Corona: mRNA-Impfstoff aus Tübingen

CureVac-Enttäuschung: Was das für Impfkampagne und Vakzin-Zulassung bedeutet

Der Impfstoff von Curevac aus Tübingen soll eine niedrige Wirksamkeit besitzen.
+
Der Impfstoff von Curevac aus Tübingen soll eine niedrige Wirksamkeit besitzen. Doch welche Auswirkungen hat das? (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
    schließen

Der Corona-Impfstoff der Tübinger Biotech-Firma CureVac wartet seit Monaten auf seine Zulassung - jetzt der herbe Rückschlag: Diese Folgen hat die schlechte Wirksamkeit.

Auf große Hoffnung folgt Enttäuschung. Der Tübinger Impfstoffhersteller CureVac musste kürzlich bekannt geben, dass sein Corona-Impfstoff CVnCoV leider nicht das hält, was bisher versprochen wurde*. In finalen Zulassungsstudien erzielte das Vakzin aus Baden-Württemberg Werte, die so nicht ausreichend sind für die Europäische Zulassungsbehörde (EMA). Doch was jetzt? Die Regierung hatte schließlich große Erwartungen in CureVac gesetzt. Wie echo24.de* berichtet, sollte das Unternehmen eigentlich dafür sorgen, dass Deutschland im zweiten Halbjahr sicher mit genügend Impfstoff versorgt ist, um die Herdenimmunität vor Herbst zu erreichen.

Denn CureVac hatte ursprünglich mit einer Zulassung bis Ende Juni gerechnet und wollte dann Millionen von Impfdosen liefern. Besonders mit Blick auf die gefährliche Delta-Variante des Coronavirus, die sich rasant ausbreitet*, wäre das eine beruhigende Aussicht gewesen. Denn Experten wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gehen davon aus, dass die Impfungen eben durch diese Corona-Mutation noch wichtiger werden als bisher.

Corona-Impfstoff CureVac: Ist die Deutsche Impfkampagne nun gefährdet?

Doch Lauterbach ist dennoch zuversichtlich, was die Impfstoffbeschaffung der Bundesregierung angeht und gibt Entwarnung. Er erklärte in den ARD-„Tagesthemen“, der Rückschlag bei CureVac werde das Impfversprechen der Regierung, bis Ende des Sommers allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen, nicht gefährden. Man werde die Herdenimmunität Mitte September erreichen. Lauterbach rechnet bis dahin mit einer Impfquote von schätzungsweise 80 Prozent. Kinder seien dabei ausgenommen.

Die Bundesregierung sieht die Corona-Impfkampagne ebenfalls nicht gefährdet. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutshland (RND) erklärte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), die CureVac-Mitteilung habe keine Auswirkung auf das Tempo der Deutschen Impfkampagne. Er sehe keine zusätzlichen Engpässe auf Deutschland zukommen: „Wir haben viel bestellt und fördern den Aufbau von Produktionskapazitäten für mRNA-Impfstoffe und -produkte in Milliardengrößenordnungen“, sagte der CDU-Politiker.

Und es könnte sein, dass die Bundesregierung bereits seit Längerem nicht mehr mit CureVac rechnet. Denn das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte kürzlich eine Liste der geplanten Impfstoff-Lieferungen für die zweite Jahreshälfte. Darauf kam das Tübinger Biotech-Unternehmen bereits nicht mehr vor.

Corona-Impfstoff CureVac: Was bedeutet der Flop für den Aktienkurs?

Das bedeutet vielleicht nichts Gutes für den mRNA-Impfstoff CVnCoV, doch CureVac an sich scheint für die Regierung als Forschungs-Unternehmen weiterhin wertvoll zu sein. Denn immerhin ist die Regierung weiterhin an der Firma beteiligt. Auf RND-Anfrage erklärte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, das Ziel der Beteiligung an CureVac sei unter anderem gewesen, „Know-how im Bereich der mRNA-Technologie“ zu stärken. Diese könne neben Impfstoffen auch für Krebsbekämpfung verwendet werden. Deshalb setze man weiterhin auf das Biotech-Unternehmen CureVac. Es gebe für die mRNA-Technologie hohes Potenzial.

Wir setzen auch weiterhin auf die mRNA-Technologie, die ja vielfältige Anwendungsbereiche mit hohem Potenzial ermöglicht und daher wichtig für den Standort Deutschland ist.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums

Doch kann dieses Vertrauen der Bundesregierung den Aktienkurs von CureVac noch retten? Das Biotech-Unternehmen ist an der Technologiebörse Nasdaq in New York notiert - und musste nach Veröffentlichung der niederschmetternden Testergebnisse ihres Corona-Impfstoffs einen herben Schlag hinnehmen. Der Kurs rutschte um die Hälfte ab. Wie das allerdings zu bewerten ist, ist laut Experten nur schwer einzuschätzen. Denn vor dem Absturz kam ein rasanter Anstieg des Aktienkurses von CureVac. Deshalb bewegt er sich - historisch gesehen - aktuell eher wieder im Mittelfeld.

Corona-Impfstoff CureVac: Wie kam es zu der schlechten Wirksamkeit?

Auch wenn das Unternehmen CureVac durch den Börsensturz vermutlich nicht gleich pleite geht - der Impfstoff CVnCoV dürfte durch die schlechten Testergebnisse zumindest im öffentlichen Ansehen gelitten haben. Doch das Tübinger Unternehmen hält offenbar an ihm fest. Laut RND will CureVac seine Daten noch einmal genauer analysieren und hofft so auf bessere Wirksamkeit bei einzelnen Virusvarianten.

Laut Vorstandschef Franz-Werner Haas liegt das enttäuschende Studienergebnis des CureVac-Impfstoffs* nämlich vermutlich genau da: Das Vakzin sei - anders als andere - in mehreren Weltregionen getestet worden, wo bereits zunehmend Varianten verbreitet sind, die es bei Beginn der Entwicklung noch nicht gab. Wie CVnCoV gegen die ursprüngliche Variante wirkt - dazu gibt es noch keine Daten. Aber wie kann es für CureVac jetzt weitergehen?

Corona-Impfstoff CureVac: So geht es mit dem Tübinger Unternehmen weiter

Schließlich wollte CureVac eigentlich Ende des Jahres in Wuppertal mit Produktionspartner Bayer loslegen und noch in diesem Jahr 160 Millionen Dosen Impfstoff produzieren. Doch ob CureVac überhaupt noch in der aktuellen Impfkampagne zum Zuge kommt, ist fraglich. Erst in zwei bis drei Wochen soll es weitere detaillierte Testergebnisse für bestimmte Virusvarianten und Patientengruppen geben. Dennoch lassen sich die Impfstoffhersteller nicht unterkriegen.

Denn CureVac setzt bereits auf die zweite Generation seines Corona-Impfstoffs CVnCoV. Im Herbst sollen dafür die klinischen Tests beginnen. Außerdem hat das Tübinger Biotech-Unternehmen noch weiter Produkte in der Pipeline, die auf der mRNA-Technologie basieren. Ursprünglich sollte damit Krebs bekämpft werden - und obwohl dieses Ziel wegen Corona in den Schatten gedrängt wurde, ist dieser Plan noch immer brandaktuell. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren