Automobilkonzern im Wandel

Daimlers Betriebsratschef mit heftigen Aussagen - „Wir sind an einem kritischen Punkt“

  • Julia Cuprakowa
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Die Daimler AG befindet sich wie viele Autobauer im Wandel. Doch Betriebsratschef Michael Brecht wirft dem Daimler-Vorstand schlechtes Management und falsche Prioritäten vor.

Stuttgart - Die Automobilbranche befindet sich im Wandel. Weg von herkömmlichen Verbrennungsmotoren hin zur E-Mobilität. Und Mitten in diesem Wandel steckt auch der größte Autobauer Baden-Württembergs - die Daimler AG. Um sich neu aufzustellen, muss das Stuttgarter Unternehmen umstrukturieren. Denn die Herstellung von Elektromotoren ist deutlich unkomplizierter als die von Verbrennungsmotoren. Heißt im Klartext: Im Zuge der Umstrukturierung müssen Arbeitsstellen abgebaut* werden, wie echo24.de* berichtet. Und genau diese Tatsache sorgt momentan für dicke Luft zwischen Betriebsratschef Michael Brecht und dem achtköpfigen Daimler-Vorstand um Konzernchef Ola Källenius. Doch wer ist der Mann, der für mehr als 170.000 Daimler-Mitarbeitern einsteht?

Daimler AG in Stuttgart: Betriebsratschef greift Vorstand an

Michael Brecht gehört zu den mächtigsten Gewerkschaftern Deutschlands. Der 55-Jährige gilt als harter, aber besonnener Verhandler, der sich mit jedem noch so sturem Manager auseinandersetzt, um am Ende doch noch ein Kompromiss zu erreichen. Brecht stieg 2014 zum Arbeiterführer bei Daimler auf und seitdem herrschte im Unternehmen stille Eintracht, wie handelsblatt.com berichtet. Denn es gab auch andere Zeiten. Unter Brechts Vorgänger Erich Klemm stritten der Daimler-Vorstand und die Belegschaftsvertreter über Jahre hinweg. Nun droht ein Rückfall in bereits vergessene Zeiten.

Der Grund: Brecht wirft dem Vorstand des Konzerns vor, den Betriebsfrieden durch die Umstrukturierung und damit verbundenen und überzogenen Sparkurs mutwillig zu gefährden. „Der Vorstand schießt übers Ziel hinaus. Die Belegschaft ist doch nicht der Feind“, sagte Brecht gegenüber dem Handelsblatt. Der oberste Interessenvertreter von mehr als 170.000 Mitarbeitern beklagt, dass die Argumente der Betriebsräte vom Management teils gar nicht mehr gehört würden. Das Verhältnis zueinander sei daher angespannt. „Eine Beziehung, in der man sich weigert, aufeinander zuzugehen, hält nicht lange. Wir sind an einem kritischen Punkt“, erklärt Brecht.

Daimler AG: Ausbau der Zusammenarbeit mit China - Deutsche Standorte nicht berücksichtigt

Laut Handelsblatt sei der neuste Streitpunkt, der Ausbau der Zusammenarbeit mit Daimlers chinesischem Großaktionär Geely. Beide Unternehmen planen nach Daimler-Angaben die Entwicklung eines neuen Benzinmotors, der in Europa und China hergestellt werden soll und dann auch in Autos mit Hybridantrieb zum Einsatz kommen könne. Es ist die erste Zusammenarbeit zwischen Daimler und Geely bei Motoren. Allerdings kooperieren beide Konzerne bereits seit längerem in mehreren anderen Bereichen.

Der Betriebsrat von Daimler geht den Vorstand des Konzerns mit harten Worten an.

Die gemeinsam entwickelten Motoren sollen laut dem Stuttgarter Autobauer dann nicht nur in Daimler-Fahrzeugen, sondern auch in Volvo-Autos zum Einsatz kommen. Geely und Volvo sind eng miteinander verflochten. Das Handelsblatt schrieb, den Planungen zufolge sollten im Jahr 2024 die ersten dieser neuen Motoren gefertigt werden und dann einige Hunderttausend pro Jahr. Daimler äußerte nicht zu Details, sondern teilte nur mit, die Kooperation habe das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Geely wollte sich gar nicht äußern. Der Großaktionär hält 9,7 Prozent der Daimler-Aktien.

Allem Anschein nach wurden die deutschen Standorte bei der Entscheidung nicht genügend berücksichtigt. Brecht sagt dazu: „Wichtig ist für uns, dass die deutschen Standorte bei weitreichenden Produktentscheidungen wie beispielsweise der neuen Motorengeneration eine faire Chance erhalten und beim Zuschlag in Betracht gezogen werden. Das war hier nicht der Fall.“

Daimler AG: Stuttgarter Autobauer setzt auf E-Mobilität und strebt „die führende Position“ an

Daimler hatte Anfang Oktober bekannt gegeben, künftig noch stärker als bis dato angekündigt auf die E-Mobilität setzen zu wollen. Man strebe nicht weniger als „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an, hieß es. Der Konzern betonte nun, man setze seine Bestrebungen fort, „die bestehenden Antriebsstrangwerke auf elektrische Umfänge umzustellen“. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Marijan Murat/dpa

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