Lucha wehrt Vorwürfe ab

Impf-Wut in Baden-Württemberg: Sind wir deutschlandweit am schlechtesten?

  • Anna-Maureen Bremer
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Gibt‘s in Baden-Württemberg bisher zu wenige Impfungen gegen das Coronavirus? Die Landesregierung muss sich harte Kritik gefallen lassen, weil andere Länder die Nase vorne haben.

Es scheint trotz der Fortschritte in der Forschung und immer mehr Impfungen noch kein Ende in Sachen Coronavirus in Sicht. Zuletzt stieg die 7-Tage-Inzidenz in allen Kreisen in Baden-Württemberg wieder an. Da wundert es kaum noch, dass der Lockdown, der zunächst bis zum 10. Januar angesetzt war, bis 31. Januar verlängert wurde. Das alles trägt bei den wenigsten zu einer sonnigen Laune bei. In Baden-Württemberg kommt jetzt noch eine andere Art von Unmut dazu.

Denn: Im landesweiten Vergleich sieht Baden-Württemberg in Sachen Corona-Impfung nicht besonders gut aus. Andere Länder kommen wesentlich besser voran. Manne Lucha, Sozialminister des Landes, muss sich scharfer Kritik widersetzen, weil er im Ländervergleich zu wenige Impfungen vorweisen kann.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wehrt er diese Vorwürfe ab: Die Impfungen werden kontinuierlich ausgeweitet, das Land würde ganz automatisch aufholen. Ein kurzer Lichtblick war für viele, dass Forscher eine Schwachstelle im Coronavirus gefunden hatten. Fast wollten einige an ein zeitnahes Ende der Pandemie glauben.

Corona-Impfungen in Baden-Württemberg: Lucha bekommt scharfe Kritik ab

Schlecht organisiertes Krisenmanagement“ nennt SPD-Fraktionschef Andreas Stoch die Leistung der Landesregierung. Es sei ein Unding, wie weit hinten Baden-Württemberg bei den Corona-Impfungen liege. Er appellierte daran, nicht zu vergessen, dass es letztendlich um das Leben von Menschen ginge.

Auf der Impfung gegen das Coronavirus ruht sehr viel Hoffnung.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am Samstag, dass in Baden-Württemberg 55.320 Menschen geimpft wurden. Quote: 5,0 pro 1.000 Einwohner. Bundesweit bedeutet das den drittletzten Platz - vor Thüringen und Sachsen. Am besten rangiert Mecklenburg-Vorpommern mit 15,6 – im Bundesdurchschnitt beträgt die Quote 6,4 bei insgesamt 532 .78 Geimpften. Im Vergleich: Großbritannien impft laut der Regierung täglich 200.000 Menschen.

Corona-Impfungen in Baden-Württemberg: Sind wir zu langsam?

Weil noch weitere Impfstoffe zugelassen werden sollten, ist Sozialminister Lucha überzeugt, dass sich die Lage entspannen wird. Im Bericht heißt es „Die Strategie sei es, 50 Prozent des vorhandenen Impfstoffs zu verabreichen und die andere Hälfte zurückzuhalten. So können kontinuierlich neue Impfwillige versorgt werden, und allen Geimpften werde die Zweitimpfung garantiert.“ Eine weitere Impfstofflieferung wird am 21. Januar erwartet.

Wie machen das andere Bundesländer? Dort würden laut des baden-württembergischen Ministeriums drei Wochen lang alle Vorräte verabreicht, um weitere drei Wochen lang die Zweitimpfungen vorzunehmen – für neue Fälle sei dann nichts mehr vorhanden. „Unsere Strategie ist auf Sicherheit bedacht“, sagt der Sprecher.

Nicht alle trauen der Coronavirus-Impfung - sei es in Sachen Wirkung oder wie der Stoff getestet wurde. Zuletzt hatte es am Pharmaunternehmen Biontech massive Kritik gegeben, da sich dieses bei über 100 Partner, die zur Entwicklung beigetragen hatten, bedankte. Darunter ein umstrittenes Tierversuchslabor.

Rubriklistenbild: © Kevin Hagen/AP/dpa

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