Hoffnungsschimmer aus Tübingen

CureVac-Impfstoff als Hoffnungsträger: Palmer fordert Notfallzulassung

  • Lisa Klein
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Der Impfstoff von CureVac fungiert als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Tübingens Oberbürgermeister fordert nun eine Notfallzulassung.

Update vom 02. Mai:  Das Impf-Verfahren in Deutschland könnte erheblich beschleunigt werden – die Voraussetzung: mehr Impfstoff. Um den Impffortschritt voranzutreiben sollen ab Juni auch Betriebsärzte bei den Corona-Impfungen mit einbezogen* werden. Damit in Deutschland bald ein weiteres Vakzin zur Verfügung steht, forderte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nun eine deutsche Notfallzulassung für den in der baden-württembergischen Stadt produzierten Corona-Impfstoff des Unternehmens CureVac.

„CureVac hat auf Vorrat Impfstoff produziert. Jetzt könnten diese Dosen Leben retten“, sagte der Grünen-Politiker gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Die EU lasse sich „ewig Zeit“ für die Zulassung, kritisierte Palmer. „Die Schein-Sicherheit von bürokratischer Prüfung wird über die reale Sicherheit eines Impfstoffes gestellt.“ Und: „Wann sollte denn eine Notfallzulassung Sinn machen, wenn nicht in der dritten Welle dieser Pandemie?“, fragte der Politiker laut Deutscher Presse-Agentur (dpa).

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte das schnelle Prüfverfahren im Februar gestartet. Abhängig von den klinischen Daten erwartet das Unternehmen die Zulassung für die EU im zweiten Quartal 2021. CureVac möchte seinen Corona-Impfstoff von Juni an einsetzen können. Bisher sind in der EU die Vakzine von Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna und Johnson & Johnson* zugelassen.

Impfstoff von CureVac als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie?

Erstmeldung vom 21. April: Das Impf-Verfahren in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf, doch es könnte erheblich schneller gehen – wären da nicht die Zweifel gegenüber des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca. Das Vertrauen in den britischen Impfstoff ist durch die Hirnvenenthrombose als mögliche Nebenwirkung, dem Impfstopp sowie dem Hin und Her bezüglich der Empfehlung bei den meisten Deutschen inzwischen weg. Zahlreiche Impfberechtigte lehnen eine Impfung mit AstraZeneca ab*.

Auch der Impfstoff von Johnson & Johnson war zuletzt in der Diskussion, ebenfalls Hirnvenenthrombosen auslösen* zu können. Lediglich die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna scheinen bislang noch vertrauenswürdig. Doch es gibt einen weiteren Hoffnungsträger, der das Impf-Verfahren in Deutschland beschleunigen und erneutes Vertrauen schaffen könnte: der mRNA-Impfstoff* des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac.

CureVac-Impfstoff als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie

Sowohl mit der Beantragung der Zulassung als auch der Zulassung selbst rechnet das Tübinger Unternehmen noch im zweiten Quartal dieses Jahres, sagte ein Sprecher von CureVac – eventuell könnte eine Zulassung sogar noch im Mai* erfolgen. Die klinische Entwicklung befinde sich in der finalen Phase und die Daten für das rollende Zulassungsverfahren durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) würden laut CureVac rechtzeitig erwartet, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Auch die Bundesregierung rechnet bereits mit dem Vakzin von CureVac ab Juni*.

Der Gesundheits-Experte Karl Lauterbach (SPD) forderte zuletzt auf Twitter eine Notfallzulassung für CureVac, da Lücken für „die große Gruppe der Unter-60-Jährigen“ dringend gefüllt werden müssten. Der von CureVac entwickelte Corona-Impfstoff CnCov wird derzeit in einer fortgeschrittenen Phase mit rund 40.000 Teilnehmern geprüft. In einer zusätzlichen Studie* habe dieser zudem einen vollständigen Schutz vor einer tödlichen Infektion durch die Südafrika-Virusvariante B.1.351* bewiesen, hieß es.

