Betriebsratschef äußert sich zu Daimlers Klimaschutzzielen

Daimler setzt auf Klimaschutz: Betriebsrat mit überraschender Ansage

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Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht, hat sich zu den Klimaschutzzielen des Konzerns geäußert.
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Bis 2039 soll die Neuwagenflotte von Daimler klimaneutral sein, womöglich sogar früher. Der Chef des Betriebsrats, Michael Brecht, hat sich nun zu den Klimaschutzzielen geäußert.

Seit dem Ola Källenius bei Daimler das Ruder übernommen hat, weht in den Stuttgarter Konzernzentrale ein anderer Wind. Das gilt auch für Themen wie den Klimaschutz, bis 2039 soll Daimler nach dem Willen des Schwedens klimaneutral sein. Das bekräftigte man auch mit einer Partnerschaft mit Amazon.

Doch Källenius machte auch klar, dass das Ziel schon eher erreicht werden könne. „Wer Daimler-Chef Ola Källenius gut zugehört hat, weiß, dass wir nicht mehr getrieben werden, sondern das Tempo selbst gestalten wollen“, erklärte Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Konzerns den Stuttgarter Nachrichten.  „Unser Ansporn ist zu zeigen, dass wir eine treibende Kraft beim Klimaschutz sein können.“

Daimler: Klimaschutzziele verschärft - Betriebsratschef mit Lernkurve

Eine Aussage, die überrascht, denn bislang äußerte sich Brecht beim Klimaschutz eher kritisch und warnte vor zu strengen Vorschriften. Besonders, da dadurch Jobs verloren gehen könnten, wie kommt es also zu diesem Sinneswandel? „Jeder Mensch macht eine Lernkurve mit. Wenn die Entscheidungen da sind, muss man sie annehmen“, betonte der Chef des Betriebsrats. „Es hat mich immer genervt, wenn es hieß: Daimler kommt zu spät, und Tesla marschiert vorneweg.“

Zudem wurden die vereinbarten Klimaziele in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft. Bis 2030 will die EU nun 55 Prozent weniger CO2 ausstoßen als im Vergleichsjahr 1990, bislang sollten es 40 Prozent weniger sein. Der vor zwei Jahren verabschiedete Flottengrenzwert wurde von minus 37,5 Prozent auf minus 50 Prozent verschärft. Auch das Klimaschutzgesetz in Deutschland wurde deutlich verschärft, bis 2030 soll der CO2-Ausstoß des Verkehrs auf 85 Millionen Tonnen reduziert werden.

Daimler: Klimaneutral bis spätestens 2039 - Betriebsrat sieht Folgen für Mitarbeiter früher

Ungeachtet davon hatte Daimler-Chef Källenius bereits das Ziel ausgerufen, dass die Neuwagenflotte von Daimler bis 2039 komplett klimaneutral sein müsse. Kürzliche betonte der Schwede, dass man dieses Ziel wohl deutlich schneller erreichen wolle. „Für mich geht es nicht um die Zahl, ob wir 2039 oder 2035 klimaneutral sind“, erklärte Brecht den Stuttgarter Nachrichten. „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir 100 Prozent Elektrofahrzeuge liefern können, sobald es der Kunde verlangt, und sei es schon 2030.“

Für die Mitarbeiter von Daimler bekämen dies aber schon deutlich früher zu spüren. „Die Gleichung ist: Weniger Verbrennungsmotoren plus weniger Autos mit Hybridantrieb gleich weniger Beschäftigung in der mechanischen Fertigung“, macht der Daimler-Betriebsratschef klar. Schon jetzt gibt es in Untertürkheim ein Abfindungsangebot für Mitarbeiter in der Produktion.

Daimler: Betriebsrat mit klarer Forderung

Dennoch glaubt Brecht nicht, dass die Mitarbeiterzahl bei Daimler drastisch abnimmt, „denn es gibt auch neue Betätigungsfelder, vor allem im Softwarebereich“. Dennoch gebe es Segmente, in denen man nach Alternativen suchen müssen, eine solche könnte beispielsweise die Produktion von Batteriezellen sein.

Der Daimler-Betriebsratschef, Michael Brecht, fordert die Produktion von Batteriezellen.

„Bei der Fertigungstiefe kann Tesla tatsächlich ein Vorbild sein. Wenn man alles selbst machen kann, hat man das Gesamtsystem im Griff“, sagte Brecht den Stuttgarter Nachrichten. Der Daimler-Vorstand teilt diese Ansicht des Betriebsratschefs jedoch nicht ganz. „Aber der Vorstand taut an diesem Punkt auf“, betonte Brecht.

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