Bevölkerung in Alarmbereitschaft

Coronavirus in Deutschland: So will das Robert-Koch-Institut den zweiten Lockdown verhindern

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Die Corona-Lage spitzt sich in Deutschland zu. Zuletzt gab es ein Rekordwert an Neuinfektionen. Das Robert-Koch-Institut will aber weiterhin an der bisherigen Strategie festhalten.

Das Coronavirus breitet sich erneut mit einer rasanten Geschwindigkeit aus. Die Zahl der Neuinfektionen in Baden-Württemberg* und ganz Deutschland ist sprunghaft gestiegen und hat damit einen Rekordwert erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts 6.638 Neuinfektionen - rund 1.500 mehr als am Mittwoch. Bislang lag der Höchstwert Ende März bei knapp 6.300 Neuinfizierten.

Allerdings sind die jetzigen Werte nicht mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Am Mittwoch vergangener Woche hatten die Gesundheitsämter dem RKI 4.059 Neuinfektionen mitgeteilt. Damit war zum ersten Mal seit April die 4.000er Marke überschritten worden. Doch was bedeutet das jetzt für die Menschen?

Vielerorts wurde die Corona-Warnstufe ausgerufen und die geltenden Regeln verschärft, wie zum Beispiel im Landkreis Esslingen, echo24.de* berichtete bereits. Kommt als Nächstes der gefürchtete Lockdown? Laut Robert-Koch-Institut (RKI) soll sich an der jetzigen Strategie zur Virusbekämpfung nichts ändern.

Coronavirus in Deutschland: Robert-Koch-Institut hält an Strategie fest

Die SARS-CoV2-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor große Heraus­forderungen. Ziel der kommenden Monate muss es sein, Infektionen zu vermeiden und während­dessen, trotz der weiterhin bestehenden Infektions­gefahr, alle Bereiche des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens im größtmöglichen Umfang aufrechtzuerhalten, heißt es auf einem vom RKI veröffentlichten Beitrag.

Screenshot des „RKI Strategie“-Papiers zur COVID-19 Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten.

Das Wichtigste ist jetzt das Verhalten und die Rücksichtnahme jedes Einzelnen. Das heißt: die konsequente Ein­haltung der Abstands- und Hygiene­regeln. Die Regeln dienen nicht nur dem Eigen- und Fremd­schutz vor dem Coronavirus, sondern können zusätzlich andere Infektions­krank­heiten eindämmen. Das Robert-Koch-Institut ist davon überzeugt, dass mit einer Kombination gemeinsamer getragener Maßnahmen das Infektionsgeschehen kontrolliert und eingedämmt werden kann. Und das auch ohne das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den nächsten Monaten zum Erliegen zu bringen.

Coronavirus: Ausbreitung-Szenario für Deutschland

Für die kommenden Monate geht das RKI von einem Pandemieverlauf aus, der wie folgt gekennzeichnet sein könnte:

  • Einzelfälle, lokal und zeitlich begrenzte Ausbrüche mit vielen Neuinfektionen, die jederzeit Kapazitäten binden können und ein dem Risiko angepasstes, lokales Vorgehen erfordern.
  • Ausbrüche in einzelnen Settings (etwa durch Familienfeiern oder in Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen), auch noch weiter verstärkt im Herbst/Winter bedingt durch verändertes Verhalten (z.B. längere Aufenthalte in geschlossenen Räumen).
  • Ausbrüche in mehreren Settings, regionale Ausbreitung, die nicht mehr auf einzelne Infektionsketten zurückgeführt werden kann und die in den betroffenen Regionen zu einer Wieder­einführung von Maß­nahmen führt. Ein oder mehrere Impfstoff(e) werden voraussichtlich im kommenden Jahr (2021) zur Verfügung stehen. Dies kann die Bekämpfung und den Verlauf der Pandemie entscheidend verbessern.

Coronavirus in Deutschland: Das RKI setzt Ziele - so soll Ausbreitung verhindert werden

Doch das Robert-Koch-Institut beschäftigt sich nicht nur mit dem Infektionsgeschehen, sondern setzt sich Ziele. Zum Beispiel: Die Ausbreitung sowie die gesund­heitlichen Auswirkungen der Pandemie zu minimieren, während das gesamt­gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben (inklusive Bildungs­einrichtungen) in Deutschland möglichst wenig beeinträchtigt wird.

  • Reduktion des Ansteckungs­risikos bei Aktivitäten des beruflichen und sozialen Lebens aller Bevölkerungs­gruppen in Deutschland,
  • Verhinderung einer erneuten unkontrollierten und raschen Ausbreitung des Erregers,
  • dauerhafte Stärkung und Vernetzung des Öffentlichen Gesundheits­dienstes (ÖGD) und Gesundheits­wesens, um ein krisensicheres System weiter aufzubauen,
  • Ausbau einer übergreifenden COVID-19-Versorgung im ambulanten und stationären Bereich.

Corona-Ausbreitung in Deutschland: RKI - „Bevölkerung kennt bereits die Infektionsschutzmaßnahmen“

Aber wie sollen diese Ziele umgesetzt werden? Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland kennt bereits die Infektionsschutzmaßnahmen und setzt diese auch in wesentlichen Lebensbereichen um. Um einen Lockdown zu vermeiden, sollten die AHA+L-Regeln (Abstand halten – Hygieneregeln beachten – Alltagsmasken tragen und Lüften) weiterhin eingehalten werden.

Kontaktnachverfolgung, Clustererkennung und Infektionskettenunterbrechung sollten zuverlässiger und zeitgerechter erfolgen. Somit können Verdachtsfälle schneller identifiziert und isoliert werden. Bei diesem Punkt spielt das RKI vermutlich auf die gefälschten Daten in Restaurants und anderen öffentlichen Einrichtungen an. Am Ende des Beitragt betont das Robert-Koch-Institut, dass die Strategie nur dann gelingen kann, wenn die Umsetzung als gesamtgesellschaftliches Ziel verstanden wird.

Rubriklistenbild: © Barbara Gindl/dpa

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