Wasserstoff und Brennzellen

„Eine Milliarde Steuergelder“ - womit Daimler jetzt absahnen soll

  • Julia Thielen
    VonJulia Thielen
    schließen

Daimler soll eine Giga-Summe Fördergelder für zwei Projekte erhalten. Dabei ist die Technologie durchaus umstritten.

Die einen glauben, dass sich die Technologie nie richtig durchsetzen wird, für die anderen ist sie der eigentliche Schlüssel zu grünem Fahrspaß. Zu letzteren gehört auch die Bundesregierung. Mit der sogenannten Nationalen Wasserstoffstrategie soll Deutschland seine „globale Vorreiterrolle“ in diesem Segment behaupten können. Der Stuttgarter Konzern Daimler, der gerade erst die Kurzarbeit für seine Mitarbeiter verlängern musste, könnte nun mit seinem Bestreben für Wasserstoffautos von den Plänen der Bundesregierung profitieren - und eine Giga-Summe Fördergelder einstreichen.

Das Unternehmen Cellcentric, das die Daimler-Truck AG und die Volvo Group gemeinsam verantworten und das Brennstoffzellensysteme erforscht, entwickelt und produziert, hat nach eigenen Angaben das Ziel, ein „weltweit führender Hersteller für Brennstoffzellen“ zu werden.

Daimler: „Eine Milliarde Steuergelder“ für zwei Förderprojekte?

Gemeinsam mit Daimler soll Cellcentric dafür nun insgesamt rund eine Milliarde Euro Steuergelder zur Verfügung gestellt bekommen. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten und beziehen sich auf eigenen Informationen und eine Vorlage für das Landeskabinett, die der Zeitung vorliegt.

Demnach sei eine riesige Fabrik für Brennstoffzellen geplant - möglicherweise sogar in Baden-Württemberg. Hierfür sollen rund 602 Millionen Euro draufgehen. Die soll der Konzern bereits beantragt haben. Für die Fertigung von 100 Wasserstoff-Lkw sollen zudem weitere 402 Millionen Euro locker gemacht werden.

Daimler: Zwei Projekte wurden für Förderung ausgewählt

30 Prozent der Kosten soll das Land Baden-Württemberg selbst tragen. Das Umweltministerium soll in der Vorlage bereits eine Empfehlung hierfür ausgesprochen haben. Laut StN waren die Projekte von Daimler und Cellcentric bereits vom Bund für eine mögliche Förderung ausgewählt wurden - er übernimmt die restlichen 70 Prozent.

Daimler treibt den Automobilwandel gerade mächtig voran. Der Ausstieg aus der Verbrennertechnologie ist nun sogar schneller geplant, als anfangs angedacht. Auch Audi, VW und BMW verfolgen ihrerseits Pläne.

Baden-Württemberg: Wasserstoff-Förderprogramm bis 2024

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat bereits Millionen für Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Projekte locker gemacht. Mehr als 90 Unternehmen und 18 Forschungseinrichtungen beschäftigten sich intensiv mit dieser Technologie sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits im März.

Das Wasserstoff-Förderprogramm läuft bis 2024. Um Fördergelder können sich Unternehmen mit technologischen Einzelvorhaben bewerben, aber ebenso Hochschulen und Forschungseinrichtungen, kommunale Betriebe oder Zweckverbände. Mit „grünem“ Wasserstoff - also klimaneutral aus erneuerbarem Strom erzeugt - soll der Einsatz fossiler Energieträger und damit die Treibhausgase verringert werden.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

Das könnte Sie auch interessieren