Günstigere Lösung für arme Länder

Coronavirus: Neuer Impfstoff bald aus Hühnereiern?

Zusätzliches Eidotter
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Es ist nicht neu, Eier in der Impfstoffforschung zu nutzen.
  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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Sind Hühnereier der Weg zu einem günstigen Impfstoff gegen Covid-19? Die Forschung arbeitet mit Hochdruck. Denn: Bei der Grippe war dies bereits erfolgreich.

Der Inzidenzwert in Deutschland sinkt endlich leicht, aber von einem Ende der Pandemie kann noch nicht die Rede sein. Jüngst äußerte sich ein Virologe im Fernsehen zu einer vierten Welle im Herbst. Weiterhin bleibt also das Fortschreiten der Impfkampagne im Fokus. Dabei können nun Hühnereier den Durchbruch zu einem kostengünstigen Impfstoff gegen das Coronavirus ermöglichen.

Impfung gegen Coronavirus: Für ärmere Länder sind einige Vakzine viel zu teuer

Erst wenn in Deutschland eine Herdenimmunität erreicht wird, ist eine echte Rückkehr zur Normalität denkbar - auch wenn jetzt erste Lockerungen in Kraft treten. Aber die Impfkampagne stockt immer wieder. Nun wurde die Priorisierung zwar aufgehoben, aber auch das hilft nichts, wenn keine Impfdosen zur Verfügung stehen.

Dazu kommt, dass der Kampf der Länder, um die knappen Vakzine den Preis in die Höhe treibt und finanziell schlechter gestellte Länder dann erstmal leer ausgehen. „Neueste Studien machen nun allerdings Hoffnung, dass bald ein Impfstoff auf den Markt kommen könnte, der zum einen deutlich günstiger als die gängigen Vakzine angeboten und zum anderen massenhaft produziert werden könnte“, das berichtet die Frankfurter Rundschau.

In Brasilien, Thailand, Mexiko und Vietnam laufen in den nächsten Wochen die ersten klinischen Tests mit dem neuen Impfstoff namens „NDV-HXP-S“. Noch ist nicht klar, ob der Stoff wirksam für Menschen einsetzbar ist. Positive Ergebnisse konnten bisher nur an Tieren erzielt werden.

Hühnereier als Lösung für günstigen Corona-Impfstoff? Tests laufen

„NDV-HXP-S“ kann offenbar in Hühnereiern hergestellt werden. Bahnbrechend ist das erstmal nicht, denn bei der Grippe-Impfung ist diese Vorgehensweise bereits bekannt. Die FR berichtet weiter: „Mithilfe minimaler Manipulationen des Vakzins, indem einzelne Proteine ausgetauscht wurden, konnte die Wirksamkeit von Impfstoffen bereits im Jahr 2020 gesteigert werden. Studien dazu gehen auf den Strukturbiologen Jason McLellan zurück. Er entdeckte, dass auf diese Weise das bereits viel untersuchte Spike-Protein, das unter anderem als Andock-Station für Coronaviren fungieren kann, in einer speziellen, den Impfstoff zulassenden Art fixiert werden kann.“ Für die Entwicklung der RNA-Impfstoffe der Hersteller Moderna und Pfitzer wurden diese Erkenntnisse bereist genutzt.

Seit März 2021 forschen McLellan und zwei weitere Biologen der Universität Texas an dem Projekt, von welchem vor allem ärmere Staaten profitieren könnten. Wie die New York Times berichtet, hat die Universität Texas dazu bereits eine Lizenzvereinbarung abgeschlossen. Sie soll es Laboren in 80 Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensdurchschnitt erlaubt, Impfstoffe auf Basis des neuen Spike-Proteins zu entwickeln. Lizenzgebühren sollen diese Länder nicht bezahlen müssen.

Coronavirus: Es wird Monate dauern bis der Impfstoff aus Hühnereiern ausreichend erforscht ist

Experten hoffen auf diesem Weg auch für künftige Pandemien einen positiven Effekt zu erzielen. Allerdings werden die laufenden Studien noch einige Monate dauern und somit noch keine schnelle Hilfe im Kampf gegen das Coronavirus erbringen können. Trotzdem sind Länder wie Brasilien und Thailand großer Hoffnung.

Für sie wäre vor allem die Unabhängigkeit von anderen Staaten ein maßgeblicher Vorteil. Thailands Gesundheitsminister wird zitiert: „Diese Impfstoffproduktion wird von Thailändern für Thailänder hergestellt.“ Auch in Brasilien begrüßt man den Gedanken durch eine Inlandsproduktion nicht mehr von Importen abhängig zu sein. Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach griff das Modell auf Twitter auf und postete: „Technik ist einfach wie genial.“

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