Mehr als rücksichtslos

Corona: Wandertruppe sorgt für Super-Spread - und jetzt hat das doch keine Konsequenzen?

Eine Wandertour im Landkreis Tuttlingen machte eine kleine Gemeinde zum Corona-Hotspot (Symbolfoto)
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Eine Wandertour im Landkreis Tuttlingen machte eine kleine Gemeinde zum Corona-Hotspot (Symbolfoto)
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Mühlheim an der Donau ist zeitweise im Chaos. Eine ignorante Wandertruppe hat dem Örtchen eine unfassbar hohe 7-Tages-Inzidenz beschert. Nun könnten die Verursacher mild davonkommen.

Update, 5. Februar: Was da passiert ist, sorgt bundesweit für Fassungslosigkeit. Eine Wandergruppe in Mühlheim an der Donau hatte einfach alle Coronaregeln missachtet. Mit 14 (!) Teilnehmern ging‘s zur fröhlichen Wanderung mit anschließendem Aufenthalt in einer Hütte. Es kam wie es kommen musste: Der Ausflug wurde zum Spreader-Event, die 7-Tage-Inzidenz in dem kleinen Örtchen in Baden-Württemberg schoss fast an die 1000er-Grenze. Nun berichtet der SWR, dass die Teilnehmer der Wanderung möglicherweise fast ungeschoren davonkommen.

Mühlheim: Wandergruppe bricht alle Regeln - hat das keine Konsequenzen?

Die Staatsanwaltschaft Rottweil geht derzeit wohl nicht davon aus, dass die Wanderer eine Straftat begangen hätten. Bisher sei die Staatsanwaltschaft aber auch noch gar nicht eingeschaltet worden. Es handle sich wohl um Ordnungswidrigkeiten. Bislang lassen sich 32 Corona-Fälle auf den Ausflug zurückführen, wie ein Sprecher des Tuttlinger Landratsamts am Donnerstag mitteilte.

 „Da gibt es eine klare Erwartungshaltung von mir persönlich und, denke ich, von allen Bürgern meiner Stadt, dass man hier sich im allerobersten Rahmen bewegt, dass es weh tun muss“ - so hatte sich der Bürgermeister der Stadt zunächst geäußert. Der SWR schreibt nun: „Nachdem mehrere Medien aus ganz Deutschland über den Vorfall berichteten, wollte sich Kaltenbach am Donnerstag nicht mehr zu dem Thema äußern. Der Deutschen Presse-Agentur teilte er schriftlich mit: „Es ist jetzt genug und muss wieder Ruhe einkehren.““

Bisher ist von Ruhe keine Spur und der Fall schlägt hohe Wellen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha nannte das Verhalten der Wanderer „unverantwortlich“. Ein Sprecher der Polizei Konstanz sagte, man gehe bislang von Verstößen gegen die Corona-Verordnung und das Infektionsschutzgesetz aus.

Was erwartetet die Teilnehmer der Wanderung in Mühlheim nach den Corona-Verstößen?

Die Voraussetzungen für ein Körperverletzungsdelikt seien erfüllt, wenn eine oder mehrere Personen bei der Wanderung bereits wussten, dass sie selbst mit dem Coronavirus infiziert sind. Das gilt es nun zu klären. Davon geht die Polizei derzeit wohl nicht aus. Bis der Fall gänzlich aufgeklärt ist, wird es wohl noch dauern. Denn: Neben den Teilnehmern müssen auch weitere Zeugen vernommen werden.

Selbstjustiz und eine Hexenjagd sollen nun vermieden werden. Die Schwäbische Zeitung berichtet über unterschiedliches Verhalten der Wanderdungsteilnehmer. Während einige ihr eigenes Verhalten „saublöd“ nannten, fehle es anderen noch an Einsicht. Eines haben alle wohl gemeinsam: Sie berichteten von massiven Drohungen. Mühlheims Bürgermeister, Jörg Kaltenbach, sagte, ein öffentlicher Pranger dürfe ausdrücklich nicht stattfinden, man müsse die Personen schützen und jedem die Möglichkeit für Einsicht und Reue geben.

Trotz der geltenden Corona-Regeln brach eine Gruppe im Landkreis Tuttlingen zu einer Wanderung auf - mit dramatischen Folgen! (Symbolbild)

Wandergruppe missachtet alle Regeln: Ort in BaWü mit schockierender 7-Tage-Inzidenz

Urspungsmeldung: Langsam, aber sicher greifen die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg sinkt* immer weiter und lag zuletzt bei 66,9 (Stand 3. Februar). Trauriger Spitzenreiter unter den Meldekreisen bleibt weiterhin der Stadtkreis Heilbronn mit einer 7-Tage-Inzidenz von 155,6. Wie echo24.de* berichtete, wurden dort deshalb auch die Corona-Regeln verschärft*. Doch zwischenzeitlich brach ein anderer Ort alle Negativ-Rekorde: In der Gemeinde Mühlheim an der Donau im Landkreis Tuttlingen lag die 7-Tage-Inzidenz zeitweise bei fast 1.000!

