Spezialisten gesucht

Fachkräftemangel: Daimler trifft Maßnahmen - Betriebsrat gibt Kontra

Ein Schild mit der Aufschrift Daimler steht vor dem Mercedes-Benz Werk in Untertürkheim.
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Daimler benötigt dringend neue Fachkräfte.
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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Daimler sucht die Super-Fachkraft. Dazu setzt der Automobilkonzern auf verschiedene Maßnahmen, doch gibt es überhaupt einen Fachkräftemangel?

Der Wandel der Autoindustrie hin zur Elektromobilität nimmt immer mehr an Fahrt auf. So will Daimler beispielsweise schon ab 2030 auf klassische Verbrenner verzichten, statt wie bislang geplant ab 2039. Damit gewinnt jedoch ein anderes Thema wieder massiv an Relevanz: der Fachkräftemangel. Denn nur mit gut ausgebildeten Experten lassen sich die Themen wie Elektromobilität und Digitalisierung umsetzen.

Entsprechend begehrt sind Elektro-Ingenieure und Software-Entwickler derzeit in der Autoindustrie und das, obwohl sie nur einen Teilbereich ausmachen - jedoch einen extrem wichtigen. Wie wichtig, das zeigt sich sehr gut am Beispiel von Daimler. Bereits im April kündigte der Automobilkonzern an, 3.000 Stellen für Programmierer schaffen zu wollen, davon alleine 1.000 in Sindelfingen.

Daimler: Suche nach Fachkräften - Silicon Valley als Vorbild

An dem Standort in der Nähe von Stuttgart soll ein Kompetenzzentrum für das Daimler-eigene Betriebssystem MBOS entstehen, das ab 2024 zum Einsatz kommen soll. Zudem will man über das interne Jobportal 1.300 Stellen mit „Berufserfahrenen“ besetzen. „Wir investieren gezielt in neue Technologien und Zukunftsfelder“, sagte eine Konzernsprecherin der Stuttgarter Zeitung. „Dafür bringen wir neue Talente mit dem entsprechenden Know-how an Bord und rekrutieren Experten.“

Damit sich die Experten dann auch wirklich für Daimler entscheiden, hat sich die Konzernspitze nun etwas einfallen lassen und orientiert sich dabei am Silicon Valley. Aktuell wird deswegen über neue Tarifverträge für Elektro-Ingenieure und Software-Entwickler verhandelt, die neben mehr Geld auch mehr Freiheiten bieten. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, solle dabei aber vermieden werden, dass eine Zwei-Klassen-Belegschaft entsteht.

Daimler: Fachkräftemangel in der Autoindustrie - eigene Schule für Software-Entwickler

Um zusätzlich für Nachschub - an dringend benötigten Fachkräften - zu sorgen, will Daimler zudem eine eigene Programmierer-Schule aus dem Boden stampfen. Die Idee dazu hat man sich bei Volkswagen entliehen, dort werden Software-Entwickler bereits seit einigen Jahren selbst ausgebildet.

Für Teile der Daimler-Belegschaft mag der Aufwand ein Schlag ins Gesicht sein, immerhin fährt der Autohersteller an sich einen strickten Sparkurs und will Stellen abbauen - auch in der Produktion. Aber aufgrund der Transformation der Automobilindustrie bleibt Daimler keine andere Wahl, denn während für den Bau eines Elektroautos deutlich weniger Personal benötigt wird, wird der Aufwand in der Entwicklung wesentlich höher.

Daimler: Fachkräftemangel? Gesamtbetriebsrat sieht kein Problem

Dennoch kommt vom Gesamtbetriebsrat Kritik am Vorgehen von Daimler, denn nicht alle Fachkräfte müssten demnach von außen angeworben werden. Viel mehr sollte das Prinzip Qualifizierung vor Entlassung gelten. „Hier entstehen auch neue Chancen für die Kolleginnen und Kollegen, die sich in diese Richtung intern weiterentwickeln möchten“, betonte ein Sprecher des Gesamtbetriebsrats.

Nach Ansicht des Gesamtbetriebsrats besteht bei Daimler auch gar kein Fachkräftemangel, den es zu lösen gilt. „Für alle vakanten Stellen gibt es ausreichend gute Bewerbungen.“ Das sei auch bei den Ausbildungen zu sehen. Mit seinen sicheren und zukunftsorientierten Arbeitsplätzen sei Daimler demnach auch in weiterhin ein hochattraktiver Arbeitgeber.

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