Stellenabbau bei Daimler

Kritik an Daimler-Jobportal: Ist es nur eine „Resterampe“?

Daimler AG (Archivbild)
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Das interne Jobportal von Daimler steht aktuell in der Kritik (Symbolbild)
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Ola Källenius krempelt Daimler auf links und will Kosten einsparen. Beim Jobabbau sollen Abfindungen und ein Jobportal helfen, doch das steht jetzt in der Kritik.

Seit Ola Källenius bei Daimler das Sagen hat, krempelt der Schwede den schwäbischen Automobilkonzern auf links. Statt schmutzigen Verbrennern sollen künftig ausschließlich luxuriöse Elektroautos wie der Mercedes-Benz EQS verkauft werden. Bis spätestens 2039 will man klimaneutral werden, möglicherweise erreicht Daimler dieses Ziel schon schneller.

Zudem möchte Källenius die Kosten bei Daimler bis 2025 drastisch reduzieren und so rund sechs Milliarden Euro einsparen. Dafür müssen allerdings schätzungsweise 20.000 Stellen abgebaut werden und das ohne betriebsbedingte Kündigungen. Stattdessen sollen die Mitarbeiter mit einer saftigen Abfindung vom freiwilligen Abschied überzeugt werden.

Daimler: Kritik an JobForum - Mitarbeiter reden von Resterampe

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, kommt nun aber Kritik an der internen Plattform JobForum auf, über die Mitarbeiter, deren Tätigkeit weggefallen ist, innerhalb des Konzerns eine neue Stelle vermittelt bekommen. Diese, so der Vorwurf, diene als „Resterampe“ für Beschäftigte, die nicht freiwillig gehen wollen und so zum Abschied motiviert werden sollen.

Das Problem: Wer die Abfindung ablehnt, landet schnell im JobForum. Dort bekommen die Mitarbeiter dann neue Aufgaben, die nicht den Qualifikationen entsprechen, dies ist laut einem Betriebsrat Teil einer „Zermürbungstaktik“. Immer mehr Daimler-Mitarbeiter suchen daher Hilfe bei Arbeitsrechtlern.

Daimler: Kritik an JobForum - Mitarbeiter reichen Klage ein

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, vertritt alleine der Stuttgarter Rechtsanwalt Stefan Nägle rund 20 Daimler-Mitarbeiter, von denen viele über 50 sind und die eine Abfindung abgelehnt haben. Nägle ist davon überzeugt, dass die Aufgaben nicht entfallen, sondern intern besetzt und umstrukturiert worden sind. Daher hat der Rechtsanwalt bereits erste Klagen beim Amtsgericht Stuttgart eingereicht, weitere zehn sollen bald folgen.

Auch der Arbeitsrechtler Frank Hahn hat bereits mehrere Klagen gegen die „Friedhofsgesellschaft“ vorbereitet. Hahn - der rund 30 Daimler-Mitarbeiter vertritt - ist der Ansicht, das diese durch die unterwertige Beschäftigung von ihrer eigentlichen Position entfremdet werden sollen.

Daimler: JobForum in der Kritik - Nicht vermittelte Mitarbeiter kehren in Team zurück

Daimler betont hingegen, dass das JobForum lediglich als Unterstützung bei Personalveränderung durch den „Entfall der Aufgabe oder Stelle“ gedacht sei. Einen Zusammenhang mit dem Alter der Mitarbeiter gebe es nicht. Der schwäbische Automobilkonzern erklärte zudem, dass Mitarbeiter, deren Vermittlung nicht gelingt, wieder in ihr Team zurückkehren.

Das sieht der Daimler-Betriebsrat jedoch etwas anders, wer einmal im JobForum sei, habe kaum eine Chance, dort wieder rauszukommen. Daher würden die Mitarbeiter das Forum auch als „Resterampe“ wahrnehmen. Wie die Betriebsrätin Carmen Klitzsch-Müller erklärte, arbeite daher ein ganzer Ausschuss daran, dass das Forum nicht missbraucht wird.

Daimler: JobForum in der Kritik - Betriebsrat stimmt Verlängerung zu

Gleichzeitig stellte die Betriebsrätin aber auch klar, dass das Forum kein Sammelbecken für betriebliche Problemfälle sei, sondern gute Mitarbeiter vermittele - in 30 Fällen sei das bereits geglückt. Außerdem hat der Chef des Daimler-Betriebsrats, Michael Brecht, trotz aller Kritik kürzlich seine Zustimmung gegeben, dass die Plattform bis 2022 verlängert wird.

Intern wird vermutet, dass Daimler dem Betriebsrat dafür mit Prämien und Arbeitszeit entgegengekommen ist. Brecht streitet einen Zusammenhang indes ab. Die Daimler-Mitarbeiter sammeln derweil weiter Beweise dafür, dass das JobForum lediglich als Ausstiegsmotivation dienen soll.

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