Doch wie konnte es zu einer solch dramatischen 7-Tage-Inzidenz in Mühlheim an der Donau kommen? Die Antwort: Durch vorsätzliches Missachten der Corona-Regeln! Denn der Auslöser dieser hohen Inzidenz in dem Örtchen in Baden-Württemberg war ein Wanderausflug einer 14-köpfigen Gruppe.

Mühlheim an der Donau: Örtchen wegen ignoranter Wandertruppe mit Schock-Inzidenz

An der Wanderung, die die Gruppe am vergangenen Samstag von Mühlheim ins Donautal führte, nahmen laut heidelberg24.de* auch zwei Personen teil, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet wurden* und somit eigentlich unter Quarantäne standen. Wie bw24.de* berichtet, verbrachte die Gruppe nach der Wanderung noch einige Stunden gemeinsam in einer Hütte.*

Als wäre das nicht schon schlimm genug, missachtete die Gruppe auch alle Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus und so wurde die Wanderung zu einem wahren Superspreader-Event, auch bw24.de* berichtet darüber. Bislang sind 25 Neuinfektionen in dem 3.600 Seelendorf und der Umgebung bekannt, die mit der Wanderung zusammenhängen. Das ließ auch die 7-Tage-Inzidenz in die Höhe schnellen.

Corona in Baden-Württemberg: Schock-Inzidenz nach Wanderung - Landrat fassungslos

In einer Videobotschaft des Tuttlinger Landratsamt zeigte sich Landrat Stefan Bär angesichts der ignoranten Wandertruppe aus Mühlheim sichtlich schockiert und erklärte: „Das Ende ist noch nicht absehbar.“ Der Landrat erklärte zudem, dass sich unter den Infizierten auch eine Person befindet, die aufgrund einer gesundheitlichen Vorbelastung im Krankenhaus stationär behandelt werde.

„Bedenklich ist nicht nur die Tatsache, dass die Teilnehmer als Gruppe durch ihren Ort marschiert sind - wahrscheinlich nach dem Motto: Wir können machen, was wir wollen“, sagte Bär in der Videobotschaft. „Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern grenzt an Selbstherrlichkeit.“

Corona in BaWü: Ignoranter Wanderausflug mit dramatischen Folgen für Mühlheim an der Donau

Besonders schockierte den Landrat, dass zwei Teilnehmer der Wanderung in Mühlheim trotz eines positiven Tests auf das Coronavirus weiterhin zur Arbeit gegangen sind und dort das Virus unter ihren Kollegen verbreitet haben. Laut Bär habe der Ausbruch „Auswirkungen auf mindestens zwei Betriebe“ in Mülheim und Umgebung.

Mühlheim ist ein beschauliches Städtchen im Landkreis Tuttlingen. Nun machte es deutschlandweit Schlagzeilen.

„Wir gehen davon aus, dass noch weitere Betriebe davon betroffen sein werden“, betonte der Tuttlinger Landrat. Das Verhalten der Wandergruppe sei „einer der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnung, die wir bisher kennengelernt haben“. Bär bezeichnete den Vorfall in Mühlheim an der Donau zudem als „Schlag ins Gesicht für alle, die sich an die Corona-Regeln halten, obwohl sie sich vermutlich auch täglich darüber ärgern“.

Ignorante Wandertruppe: Örtchen in Baden-Württemberg mit kurzfristiger Schock-Inzidenz

Entsprechend dürfte der Wanderausflug auch für die Gruppe aus Mühlheim noch weitere Konsequenzen haben. Mittlerweile haben Polizei und Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. „Es geht nicht mehr nur um Bußgeldbescheide, die wir als Landratsamt verhängen würden“, erklärte Landrat Bär. „Sondern es geht nun auch um Straftatbestände, die zu prüfen sind.“

Daher werde der Vorfall konsequent aufgearbeitet. Bär richtete in seiner Videobotschaft auch einen Appell an die Bürger: „Es wird bald eine Debatte über Lockerungen geben. Diese wird jedoch vor allem von den Inzidenzzahlen abhängig gemacht.“ Der Fall aus Mühlheim zeigt jedoch, welche dramatischen Auswirkungen auch Treffen kleiner Gruppen auf die 7-Tage-Inzidenz haben können. So könnten Lockerungen schnell in weite Ferne rücken. *echo24.de, heidelberg24.de und bw24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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