Daimler reagiert auf BMW-Forderung

Daimler mit Klartext: BMW wird nach Forderung heftig abgewatscht!

Daimler/Stuttgart: Ärger um Dieselskandal - Wird's richtig teuer?
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Daimler entwickelt für seine Autos ein eigenes Betriebssystem. (Symbolbild)
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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Die Software wird in modernen Autos immer wichtiger. Eine Forderung von BMW sorgte bei Daimler jedoch für eine deutliche Ansage.

Wenn vom Betriebssystem die Rede ist, denken die meisten wohl zunächst an ihren PC oder ihr Smartphone. Doch auch im Auto wird die Software immer wichtiger, entsprechend arbeiten Hersteller wie Volkswagen und Daimler längst an eigenen Betriebssystemen für ihre Autos. Doch einem Hersteller scheint das so gar nicht zu passen.

Der BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber warnte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung seine Kollegen von Daimler und Volkswagen mit deutlichen Worten vor solchen Alleingängen: „Achtung, es ist ein Fehler, wenn jeder ein eigenes Betriebssystem entwickelt, das ist eine Sackgasse!“

Daimler entwickelt eigenes Betriebssystem - BMW fordert Kooperation

Weber begründet seine Aussage damit, dass so die bisherige Kompatibilität bei den Zulieferteilen verloren gehe. „Damit gefährden wir die bewährten Lieferantennetzwerke in Deutschland, Europa und darüber hinaus“, betonte der BMW-Entwicklungsvorstand. Würden BMW, Daimler, Volkswagen und andere Autohersteller ihr eigenes Betriebssystem einsetzen, würde das für die Zulieferer einen deutlichen Mehraufwand bedeuten.

Statt wie bislang standardisierte Schnittstellen zu verwenden, müsste dann für jeden Hersteller alles neu programmiert werden. BMW spricht sich daher dafür aus, ein gemeinsames System zu entwickeln, mit dem beispielsweise Grundfunktionen gesteuert werden.

Software wird immer wichtiger – Zusammenarbeit sinnvoll

„Das Betriebssystem eines Fahrzeugs ist eine der zentralen Fragen der Branche“, erklärte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Denn statt wie bislang rund 70 Steuergeräten soll künftig nur noch eines zum Einsatz kommen, so wie es Tesla bereits vormacht.

Aus Sicht des Experten sei das Thema deutlich einschneidender und schwieriger als der Umstieg auf Elektroautos. „Im Grundsatz könnte man deshalb überlegen, solche Basissysteme gemeinsam zu entwickeln“, sagte Bratzel. Eine solche Einigung müsste jedoch sehr schnell erfolgen. Der Vorstoß von BMW dürfte dafür schon zu spät kommen.

Daimler erteilt Kooperation Absage und hält an eigenem Betriebssystem fest

Denn längst entwickeln Daimler und Volkswagen eigene Betriebssystem für ihre Neufahrzeuge. Wie wichtig das Thema ist, zeigt beispielsweise Daimler. In Sindelfingen wurden jüngst Tausende neue Jobs geschaffen und eine eigene Software-Schule gegründet. Entsprechend deutlich fiel auch die Reaktion auf den BMW-Vorstoß aus.

Bei Daimler hält man an dem Plan eines eigenen Betriebssystems fest und will MBOS 2024 auf den Markt bringen. Eine Kooperation mit anderen Herstellern lehnt man in Stuttgart ab. „Das ist unser Weg, den wir gewählt haben. Wir haben Partnerschaften geprüft, und am Ende haben wir die Partnerschaften gewählt, die uns die höchste Geschwindigkeit und die größten technologischen Fortschritte versprechen“, erklärte Daimler-Vorstand Markus Schäfer am Sonntag auf der IAA Mobility, wie golem.de berichtet. Dabei verwies der Daimler-Vorstand auch auf die Zusammenarbeit mit NVIDIA.

Auch bei Volkswagen scheint man an den eigenen Plänen festzuhalten. Auf der IAA Mobility in München präsentierte der Konzern die Entwicklungsziele für die neue Software-Tochter Cariad. Das entwickelte Betriebssystem soll dann auch bei Porsche oder Audi eingesetzt werden.

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