Neues Elektroauto von Daimler

Duell mit Apple, Tesla und Co: EQS könnte über Daimlers Zukunft entscheiden

Der Mercedes EQS mit weniger Tarnung.
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Der Mercedes EQS wird am 15. April offiziell enthüllt.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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In wenigen Tagen präsentiert Daimler den Mercedes EQS. Das Elektroauto könnte im Kampf mit Tesla, Apple und Co. über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

In wenigen Tagen ist es so weit, dann präsentiert Daimler das elektrische Pendant zur Mercedes-S-Klasse. Schon im Vorfeld der Präsentation gab es erste Informationen über die Elektroauto-Hoffnung des Stuttgarter Automobilkonzerns. Lediglich über das Design des EQS ist noch wenig bekannt.

Klar ist jedoch: Auf lange Sicht soll der EQS die Zukunft von Daimler sichern. „Die Bedeutung des EQS für den Ruf von Daimler als E-Auto-Bauer ist immens“, erklärte Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dabei sei der Mercedes EQS viel mehr als nur ein neues Modell: Er sei Technologieträger und Symbol für Daimlers Innovationsfähigkeit zugleich.

Daimler: Aufholjagd bei Elektroautos - doch die Konkurrenz ist groß

Dass Daimler innovativ ist, hat das Unternehmen in seiner Geschichte mehrfach bewiesen, unter anderem bei der A-Klasse, die bereits früh mit einer Brennstoffzelle ausgestattet wurde. Bei den Elektroautos hinkt man jedoch hinterher. Umso wichtiger ist es jetzt, den Rückstand auf die Konkurrenz aufzuholen.

Daimler-Boss Ola Källenius hat daher bereits eine Aufholjagd angekündigt. In Stuttgart strebe man nicht weniger als „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an, betonte der Schwede im Herbst. Doch die Konkurrenz ist gigantisch, längst ist der Branchenprimus Tesla nicht mehr allein auf dem Elektroautomarkt. Und auch Apple arbeitet längst an einem eigenen Auto.

Daimler: Apple und Co. werden zur Konkurrenz - Software wird bei Elektroautos zum Schlüsselfaktor

Der Digitalkonzern aus Kalifornien ist da aber längst nicht alleine, wie Stefan Bratzel, Direktor des Instituts Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, betont. Auch Google oder Alibaba werden zunehmen zur Konkurrenz für etablierte Hersteller wie Daimler oder Audi.

Der dpa erklärte Bratzel, es handele sich um „einen Kampf der Welten“. Die Automobilkonzerne einerseits, die Techkonzerne anderseits. Letztere haben jedoch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber Daimler und Co. Bei den Elektroautos wird die Softwarekompetenz immer mehr zum bestimmenden Faktor. „Fahrzeug-Software wird das beherrschende Thema der nächsten 20 Jahre. Und Fahrzeug-Software ist kein preisgünstiges Vergnügen“, erklärt Dudenhöffer.

Daimler: Elektroauto Mercedes EQS muss zum Erfolg werden

Für Daimler heißt das: Der EQS muss zu einem Erfolg werden, auch und vor allem in Sachen Software. Entsprechend investiert der Stuttgarter Automobilkonzern große Summen, sowohl in Software für Elektroautos als auch in das autonome Fahren. So kann die S-Klasse tatsächlich schon bald komplett selbstständig fahren - zumindest bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h.

Noch macht Mercedes ein Geheimnis um das Aussehen des EQS.

Zudem hat Daimler - ähnlich wie Volkswagen und Audi - auch eine neue reine Elektroauto-Architektur namens EVA für den EQS entwickelt. Neben dem Luxus-Elektroauto sollen auch weitere Stromer auf dieser Plattform aufbauen. Ab 2025 soll mit der MMA noch eine zweite Plattform für Elektroautos hinzukommen.

Daimler: Umdenken bei Elektroautos - Hersteller setzen auf zentrale Softwareplattform

Wie die dpa berichtet, sind auch technologisch hochkomplexe Softwareplattformen für Elektroautos wichtig, weil diese im umkämpften Markt den Unterschied machen können. Eine Erkenntnis, die bei den deutschen Herstellern wie Daimler nur sehr langsam gereift ist. Denn diese hatten lange versucht, ihre bestehenden Modelle mit ihren zahlreichen Steuereinheiten umzubauen.

Inzwischen orientieren sich aber auch hier die meisten an Tesla und versuchen, eine zentrale Softwareplattform zu entwickeln. Diese hat den Vorteil, dass sie mehr Variabilität und Funktionalität ermöglicht, zudem können auch Updates schneller ermöglicht werden.

Daimler: S-Klasse als Vorbild für Elektroauto EQS

Entsprechend handelt es sich laut dem Automobilexperten Dudenhöffer bei dem EQS um die „bedeutendste Mercedes-Neuvorstellung der letzten zehn Jahre“. Auch die Mobilitätsforscherin Ellen Enkel von der Uni Duisburg setzt große Hoffnungen in die elektrische S-Klasse: „Wenn der EQS die versprochene WLTP-Norm auch bei Alltagsbelastung ungefähr einhält, würde Mercedes tatsächlich das Model S von Tesla schlagen, das mehrere Jahre in Folge der Verkaufsschlager des E-Pioniers war.“

Dass der EQS wie die S-Klasse eher kein Auto für die Mittelklasse ist, stört Enkel dabei nicht: „Die S-Klasse war und ist der erfolgreichste Pkw der Oberklasse und diente bei Mercedes immer als Vorreiter für neue Technologien, die dann im Laufe der Zeit in die unteren Fahrzeugklassen vererbt wurden.“

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