Mercedes soll profitabler werden

Zukunft bei Daimler: Sparmaßnahmen und trotzdem mehr Luxus? So soll‘s gehen

  • Julia Cuprakowa
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Bei einer Investorenkonferenz kündigte Daimler an, wieder mehr auf Luxus zu setzen und „die führende Position“ bei Elektroantrieben zu werden.

Stuttgart - Nicht nur wegen der Corona-Pandemie steckt die Daimler AG in der Krise. Diesel-Skandale und der Strukturwandel hin zur Elektromobilität machen auch einem gestandenen Unternehmen zu schaffen. Aber wie kommt man aus dieser Krise wieder raus? Die Antwort: Man setzt auf Luxus und macht gleichzeitig Einsparungen!

Bei einer digitalen Investorenkonferenz in Stuttgart gab Daimler bekannt: Das Unternehmen strebe „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an. Außerdem kündigte der Stuttgarter Autobauer neue Elektrofahrzeuge an. Zugleich will Daimler aber auch die Fixkosten bei Mercedes-Benz - etwa durch Einsparungen beim Personal - im Vergleich zu 2019 um 20 Prozent drücken. Denn im zweiten Quartal hatte Daimler rund zwei Milliarden Euro Verlust eingefahren.

Dachgesellschaft Daimler AG
CEO Ola Källenius
Mitarbeiterzahl 298.655 (31. Dezember 2019)
Zentrale Stuttgart
Gründung 17. November 1998, Stuttgart

Daimler AG: Stuttgarter Autobauer setzt auf Luxus und harte Sparmaßnahmen

Standortübergreifend war zuletzt der Abbau von 10.000 bis 15.000 der weltweit rund 300.000 Daimler-Stellen kolportiert worden, wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) berichtet. Die Zahlen kommentierte der Autobauer bisher jedoch nicht. In Deutschland sind vor allem zwei Werke von den harten Sparmaßnahmen betroffen - das Daimler-Werk in Untertürkheim bei Stuttgart und das Berliner Werk.

Um aus der Krise zu kommen, will Daimler nicht nur sparen, sondern setzt auch wieder voll auf Luxus. Wie n-tv.de berichtet habe die Marke mit dem Stern in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht und die Position als weltweit führende Premiummarke errungen. „Entscheidend ist, dass wir unsere Stärke als Luxusmarke nutzen, um ökonomischen Wert zu schaffen, die Positionierung unseres Produktportfolios erhöhen und den Produktmix verbessern“, erklärte der Daimler-Chef.

Noch ist die Elektro-Offensive gut getarnt: Vier neue EQ-Modelle will Mercedes von 2021 an starten, darunter mit den S- und E-Klassen vergleichbare Limousinen und SUVs.

Die neue Strategie solle dazu führen, das Unternehmen technologisch und finanziell zu neuer Stärke zu führen, teilte der Konzern mit. Man strebe bis 2025 bei Mercedes-Benz eine Umsatzrendite „im mittleren bis hohen einstelligen Prozent-Bereich“ an. Die Umsatzrendite ist Maßstab für die Profitabilität eines Unternehmens. Das heißt: Je höher die Prozentzahl, desto mehr Gewinn holt das Unternehmen aus jedem Euro Umsatz heraus.

Daimler AG in Stuttgart: Investoren machen Druck - Krise sei „selbstverschuldet“

Und so schlecht scheint es für die Daimler AG gerade nicht zu laufen:  Dank guter Geschäfte in China verkauft der Autokonzern Daimler inzwischen wieder mehr seiner Pkw als noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Doch der Druck von Investoren ist enorm. Daimler wird vorgeworfen, sich zuletzt zu sehr auf den Erfolgen der zurückliegenden Jahre ausgeruht und wichtige Weichenstellungen, vor allem für den Umstieg auf die E-Mobilität, verschlafen zu haben. Daimler hätte die Krise selbst verschuldet. Diese Vorwürfe sind auch dafür verantwortlich, dass der Ex-Vorstandschef Dieter Zetsche kommendes Jahr nicht wie geplant sein Comeback als Aufsichtsratschef bei Daimler feiert. 

Stuttgarter Autobauer: China als stärker Absatzmarkt

Den eigenen Angaben nach veräußerte Daimler im dritten Quartal 625.675 Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart. Das waren 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum zwischen Juli und September. Über das ganze Jahr hinweg beträgt das Minus bei den Pkw-Verkäufen allerdings noch immer satte 13,4 Prozent, wie das Unternehmen weiter mitteilte.

Die leichte Stabilisierung der Absatzlage hat Daimler fast allein dem chinesischen Markt zu verdanken. Dort steigerte der Konzern seine Pkw-Verkäufe im dritten Quartal um mehr als 23 Prozent auf 223.631 Autos. In Europa verzeichnete der Autobauer dagegen ein erneutes Minus, diesmal um 0,4 Prozent auf 234.088 Autos. Über das Jahr hinweg beträgt der Rückgang auf dem heimischen Kontinent gar 20,9 Prozent.

Autoverkäufer beraten Kunden in einem Autohaus von Mercedes-Benz in der chinesischen Stadt Guangzhou.

Auch im wichtigen nordamerikanischen Markt - zu dem Daimler die USA, Kanada und Mexiko zählt - ging der Absatz weiter zurück: Hier verkaufte Daimler im dritten Quartal nur 81.859 Autos und damit 9,8 Prozent weniger. Auf Jahresbasis beträgt das Minus 13,9 Prozent.

Rubriklistenbild: © VON RUEDEN

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