Immer mehr Auslastung

Coronavirus Baden-Württemberg: Gibt es in den Krankenhäusern noch Platz?

  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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Die Lage spitzt sich zu in den Krankenhäusern Baden-Württembergs. Immer mehr Intensivbetten sind belegt. Wie viele Plätze sind noch frei?

Die Angst, am Coronavirus zu erkranken ist bei vielen Menschen sehr groß - während andere sich bei Demonstrationen nicht an Hygiene- und Abstandsregeln halten* und scheinbar davon ausgehen, sicher vor einer Infektion zu sein. Aber was, wenn‘s doch passiert - im schlimmsten Fall mit einem schweren Krankheitsverlauf? Dann ist sicher jeder Patient froh, wenn er auf einer Intensivstation bestmöglich behandelt werden kann. Und genau hier schlagen Mediziner Alarm. echo24.de* berichtet, wie die Lage auf Baden-Württembergs Intensivstationen aktuell aussieht.

Intensivbetten in Baden-Württemberg: Wie ist die Corona-Lage in den Krankenhäusern?

Die Infektionszahlen in Baden-Württemberg* steigen weiter und seit Februar auch deutlich die Zahl der coronabedingt belegten Intensivbetten - das berichtet der SWR. Im Bericht heißt es: „Aktuell werden dort insgesamt 487 Personen behandelt (Stand 13.4.), 283 müssen beatmet werden, wie aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervorgeht. Das sind etwa doppelt so viele Patienten wie vor acht Wochen.“

Insgesamt sind die Intensivbetten des Landes zu 90 Prozent ausgelastet. Im Klartext: Es sind noch rund 250 Betten frei. Etwa die Hälfte davon ist für Covid-Patienten ausgelegt. Rund 20 Prozent der Intensivbetten werden derzeit von Corona-Patienten belegt. Beim SWR heißt es außerdem: „Im Notfall könnten landesweit innerhalb von sieben Tagen zusätzlich 1.324 Intensivbetten aufgestellt werden.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Mehr Betten möglich – zu einem hohen Preis

Götz Geldner ist ärztlicher Direktor der Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum Ludwigsburg auch er beobachtet die Entwicklungen und ist darüber in Sorge. Er bestätigt, dass sowohl in der Klinik als auch im Verbund weitere Betten geschaffen werden könnten. Er stellt aber klar, dass die Anzahl klar begrenzt ist und auch nur durch Inkaufnehme einer niedrigeren OP-Kapazität zu machen wäre.

Am Freiburger Universitätsklinikum sind die neuen Erkenntnisse erdrückend: Die Dritte Welle ist anders. Die Patienten sind jetzt im Durchschnitt zehn Jahre jünger (etwa 60 Jahre alt) und sie haben seltener Vorerkrankungen. Intensivmedizinisch werden hier aktuell 17 Patienten behandelt. Auch die Behandlungsdauer auf den Intensivstationen habe sich laut Oberarzt Daniel Dürschmied verändert: Patienten müssten jetzt häufig länger behandelt werden.

In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.

Er erklärte, dass die Patienten teils Wochen oder Monate dort seien. Natürlich baue das medizinische Personal so mit der Zeit eine Bindung auf und es sei belastend, wenn der Verlauf der Krankheit schwer oder gar tödlich sei. „Rund 40 Prozent der Corona-Patienten, die in Freiburg auf der Intensivstation behandelt werden, überleben die Erkrankung nicht“, heißt es im Bericht.

Coronavirus: Baden-Württemberg leidet unter dem Personalmangel in den Krankenhäusern

Aber es gibt an den Kliniken in Baden-Württemberg noch ein ganz anderes Problem. Denn: Es ist keinem Patienten geholfen, wenn er einen Platz in einem Intensivbett bekommt, aber das Personal fehlt, um ihn dort angemessen zu versorgen. Immer mehr Menschne, die in der Pflege tätig sind, wollen wegen Überarbeitung nicht mehr arbeiten oder den Beruf ganz aufgeben. Geldner im SWR: „Das heißt: Hier sehe ich auch ein Problem in der Post-Covid-Phase, dass wir wirklich wertvolles Intensivpflegepersonal eventuell verlieren werden.“

Gemeinsam mit der Landesregierung wurde schon im vergangenen Jahr ein Verlegungskonzenpt entwickelt, das es den Kliniken ermöglichen soll, sich gegenseitig zu unterstützen. Sechs Cluster in Stuttgart-Ludwigsburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ulm, Freiburg und Tübingen sind beteiligt. Bisher musste das Konzept noch nicht zum Einsatz kommen. Stabil ist dieser Stand aber nicht. Mediziner rechnen damit, dass die Situation schnell kippen kann, denn die Corona-Notbremse halten viele von ihnen zwar für gut, sie komme allerdings nicht rechtzeitig. Seit Montag, 29. März, ist in Baden-Württemberg eine neue Corona-Verordnung* gültig. *echo24.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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