Stellenabbau bei Daimler

Daimler-Jobportal in der Kritik: Hammer-Vorwurf gegen Betriebsrat

Das Logo der Daimler AG ist an der Konzernzentrale zu sehen.
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Das JobForum von Daimler steht in der Kritik.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Beim Jobabbau setzt Daimler auf Abfindungen und ein Jobportal, doch das ist intern umstritten. Auch der Betriebsrat steht inzwischen in der Kritik - aus gutem Grund.

Update, 19. Mai: Es ist kein Geheimnis, dass bei Daimler zahlreiche Stellen wegfallen sollen. Neben saftigen Abfindungen soll auch das konzerninterne Jobforum dabei helfen. Doch intern gibt es seit Längerem heftige Kritik an dem Jobportal, mit dessen Hilfe Mitarbeiter innerhalb des Konzerns vermittelt werden sollen.

Das JobForum hat Daimler-intern den Ruf, eine Resterampe zu sein, ein Vorwurf, dem Personalvorstand Wilfried Porth erst kürzlich widersprach. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichteten, empfinden einige Abteilungsleiter des Stuttgarter Automobilkonzerns ihre Versetzung dennoch als Schikane und klagten. Der Daimler-Betriebsrat hält sich bislang jedoch zurück und gerät damit zunehmend selbst in die Kritik.

Daimler: JobForum in der Kritik - Betriebsrat weist Verantwortung für Führungskräfte ab

Den Stuttgarter Nachrichten erklärte der Rechtsanwalt Stefan Nägele, dass einer seiner Mandanten bislang die Verantwortung für 50 Mitarbeiter und ein Budget in Millionenhöhe gehabt habe. Nach seiner Versetzung über das JobForum habe er nun keine Mitarbeiter mehr und auch kein Budget oder Entscheidungskompetenzen. Für Nägele diene das Jobportal lediglich dazu, die Führungskräfte „weichzukochen“, wie auch bw24.de* berichtete.

Statt die Manager der mittleren Führungsebene zu unterstützen, erklärt der Betriebsrat, dass deren Interessen vorrangig vom Sprecherausschuss der leitenden Angestellten vertreten würden – das gelte auch für die Mitarbeiter, die keine leitenden Angestellten sind. „Selbstverständlich können sich die leitenden Führungskräfte auch an den Betriebsrat wenden“, betont der Daimler-Betriebsrat auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten, dann würde dieser ihre Interessen unterstützen.

Daimler: Kritik an JobForum - Experte wirft Betriebsrat Pflichtverletzung vor

Nach Ansicht des Juraprofessors Matthias Jacobs von der Bucerius Law School in Hamburg verletzt der Betriebsrat von Daimler damit seine Pflichten. Den Einsatz für die Führungskräfte der Ebene E3 hält er rechtlich für unzureichend. Auch die Argumentation des Betriebsrates, dass die Führungskräfte vom Sprecherausschuss vertreten würden, trifft nach seiner Einschätzung nicht zu.

„Der Betriebsrat muss die Interessen der von ihm repräsentierten Arbeitnehmer natürlich auch vertreten, wenn er nicht darum gebeten wird“, erklärt Jacobs. Zu einem ähnlichen Schluss kam 2011 auch das Landesarbeitsgericht, demnach seien viele Mitarbeiter der Stufe E3 keine leitenden Angestellten, auch wenn Daimler diese bis heute so bezeichnet.

Entsprechend sei auch der Betriebsrat dafür verantwortlich, deren Interessen zu vertreten. Daimler verteidigt indes die Arbeit des Betriebsrates, der die „Belange aller Beschäftigten sehr ernst“ nehme. Der Automobilhersteller aus Stuttgart schließt daher aus, dass das Gremium seine gesetzlichen Pflichten verletzte.

Daimler-Jobportal: Chance oder Resterampe - Vorstand Porth mit klarer Ansage

Update, 17. Mai: Bis 2025 möchte Daimler rund sechs Milliarden Euro einsparen und daher die Zahl seiner Mitarbeiter drastisch reduzieren. Wer den Konzern freiwillig verlässt, kann sich auf eine saftige Abfindung freuen. Seit Anfang Mai gilt das auch für einige Mitarbeiter der Produktion.

Wer dennoch bleiben will, obwohl die eigene Stelle wegfällt, für den hat Daimler das JobForum geschaffen. Dort sollen Mitarbeiter innerhalb des Konzerns vermittelt werden. Bietet die Plattform also eine Zukunftsperspektive oder ist es doch nur eine „Resterampe“? Immerhin ist das Jobportal in die Kritik geraten, weil es zum Ausstieg motivieren soll.

Daimler: Kritik an JobForum - Porth widerspricht Vorwürfen

Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung widerspricht Daimlers Personalvorstand Wilfried Porth - der den Konzern ebenfalls verlässt - diesem Vorwurf, demnach sorge das JobForum nur in Einzelfällen für Unmut. „In Summe sind nur 0,2 Prozent unserer Mitarbeiter im JobForum“, betont der Daimler-Vorstand.

Wilfried Porth verteidigte in einem Interview das JobForum von Daimler.

Zudem solle auch niemand zum Ausstieg motiviert werden. „Im Gegenteil: Es konnte bereits zahlreichen Führungskräften und Mitarbeitern mit diesem Instrument eine neue Beschäftigung im Konzern vermittelt werden“, erklärt Porth. Deswegen sieht der Daimler-Vorstand auch keine Veranlassung, etwas an dem JobForum zu verändern, da es sich um „ein bewährtes Instrument bei den Trucks“ handele. Zudem habe der Betriebsrat diese Plattform mit initiiert.

Kritik an Daimler-Jobportal: Ist es nur eine „Resterampe“?

Erstmeldung, 16. April: Seit Ola Källenius bei Daimler das Sagen hat, krempelt der Schwede den schwäbischen Automobilkonzern auf links. Statt schmutzigen Verbrennern sollen künftig ausschließlich luxuriöse Elektroautos wie der Mercedes-Benz EQS verkauft werden. Bis spätestens 2039 will man klimaneutral werden, möglicherweise erreicht Daimler dieses Ziel schon schneller.

Zudem möchte Källenius die Kosten bei Daimler bis 2025 drastisch reduzieren und so rund sechs Milliarden Euro einsparen. Dafür müssen allerdings schätzungsweise 20.000 Stellen abgebaut werden und das ohne betriebsbedingte Kündigungen. Stattdessen sollen die Mitarbeiter mit einer saftigen Abfindung vom freiwilligen Abschied überzeugt werden.

Daimler: Kritik an JobForum - Mitarbeiter reden von Resterampe

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, kommt nun aber Kritik an der internen Plattform JobForum auf, über die Mitarbeiter, deren Tätigkeit weggefallen ist, innerhalb des Konzerns eine neue Stelle vermittelt bekommen. Diese, so der Vorwurf, diene als „Resterampe“ für Beschäftigte, die nicht freiwillig gehen wollen und so zum Abschied motiviert werden sollen.

Das Problem: Wer die Abfindung ablehnt, landet schnell im JobForum. Dort bekommen die Mitarbeiter dann neue Aufgaben, die nicht den Qualifikationen entsprechen, dies ist laut einem Betriebsrat Teil einer „Zermürbungstaktik“. Immer mehr Daimler-Mitarbeiter suchen daher Hilfe bei Arbeitsrechtlern.

Daimler: Kritik an JobForum - Mitarbeiter reichen Klage ein

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, vertritt alleine der Stuttgarter Rechtsanwalt Stefan Nägle rund 20 Daimler-Mitarbeiter, von denen viele über 50 sind und die eine Abfindung abgelehnt haben. Nägle ist davon überzeugt, dass die Aufgaben nicht entfallen, sondern intern besetzt und umstrukturiert worden sind. Daher hat der Rechtsanwalt bereits erste Klagen beim Amtsgericht Stuttgart eingereicht, weitere zehn sollen bald folgen.

Auch der Arbeitsrechtler Frank Hahn hat bereits mehrere Klagen gegen die „Friedhofsgesellschaft“ vorbereitet. Hahn - der rund 30 Daimler-Mitarbeiter vertritt - ist der Ansicht, das diese durch die unterwertige Beschäftigung von ihrer eigentlichen Position entfremdet werden sollen.

Daimler: JobForum in der Kritik - Nicht vermittelte Mitarbeiter kehren in Team zurück

Daimler betont hingegen, dass das JobForum lediglich als Unterstützung bei Personalveränderung durch den „Entfall der Aufgabe oder Stelle“ gedacht sei. Einen Zusammenhang mit dem Alter der Mitarbeiter gebe es nicht. Der schwäbische Automobilkonzern erklärte zudem, dass Mitarbeiter, deren Vermittlung nicht gelingt, wieder in ihr Team zurückkehren.

Das sieht der Daimler-Betriebsrat jedoch etwas anders, wer einmal im JobForum sei, habe kaum eine Chance, dort wieder rauszukommen. Daher würden die Mitarbeiter das Forum auch als „Resterampe“ wahrnehmen. Wie die Betriebsrätin Carmen Klitzsch-Müller erklärte, arbeite daher ein ganzer Ausschuss daran, dass das Forum nicht missbraucht wird.

Daimler: JobForum in der Kritik - Betriebsrat stimmt Verlängerung zu

Gleichzeitig stellte die Betriebsrätin aber auch klar, dass das Forum kein Sammelbecken für betriebliche Problemfälle sei, sondern gute Mitarbeiter vermittele - in 30 Fällen sei das bereits geglückt. Außerdem hat der Chef des Daimler-Betriebsrats, Michael Brecht, trotz aller Kritik kürzlich seine Zustimmung gegeben, dass die Plattform bis 2022 verlängert wird.

Intern wird vermutet, dass Daimler dem Betriebsrat dafür mit Prämien und Arbeitszeit entgegengekommen ist. Brecht streitet einen Zusammenhang indes ab. Die Daimler-Mitarbeiter sammeln derweil weiter Beweise dafür, dass das JobForum lediglich als Ausstiegsmotivation dienen soll. *bw24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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