Corona-Zahlen in Deutschland explodieren

Experten bringen einen „Kurz-Lockdown“ im Kampf gegen Corona ins Gespräch

  • Julia Cuprakowa
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Das Coronavirus breitet sich in Deutschland und Baden-Württemberg wieder rasant aus. Ein Vorschlag von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Virologe Christian Drosten überrascht.

Die gefürchtete zweite Corona-Welle scheint Deutschland momentan zu überrollen. Denn am frühen Sonntagmorgen meldete das Robert Koch-Institut 5.587 Corona-Neuinfektionen, eine Woche zuvor waren es 3.483 neue Fälle. Am Samstag war mit 7.830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert erreicht worden. Am Sonntag und Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Ähnlich hohe Zahlen übermittelt das RKI für die einzelnen Bundesländer.

Wie echo24.de* in einem Coronavirus-Ticker für Baden-Württemberg berichtet, wurden am Sonntag 674 Neuinfektionen vom Landesgesundheitsamt übermittelt. Bei den extrem hohen Infektionszahlen wurden die geltenden Corona-Regeln verschärft. Vor allem in Regionen mit einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von über 50. Doch auch das scheint nicht auszureichen, wie die aktuelle Corona-Lage in Stuttgart und im Landkreis Esslingen zeigt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass die Stimmen nach einem (lokalen) Lockdown immer lauter werden.

Coronavirus Baden-Württemberg/Deutschland: Lauterbach und Drosten schlagen Kurz-Lockdown vor

Im Angesicht der schnell steigenden Neuinfektionen in Deutschland schließen mehrere Politiker, darunter auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), einen erneuten Lockdown nicht aus, wie merkur.de* berichtet. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Virologe Christian Drosten sprechen aktuell über Lockdowns. In einem Tweet bringt der Virologe einen, in England stark diskutierten, Kurz-Lockdown in die Diskussion.

Denn die Corona-Lage in Großbritannien gestaltet sich aktuell noch extremer als in Deutschland. Laut merkur.de liegt die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz im Vereinigten Königreich bei 195 (Stand, 18. Oktober). Zwischen London, Cardiff und Edinburgh wird deshalb eifrig über Maßnahmen beraten. Eine davon ist der Kurz-Lockdown. Christian Drosten teilt dies auf Twitter: In seinem Tweet schreibt er über ein mögliches Zeitfenster - mit dem Ziel, die „wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen“. Unterstützung findet die Idee auch bei Karl Lauterbach. Denn er retweetet kurzerhand Drostens Beitrag.

Im Kampf gegen Corona-Ausbreitung in Deutschland: Lauterbach setzt auf das Verhalten der Menschen

Wäre so ein Kurz-Lockdown tatsächlich auch in Deutschland denkbar? Die Antwort: Vielleicht! Bei einer weiterhin so schnellen Ausbreitung des Coronavirus rechnet Lauterbach mit lokalen Shutdowns in Deutschland - und das könnte auch Baden-Württemberg treffen. „Es ist ganz simpel. Der R-Wert liegt bei etwa 1,3. Wenn wir den nicht runterbekommen, steigen die täglichen Fallzahlen innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass die Kliniken und Gesundheitsämter überlaufen werden. Dann kommen lokale Shutdowns.“ Die auch R-Wert genannte Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. In erster Linie setzt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Kampf gegen das Coronavirus auf das Verhalten der Menschen - weniger auf die Eindämmungsmaßnahmen.

Karl  Lauterbach setzt auf das Verhalten der Menschen im Kampf gegen das Coronavirus.

An die allgemeingültigen Verhaltensregeln erinnerte die Menschen auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft: „Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei zählt jetzt jeder Tag.“ Unterstützung für ihren Appell bekam die CDU-Politikerin von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) berichtet. Der CSU-Chef sagte gegenüber „Bild am Sonntag“: „Die Lage ist ernst. Wenn wir nicht rasch gegensteuern, gerät Corona außer Kontrolle. Wer zögert, riskiert einen zweiten Lockdown. Nie waren Umsicht, Vorsicht und Solidarität so wichtig wie jetzt.“

Coronavirus-Ausbreitung in Deutschland: Im Kampf gegen Corona - Merkel bekommt Kritik

Kritik kam hingegen von FDP-Chef Christian Lindner, er sagte dem Blatt: „Wenn die Bundeskanzlerin eine solche Dramatik sieht, muss sie umgehend eine Regierungserklärung abgeben. Ein Podcast ersetzt nicht die Debatte im Bundestag, wenn es um Grundrechte geht.“ *echo24.de und *merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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