiter: „Viel Ärger bei den Beschäftigten hat zudem ein gegen Ende des Jahres verkündeter finanzieller Einschnitt bei 4.000 Beschäftigten ausgelöst, der nun am 1. April wirksam wird.“ Viele, die davon betroffen sind, sind Ingenieure. Sie hatte früher noch eine 40-Stunden-Woche gehabt. Die Arbeitszeiten wurden, um zu sparen, auf 35 Wochenstunden herunter gekürzt.

Eingreifen konnte der Betriebsrat hier nicht. Denn: Das Unternehmen berief sich auf eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, welche klarstellt, dass der Arbeitgeber solche Vereinbarungen kündigen kann, ohne dass der Betroffene, der Betriebsrat oder die IG Metall zustimmen müssen.

Daimler-Boss Ola Källenius begründet seine harten Maßnahmen damit, das Unternehmen krisensicher machen zu wollen. Bitter für die Mitarbeiter: Zum Sparplan gehört auch die Streichung der Erfolgsprämie für 2020. Im Vorjahr gab es nach einem massiven Einbruch des Gewinns für 2019 immerhin noch eine Erfolgsbeteiligung von 579 Euro. Eine einmalige „Anerkennungsprämie“ von 500 Euro kam außerdem dazu. Krass ist dieser Unterschied: Im Jahr zuvor war eine Erfolgsprämie von bis zu 4.965 Euro ausgezahlt worden.

Daimler aus Stuttgart kürzt Mitarbeitern das Geld - Dividende wird erhöht

Missmut breitet sich angesichts dessen aus, dass die Mitarbeiter Kürzungen erfahren, während die Dividende angehoben wird. Für Källenius gibt es da nichts Unverständliches: „Aus unserer Sicht halten wir eine sehr gute Balance“, sagte der Vorstandschef. Er verwies auf eine seit Jahren sehr klare Dividenden-Politik.

„Wenn wir Hauruck entscheiden würden, dass wir die Dividendenpolitik von einem Jahr auf das andere ändern, würde das unserer Reputation schaden und somit auch unserer Möglichkeit, Kapital zu beschaffen. In letzter Konsequenz würden wir damit die Arbeitsplätze unsicherer machen.“

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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