Daimler präsentiert neue Elektro-Strategie

Umstieg auf Elektroauto: Daimler nennt Hammer-Ziel für Mercedes

Daimler
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Statt „Electric First“ heißt es bei Daimler nun „Electric Only“.
  • Simon Mones
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Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Elektroauto. Darauf reagiert auch Daimler mit seiner neuen Elektro-Strategie und gibt für Mercedes ein ehrgeiziges Ziel aus. 

Die Zeichen stehen auf Elektromobilität, das hat sich am Donnerstag (22. Juli) einmal mehr gezeigt. Das lag weniger daran, dass Mercedes die Plug-in-Hybrid-Version der S-Klasse angekündigt hatte, sondern viel mehr an der neuen Elektro-Strategie, die Daimler-Boss Ola Källenius verkündete. Aus „Electric First“ wird „Electric Only“.

„Der Wendepunkt rückt näher, und wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen“, wird Källenius vom Manager Magazin zitiert. Schon im Jahr 2025 wollen die Schwaben rund 50 Prozent ihrer Neuverkäufe mit vollelektrischen oder Plug-in-Autos erzielen - das sind doppelt so viel wie bisher geplant.

Daimler: Mercedes könnte 2030 vollelektrisch sein

„Bis vor Kurzem erwarteten wir eine moderate Entwicklung des Elektroauto-Marktes, jetzt glauben wir, die Kunden stellen sich schneller um“, betonte Daimlers Vertriebschefin Britta Seeger. Entsprechend bereite man sich darauf, dass Mercedes bis 2030 vollelektrisch werde. „Aber keiner kann vorhersehen, wann der letzte Verbrennungsmotor gebaut wird, das hängt vom Kunden ab“, stellt die 52-Jährige klar.

Wie Daimler mitteilte, sollen ab 2025 drei Elektro-Fahrzeugarchitekturen für mittlere und große Wagen, Hochgeschwindigkeitsantriebe der Marke AMG und Vans in der Produktion zum Einsatz kommen. Zudem wird Daimler den britischen Elektromotor-Spezialisten Yasa übernehmen: „Mit dieser Übernahme erhält Mercedes-Benz Zugang zu einzigartiger Technologie im Bereich Axialflussmotoren und Expertise für die Entwicklung von Ultra-High-Performance-Axialflussmotoren.“

Daimler: Ab 2025 nur noch Plattformen für Elektromobilität

Darüber hinaus kündigte Daimler an, ab 2025 neue Plattformen nur noch für die Elektromobilität anzulegen. Ab 2022 sollen zudem die Werke von Daimler bilanziell klimaneutral werden, noch entstehende Emissionen werden dann über Klimaschutzmaßnahmen kompensiert. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), diese nochmalige Strategieverschärfung spiegele den „eindeutigen Trend“ auf dem gesamten Automarkt wider, „dass die Hersteller im vollelektrischen Auto das Fahrzeug der Zukunft sehen“.

Hinzu kommt, dass die Hersteller ihre Pläne zur Umstellung auf Batterie-elektrische Autos massiv beschleunigt haben, da seitens der Politik deutlich strengere Vorgaben drohen. So steht ein Vorschlag der EU-Kommission der EU-Kommission im Raum, das der CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2030 um 55 Prozent sinken müssen. Ab 2035 sollen dann keine neuen Verbrenner mehr auf den Markt kommen.

Ferdinand Dudenhöffer vergleicht Daimlers Elektro-Strategie mit Volkswagen und Audi.

Für Dudenhöffer ist Daimlers neue Elektro-Strategie damit ähnlich radikal wie der Weg, den Audi und Volkswagen gehen. So soll beispielsweise die Kernmarke VW Pkw bis 2030 in Europa mindestens 70 Prozent ihrer Verkäufe aus dem Absatz reiner Stromer bestreiten. Audi nannte gar bereits konkreten Daten für das Aus der Verbrennungsmotoren, solche Aussagen hört man aus Stuttgart indes noch nicht.

Daimler: Milliarden Investitionen in Elektroautos - eigenen Zellen kommen

Stattdessen kündigte Daimler an, von 2022 bis 2030 mehr als 40 Milliarden Euro in Elektroautos mit Batterie investieren zu wollen. Unter anderem sollen weltweit acht Gigafabriken für Batteriezellen entstehen. Vier der Fabriken sollen in Europa stehen, drei in Asien, hinzu kommt eine in den USA. Wo die Fabriken jeweils genau gebaut werden sollen und mit welchen Partnern man hier zusammenarbeiten will, blieb vorerst offen.

Eigentlich hatte Daimler lange ausgeschlossen, selber Batteriezellen herzustellen und stattdessen auf Zulieferer gesetzt. Doch zuletzt hat sich bereits ein Umdenken abgezeichnet. Die Zellfabriken sollen in jedem Fall das bereits geplante Netz an neun Fabriken ergänzen, die Batteriesysteme aus den Zellpaketen zusammensetzen.

Daimler: Batterie soll standardisiert werden

Zudem soll die nächste Batteriegeneration hochgradig standardisiert sein und in 90 Prozent der künftigen Autos von Mercedes einsetzbar sein. „Die Elektromobilität gewinnt an Fahrt - vor allem im Luxus-Segment, wo Mercedes-Benz zuhause ist“, betonte Källenius.

Während Daimler weiterhin Milliarden in die Elektromobilität investiert, wird bei den Plug-in-Hybriden und Modellen mit Verbrennungsmotor der Rotstift angesetzt. Im Vergleich zu 2019 sollen die Investitionen bis 2026 um 80 Prozent sinken. An den Renditezielen aus dem Herbst hält Källenius jedoch fest. In normalen Zeiten rechnet der Schwede mit einer operativen Marge in niedriger bis mittlerer einstelliger Prozenthöhe, in guten Zeiten soll eine zweistellige Marge möglich sein.

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