CureVac-Impfstoff als Hoffnungsträger: „Wir wollen das Rennen um den besten Impfstoff gewinnen“

Zusammen mit dem Pharmakonzern Bayer* arbeitet CureVac daran, die erste Generation des Impfstoffs möglichst schnell und breit verfügbar zu machen. Die Europäische Union habe sich inzwischen 225 Millionen Dosen und eine Option auf 180 Millionen weitere Dosen gesichert, teilte CureVac mit. Das Rennen um den ersten Impfstoff sei klar verloren, erklärte Großaktionär Dietmar Hopp bereits im September.

Aber wir wollen das Rennen um den besten Impfstoff gewinnen, und da haben wir gute Chancen

Dietmar Hopp

Das Vakzin soll mit einer geringeren Dosierung des Wirkstoffs auskommen, wodurch der Impfstoff verträglicher wird und auch die Produktionskosten geringer sind. Zudem soll der Impfstoff von CureVac bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden können.

CureVac-Impfstoff als Hoffnungsträger: 300 Millionen Impfdosen bis Ende des Jahres

Das Tübinger Unternehmen geht davon aus, bis Ende des Jahres 300 Millionen Dosen seines Impfstoffs CnCov herstellen zu können und im Jahr 2022 sogar bis zu einer Milliarde Dosen. CureVac hat bereits einen konkreten Plan, wie eine schnelle Produktion des CureVac-Impfstoffs möglich sein soll. Das Tübinger Unternehmen setzt vor allem auf eine Vielzahl an Partnern in ganz Europa*.

„Wacker Chemie“ möchte bereits in diesem Monat in einem Werk in Amsterdam mit der Produktion beginnen – etwa 100 Millionen Dosen sollen laut des Manager Magazins noch in diesem Jahr hergestellt werden, 200 Millionen im kommenden Jahr. Ähnliche Pläne hat verfolgt das belgische Werk „Wavre“ von „Glaxosmithkline“. Zudem soll der Corona-Impfstoff durch den luxemburgischen Auftragsfertiger „Valneva“ in zwei französischen Werken laut dem Pariser Wirtschaftsministerium ab Ende Mai oder Anfang Juni abgefüllt werden.

Das Impfen in Deutschland könnte erheblich schneller vorangehen. Fungiert der Impfstoff von CureVac als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie? 

„Novartis“ stellt ein Werk in Österreich zur Verfügung, für bis zu 50 Millionen Dosen in diesem und 200 Millionen im kommenden Jahr. Der schwäbische Produzent Rentschler Biopharma, verkündete im Februar bis zu 100 Millionen Impfdosen jährlich liefern zu können. Auch in Heidelberg soll das Vakzin von CureVac abgefüllt werden* – in einem Werk von Celonic. Zudem baut CureVac selbst in Tübingen eine große eigene Impfstofffabrik für eine Milliarde Dosen jährlich. Doch warum dauert es so lange, bis der Corona-Impfstoff von CureVac bereit für die Zulassung ist? Schließlich war Biontech beinahe um ein halbes Jahr schneller?

Warum dauert die Entwicklung des Impfstoffes von CureVac so lange?

Das Unternehmen selbst begründet die Dauer der Entwicklung des Corona-Impfstoffs mit fehlenden Fördermitteln zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr. CureVac hat für das Geschäftsjahr 2020 hohe Verluste verzeichnet. Vor Steuern lag das Minus bei 129,8 Millionen Euro, wie CureVac mitteilte. Die Verluste seien vor allem durch die hohen Kosten für Forschung und Entwicklung des Corona-Impfstoffs begründet. Zum Teil seien diese durch Fördergelder des Bundes inzwischen ausgeglichen worden.

Der Bund ist durch die Förderbank KfW seit Sommer 2020 zu knapp einem Drittel indirekt auch Eigentümer der Firma. Mit der Beteiligung wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern. Das Bundesforschungsministerium investiert in den Jahren 2020 und 2021 nach eigenen Angaben fast 1,6 Milliarden Euro in die Forschung zu Covid-19. Davon gehen rund 627 Millionen Euro an die Impfstoff-Hersteller Biontech in Mainz und Curevac in Tübingen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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