Für bessere CO2-Bilanz

Daimler schließt Vertrag mit schwedischem Unternehmen - für einen ambitionierten Plan

Ein Modell der Mercedes-EQ-Reihe.
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Bis 2030 will Daimler keine Verbrenner mehr produzieren, sondern komplett auf die Produktion von E-Modellen, wie etwa der abgebildete Mercedes-EQS, umstellen.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Daimler AG will ihren CO2-Fußabdruck weiter verkleinern. Dafür geht der Autobauer aus Baden-Württemberg nun einen wichtigen Deal mit einem schwedischen Unternehmen ein.

Stuttgart/Lulea - Die Zukunftsvision von der Daimler AG ist klar: Bis 2020 plant der Autobauer aus Stuttgart keine Verbrenner mehr zu produzieren (*BW24 berichtete). In seinem Vorhaben geht Daimler nun einen Schritt weiter und verfolgt seinen ambitionierten Plan. Um auch in der Produktion klimafreundlicher zu werden, will das Unternehmen künftig Stahl aus einer CO2-freien Produktion aus Schweden beziehen. Bereits ab 2026 soll das der Fall sein.

Seit Jahrzehnten gehört die Stahlproduktion zu den größten Klimasündern. Der Druck auf die Produktionsfirmen wächst. Vor allem Autohersteller verlangen eine CO2-freie Produktion. Denn auch sie stehen unter dem Druck, ihre Emissionen zu senken. Daimler geriet bereits in Bedrängnis: Eine Studie entlarvte mangelnden Fortschritt bei der CO2-Bilanz*.

„Wir wollen bis 2039 unsere gesamte Lieferkette dekarbonisieren“, sagte Markus Schäfer, Daimler-Vorstand im Ressorts Einkauf und Entwicklung, gegenüber dem Handelsblatt. „Dafür ist es nötig, dass wir eng mit unseren Lieferanten zusammenarbeiten und früh in die gemeinsame Entwicklung einsteigen.“

Daimler AG: Emissionen in Stahlbranche sollen auf null gehen

Doch so einfach ist dieser Prozess nicht. Die Anlagenparks der Stahlhersteller müssen umgerüstet und für den Einsatz von Wasserstoff vorbereitet werden, berichtet das Handelsblatt. Spätestens bis 2050 sollen die Emissionen der Stahlbranche so auf null gesenkt werden.  Daimler-Chef Ola Källenius ist es dabei wichtiger, die CO2-Ziele einzuhalten, als Jobs zu retten*. Um den Prozess weiter voranzutreiben, beteiligte sich Daimler zuletzt an der Neugründung vom Unternehmen „H2 Green Steel“, das in Nordschweden ein klimaneutrales Stahlwerk aufbauen will.

Vor einigen Wochen vergab die Daimler AG zudem einen Auftrag an den niedersächsischen Stahlhersteller Salzgitter, der die Tochter Mercedes-Benz* künftig mit einem um zwei Drittel verringerten CO2-Fußabdruck beliefern wird.

Mit der Zusammenarbeit mit dem schwedischen Stahlhersteller SSAB geht Daimler einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen CO2-Senkung. In den kommenden fünf Jahren will die Firma mit Sitz im schwedischen Lulea den Markt mit grünem Stahl beliefern. Bereits seit Anfang dieses Jahres betreibt SSAB eine Pilotanlage. In Lulea sollen bereits 2022 erste Prototypenteile für Rohbauumfänge für Daimler gefertigt werden.

Daimler AG: Autobauer aus Stuttgart will Stahl künftig komplett „grün“ beziehen

Doch warum greift die Daimler AG ausgerechnet auf schwedische Unternehmen zurück? Schwedische Stahlproduzenten sind ihren mitteleuropäischen Konkurrenten einen weiten Schritt voraus. Ein Grund dafür ist die Energiegewinnung im Land. Schweden verfügt über große Mengen klimaneutral produzierter Energie. Der „grüne Strom“ wirkt sich positiv auf die Emissionssenkung aus. Er wird schließlich benötigt, um grünen Wasserstoff produzieren zu können. Langfristig soll der grüne Wasserstoff die klima- und umweltschädlichen Kohle ersetzen.

Das Unternehmen SSAB hat zudem eine Kooperation mit dem schwedischen Staatsbergbaukonzern LKAB geschlossen, um klimaneutral gefördertes Eisenerz zu erhalten. Außerdem greift SSAB auf den Energieversorger Vattenfall zurück, welcher der Produktion grünen Strom liefert. „Solche branchenübergreifenden Projekte werden in Zukunft immer wichtiger“, sagt Daimler-Vorstand* Markus Schäfer. Die Klimaziele ließen sich nur erreichen, wenn wir die CO2-Emissionen über die gesamte Prozesskette eliminiert würden. „Vom Fördern der Rohstoffe bis zum Recycling des Endprodukts.“

Davon sind die Produktionsfirmen in Deutschland noch ein gutes Stück entfernt. Allein die deutsche Stahlindustrie bräuchte rund 12.000 neue Windräder, um auf die Wasserstoffproduktion umzustellen. Hinzukommen die nötigen Investitionen in die Produktionsanlagen, welche in die Milliardenhöhe gehen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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