Lockdown mit neuen Maßnahmen

Coronavirus Baden-Württemberg: Kretschmann wieder mit düsterem Szenario – seine größte Angst

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Der Kampf gegen das Coronavirus ist noch nicht vorbei, der Lockdown wird verlängert und verschärft. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat dabei eine große Sorge und malt ein düsteres Szenario.

Die Menschen sind „pandemüde“ – erschöpft von der Corona-Pandemie, erschöpft von den harten Maßnahmen im Kampf gegen das Virus. Und dennoch: Der Kampf ist noch nicht vorbei. Noch immer ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg* nicht drastisch gesunken, die angestrebte Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner noch weit entfernt, wie echo24.de* berichtet. Aus diesem Grund haben Bund und Länder beim Corona-Gipfel am Dienstag* eine harte Entscheidung getroffen: Der Lockdown wird verlängert – und verschärft!

Baden-Württemberg: Kretschmanns größte Angst – drastische Gefahr durch Corona-Mutationen

Doch bei den neuen Beschlüssen im Corona-Lockdown macht Baden-Württemberg eine zentrale Ausnahme bei Schulen und Kitas. Das hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstagabend angekündigt. In einem Statement stellt der grüne Landeschef die verschärften Corona-Maßnahmen für Baden-Württemberg vor. Dabei hielt er fest, dass sich die Situation schon etwas gebessert habe: „Ihr Verantwortungsbewusstsein und Ihre Disziplin zahlen sich aus. Gemeinsam konnten wir viele Menschenleben retten, dafür danke ich Ihnen von Herzen.“

Trotz des kleinen Erfolgs im Kampf gegen Corona macht Winfried Kretschmann aber nur wenig Hoffnung. Es gebe keinen Grund zur Entwarnung. „Im Gegenteil: Denn ob das alte Virus nicht schon schlimm genug wäre, drohen uns jetzt neue Virus-Varianten“, warnte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Eine davon verbreitet sich in Großbritannien rasant, scheint deutlich ansteckender – auch für Kinder*. An Heiligabend wurde die Corona-Mutation erstmals in Deutschland nachgewiesen*, eine weitere Virus-Variante aus Südafrika ist wohl ebenfalls sehr gefährlich*.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann macht sich große Sorgen wegen der Corona-Mutationen.

Coronavirus Baden-Württemberg: Kretschmann malt düsteres Szenario

Winfried Kretschmann warnte bei der Vorstellung der neuen Lockdown-Maßnahmen für Baden-Württemberg eindringlich vor den Corona-Mutationen. Sie seien deutlich ansteckender – „und sie werden auch bei uns um sich greifen, sagt uns die Wissenschaft. Es ist nicht die Frage, ob sie kommen, sondern nur, wann“, machte der Landeschef seine größte Sorge deutlich. In Großbritannien sei die Sieben-Tage-Inzidenz innerhalb von vier Wochen von knapp 200 auf über 600 angestiegen, in Irland im selben Zeitraum sogar von 40 auf über 900. „Kein Gesundheitssystem der Welt kann einem solchen exponentiellen Anstieg auf Dauer standhalten.“

Kretschmann erklärte seine größte Angst den Menschen in Baden-Württemberg anhand einer Rechnung mit dem R-Wert, der aussagt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt, und malt ein düsteres Szenario. „Wenn wir mit der bisherigen Virus-Variante einen R-Wert von 1 haben, so ließe das neue Virus, wenn es nur 40 Prozent infektiöser wäre, den Wert schon auf 1,4 hochschnellen. [...] Das ist der Unterschied zwischen gleichbleibenden Infektionszahlen und einer exponentiellen Entwicklung, die die Infektionen innerhalb von vier Wochen versechzehnfachen würde“, erklärt Kretschmann.

Coronavirus: Diese Lockdown-Regeln sind in Baden-Württemberg geplant

Man müsse deshalb die Infektionszahlen in Baden-Württemberg jetzt massiv nach unten drücken, um Kontaktketten wieder nachverfolgen zu können. Aus diesem Grund haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, den Lockdown erneut zu verlängern und die Corona-Maßnahmen noch zu verschärfen.

Neue Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg

Die bisherigen Lockdown-Regeln werden bis zum 14. Februar verlängert: Geschäfte und Einrichtungen bleiben geschlossen.

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Kontaktbeschränkungen: Weiterhin sind Treffen jenseits des eigenen Haushalts nur noch mit einer weiteren Person erlaubt. Man soll sich möglichst immer mit demselben Haushalt treffen und die Kontaktpersonen nicht ständig wehseln.

Maskenpflicht wird erweitert: In Bus und Bahn und in Geschäften – auch im Supermarkt – muss eine medizinische Maske getragen werden (OP-Maske, FFP2-Maske, KN95- oder N95-Masken)

Mehr Homeoffice: Arbeitgeber müssen künftig dort, wo es möglich ist, Homeoffice ermöglichen. Wo kein Homeoffice möglich ist und Abstände nicht eingehalten werden können, müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern medizinische Masken zur Verfügung stellen.

Die große Ausnahme: Schulen sollen grundsätzlich geschlossen bleiben bzw. die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt. Kretschmann strebt bei Aussetzung der Präsenzpflicht weiter an, ab dem 1. Februar Kitas und Grundschulen vorsichtig und Schritt für Schritt wieder zu öffnen. Voraussetzung: Wenn es die Infektionslage zulässt. Entschieden wird das in der kommenden Woche.

„Ich hätte mir gewünscht, Ihnen bessere Botschaften übermitteln zu können“, bedauerte Baden-Württembergs Ministerpräsident. Aber die neuen Maßnahmen seien notwendig, um sich für die Gefahr durch Corona-Mutationen zu wappnen. „Aber zur Wahrheit gehört auch: Unsere Maßnahmen können nur wirken, wenn Sie sich daran halten.“ Der Landeschef bat die Bürger, keine Schlupflöcher in den Regeln zu suchen. Er hoffe, die Probleme mit den Impfungen in Baden-Württemberg* würden sich bald auflösen. „Das ist die Perspektive zur Überwindung dieser Pandemie“, so Kretschmann. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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