Zetsche mit guten Gründen

Daimler AG: Ungewisse Zukunft in der Chefetage - Zetsche verzichtet auf den Aufsichtsrats-Posten

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Der frühere Vorstandschef Dieter Zetsche feiert kommendes Jahr nicht wie geplant sein Comeback als Aufsichtsratschef bei Daimler. 

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich momentan in der Krise. Auch trotz guter Nachrichten – wie zum Beispiel der Inbetriebnahme einer neuen Produktionsfabrik „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart oder der Weltpremiere der neuen Generation der Mercedes-Benz S-Klasse – überwiegen die Negativschlagzeilen in den Medien.

Name Dieter Zetsche
Geboren 5. Mai 1953 (Alter 67 Jahre), Istanbul, Türkei
BerufEx-Vorstandsvorsitzender der Daimler AG
NachfolgerOla Källenius

Jetzt kommt schon die nächste Hammer-Meldung: Das angepeilte Comeback von Ex-Vorstandschef Dieter Zetsche beim Autobauer Daimler hat sich zerschlagen. Damit eröffnet er beim Stuttgarter Konzern die Suche nach einem neuen Chefaufseher, der den scheidenden Amtsinhaber Manfred Bischoff von 2021 an ablösen soll. Doch woher der Sinneswandel?

Daimler AG in Stuttgart: Kein Comeback für Zetsche - aus guten Gründen

Zetsche begründete seinen überraschenden Entschluss in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (Artikel hinter der Bezahlschranke) damit, dass er von einigen Investoren von vorneherein „nicht als Hoffnungsträger, sondern als Belastung“ angesehen werden würde. „Nein, das brauche ich nicht“, begründet der ehemalige Vorstandschef seine Entscheidung. Ex-Daimler-Chef war von Januar 2006 bis Mai 2019 Vorstandsvorsitzender beim schwäbischen Autobauer, ehe er seinen Posten an Ola Källenius abgab. Allerdings war damals in den Führungsgremien verabredet worden, dass Zetsche - nach einer Abkühlphase - 2021 den Aufsichtsratsvorsitz vom inzwischen 78-jährigen Bischoff übernehmen sollte.

Diese Pläne stießen allerdings zuletzt auf immer mehr Kritik bei Daimler-Aktionären. Zetsche wird unter anderem vorgeworfen, sich zum Ende seiner Zeit als Vorstandschef auf den Rekorden der zurückliegenden Jahre ausgeruht und wichtige Weichenstellungen vor allem für den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen zu haben. Die derzeitige Krise sei - mal abgesehen von unmittelbaren Folgen der Corona-Pandemie - hausgemacht, wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) berichtet. Zumal auch der Diesel-Skandal in Zetsches Amtszeit fiel, der Daimler weltweit erheblich an Ansehen und obendrein Milliarden für teure Vergleiche kostete.

Auch aktuell schreibt der Konzern mit Sitz in Stuttgart tiefrote Zahlen. Denn im zweiten Quartal verbuchte Daimler einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro. Jetzt soll kräftig gespart werden. Zuletzt war der Abbau von 10.000 bis 15.000 Stellen weltweit kolportiert worden. Medien hatten sogar von bis zu 30.000 Jobs berichtet. Der Stuttgarter Autobauer nennt jedoch keine Zahlen. Schlagzeilen machten vor allem die möglichen Werksschließungen in Untertürkheim und Berlin, wie echo24.de bereits berichtete.

Daimler AG: Zetsche verzichtet auf Comeback als Aufsichtsratschef - aus Liebe zum Konzern

Zetsche sagte, er habe im Sommer lange darüber nachgedacht, ob sein ursprünglicher Entschluss, kommendes Jahr in den Daimler-Aufsichtsrat zurückzukehren, noch gelte. „Natürlich hätte ich diese Aufgabe gerne gemacht. Ich glaube auch, dass ich sie gut gemacht hätte“, sagte er. Bekannte jedoch auch: „Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich dem Unternehmen einen Dienst tue. Und ob ich mir einen Gefallen tue, wenn ich diese Aufgabe jetzt übernehme.“

Dieter Zetsche verzichtet auf das Comeback bei Daimler.

Mit einigen Großinvestoren im Rücken hätte er sich bei einer Wahl auf der Hauptversammlung zwar gute Chancen ausgerechnet, die nötige Mehrheit zu bekommen. „Aber die Frage ist: Zu welchem Preis? Ich glaube, dass eine Kampfabstimmung dieses Unternehmen mit seinen 300.000 Mitarbeitern, an dem mir sehr viel liegt, zumindest für eine gewisse Zeit belastet hätte.“ In letzter Konsequenz habe er sich dazu entschieden, dass er das nicht wolle und auf den Posten lieber verzichte. Als Reaktion teilte Daimler mit, man nehme Zetsches Entscheidung „mit großem Respekt zur Kenntnis“.

Daimler AG: Ungewisse Zukunft in der Chefetage - Wer kommt an Zetsches Stelle?

Zu der Frage, wer nun neuer Aufsichtsratschef werden könne, gab sich Zetsche zurückhaltend. „Da bin ich raus, darüber habe ich keine Entscheidungen zu treffen.“ Auch ein Sprecher des Stuttgarter Autokonzerns äußerte sich nicht näher. Fest steht aber: Für Zetsche ist die Tür nun geschlossen aber auch damit scheint er bereits seinen Frieden gemacht zu haben. Er sei „sicher, das ist für mich die richtige Entscheidung, weil ich mir nichts mehr beweisen muss“.

Rubriklistenbild: © Uli Deck

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