Bislang sind 172 Schulklassen betroffen

Coronavirus in Baden-Württemberg: Immer mehr Schüler müssen in Quarantäne

  • Daniel Hagmann
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Wegen des Coronavirus kann von normalem Schul-Unterricht in Baden-Württemberg noch lange nicht die Rede sein. Politik berät Maßnahmen gegen Covid-19.

Zwei Wochen ist das neue Schuljahr nun in Baden-Württemberg bereits alt. Wegen des Coronavirus ist aber noch lange nicht an normalen Unterricht im Südwesten zu denken: Bislang sind insgesamt 172 Schulklassen im „Ländle" aus dem Präsenzunterricht in der Schule genommen worden. An 128 Standorten werden die Schulklassen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus oder dem Verdacht einer Corona-Infektion vorübergehend nur im Fernunterricht unterrichtet. Das berichtet das baden-württembergische Kultusministerium.

Drei Schulen in Ulm, Friedrichshafen und Schorndorf seien vorerst sogar vollständig geschlossen. In Baden-Württemberg gibt es aktuell rund 67.500 Klassen an 4.500 Schulen. Für besonderes Aufsehen hat in dieser Woche der Fall einer Geburtstagsfeier im Kreis Reutlingen gesorgt: Dort hatten sich nach der Party mindestens 20 Personen mit Sars-CoV-2 angesteckt. Daraufhin mussten komplette Jahrgangsstufen einer Schule daheim bleiben, da die Schüler Kontakt mit den an Covid-19 Erkrankten gehabt haben.

Baden-Württemberg: Maßnahmen gegen Unterrichtsausfall an Schulen wegen Corona

Die Grünenfraktion des Landtags in Baden-Württemberg fordert nun einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch für Luftfilter, um die Corona-Ansteckungsgefahr in Schulen und Kitas zu verringern. „Die Kultusministerin muss jetzt schnelle Vorarbeit leisten, bevor in den Wintermonaten noch mehr Schulklassen zu Hause bleiben müssen“, sagte der technologiepolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Poreski. Man müsse herausfinden, inwieweit Luftreiniger geeignet sind, in Klassenzimmern und Kitaräumen während der Coronavirus-Krise für eine effektive Verbesserung der Luft zu sorgen. Es müsse etwa geklärt werden, ob die Geräte eine Strömung erzeugen, die Aerosole schneller zu Boden bringen und eine Ausbreitung der Viren mindern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse Vorbereitungen für technische Nachbesserungen an Schulen und Kitas treffen. Aktuell steuert die Anzahl der Personen, die sich in Baden-Württemberg bislang mit dem Coronavirus infiziert haben, auf die 50.000er-Marke zu.

Bei der CDU-Fraktion von Baden-Württemberg zeigte man sich verwundert über die Forderung des grünen Koalitionspartners in der Coronavirus-Krise. Man habe so einen Modellversuch schon vor Wochen gefordert, zuständig sei dafür das Sozialministerium, teilte ein Sprecher mit. „Das grün geführte Sozialministerium hat damals eher abwiegelnd reagiert und auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes verwiesen, das Geräte zur Säuberung der Raumluft in Klassenzimmern eher nicht für angezeigt hält.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Achtung - Aerosole!

Aerosole sind flüssige Partikel, die stundenlang in einem Raum schweben können und bei Einatmung tief in die Lunge vordringen. Sie gelten als ein Haupttreiber der Coronavirus-Pandemie. Wenn sich im Herbst und Winter das private und öffentliche Leben vermehrt in geschlossene Räume verlagert, sei es von erheblicher Bedeutung, die Ausbreitung der Aerosole einzudämmen, hieß es aus dem Staatsministerium. Die Raum- und Luftverhältnisse beeinflussten das Infektionsrisiko entscheidend. Wissenschaftsministerium und Sozialministerium von Baden-Württemberg sollen deshalb nach einem Beschluss der Lenkungsgruppe einen multidisziplinären Expertenkreis einberufen, um neue Erkenntnisse über Aerosole zu gewinnen und damit das Risiko einer drohenden, zweiten Coronavirus-Welle einzudämmen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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