Situation in den Kreisen

„Ich bin stinksauer“: In Baden-Württemberg wird der Impfstoff knapp - Termine wackeln

Probelauf im Impfzentrum auf der Freiburger Messe: Ein Medizinstudent wird gegen das Coronavirus geimpft.
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In den Impfzentren im Land wird der Impfstoff knapp.
  • Sabrina Kreuzer
    VonSabrina Kreuzer
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Endlich scheint der Impfprozess gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg in größerem Stil anzulaufen, dann wird plötzlich der Impfstoff knapp. Was bedeutet das für die Menschen?

Stuttgart - Seit bald eineinhalb Jahren begleitet das Coronavirus in Baden-Württemberg* (*BW24 berichtete) die Menschen. Das öffentliche und private Leben ist seither eingeschränkt. Der Beginn der Impfungen gegen das Virus im vergangenen Dezember schien ein baldiges Ende der Pandemie zu versprechen. Doch die Impfkampagne lief nur schleppend an. Erst seitdem Hausärzte in Baden-Württemberg impfen*, sinken die Neuinfektionen endlich. Doch nach 3,5 Millionen Erstimpfungen im Südwesten werden nun die Impfdosen knapp.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, stellt der Bund dem Land zu wenig Impfstoff zur Verfügung. Das führe dazu, dass die Impfzentren im Südwesten nicht voll ausgelastet werden können. Vergangene Woche seien rund 52.000 Impfungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg verabreicht worden - in Impfzentren und durch mobile Impfteams. Jedoch wäre weitaus mehr möglich: Laut dem Sozialministerium sollten rund 80.000 Impfungen am Tag möglich sein. Obwohl es bis vor kurzem noch hieß, bis Juli könnten alle Erwachsenen geimpft sein*, geht das Ministerium momentan nicht davon aus, dass bis dahin die Impfstofflieferungen erhöht werden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Der Impfstoffmangel belastet die Impfzentren

Die Lage rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg ist weiterhin angespannt. In vielen Impfzentren im Südwesten werden Stimmen laut, die sich über den Mangel an Impfstoff beschweren. So beispielsweise in den Kreisimpfzentren (KIZ) im Landkreis Esslingen*: Hier müssen die Mitarbeiter, die bisher keinen Urlaub hatten, diesen nun zwangsweise nehmen. Den Grund dafür erklärt der KIZ-Bezirksgeschäftsführer Marc Lippe: „Die aktuelle Impfstofflieferung beziehungsweise Lieferankündigungen für unsere Impfzentren“ sei dafür verantwortlich, dass man vorerst weniger Mitarbeiter benötige und man in zwei Impfzentren auf Einschichtbetrieb umstelle.

Um ein KIZ voll auszulasten, bräuchte es laut dem Esslinger Landratsamt 800 Impfungen am Tag. Momentan gebe es jedoch nur 400 Dosen. „Wir reagieren auf diese Lage, indem die Betriebszeiten vorerst eingeschränkt werden“, zitiert die Stuttgarter Zeitung eine Mitarbeiterin des Landratsamtes. Dafür seien teilweise Terminverlegungen nötig, es würden aber keine Termine abgesagt.

Wegen fehlender Impfdosen: Pop-up-Impfzentrum in Geislingen kann nicht öffnen

Der Oberbürgermeister der Stadt Geislingen, Frank Dehmer, sagt: „Ich bin stinksauer.“ Denn in der Stadt im Kreis Göppingen sollte noch im Mai ein sogenanntes Pop-up-Impfzentrum eröffnen. In diesem wollten mobile Impfteams aus Ulm zusätzlich rund 600 Termine anbieten. Stattdessen werden nun aber nur 300 Impfdosen geliefert und Termine dürfen nicht an unter 70-Jährige vergeben worden. Es handle sich um ein „echtes Chaos“, so Dehmer gegenüber der Zeitung.

Auch in anderen Kommunen haben die Impfzentren mit dem Mangel an Vakzinen zu kämpfen. Im Kreis Göppingen gehe man davon aus, erst einmal auf Einschichtbetrieb zurückfahren zu müssen. Man sei „sehr überrascht“, dass weniger Dosen von Biontech geliefert wurden, als in Aussicht gestellt, sagt eine Sprecherin der Stuttgarter Zeitung. Es könne zudem zu Engpässen bei Astrazeneca kommen. Die Nachfrage sei sehr hoch, weil jetzt auch viele Personen unter 60 Jahren diesen Impfstoff wollen. Laut einer Referentin des Landrats, können im Kreis Ludwigsburg* keine neuen Ersttermine mit Biontech angeboten werden. Zunächst müssten die Zweittermine sichergestellt werden.

Impfstoffmangel in Baden-Württemberg: Man habe mit mehr Impfstoff im Mai gerechnet

In Stuttgart will man noch nicht von einem Mangel des Impfstoffes gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sprechen. „Es ist nicht weniger geworden, sondern nur nicht so viel wie erwartet“, sagt Mark Dominik Alscher, medizinischer Geschäftsführer des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses. „Man hatte damit gerechnet, dass die gelieferte Impfstoffmenge im Mai deutlich höher ist.“ Weniger Dosen gingen nun an einzelne Einrichtungen, weil mittlerweile nicht nur in den Impfzentren, sondern auch bei Hausärzten und in Betrieben, geimpft wird. Auch im Robert-Bosch-Krankenhaus mussten bisher keine Termine abgesagt werden. Es könnten laut Alscher „aber nicht zahlreich neue Termine eingestellt werden“. Wer geimpft werden wolle, solle überall versuchen, einen Termin zu bekommen, rät Alscher: beim Hausarzt, beim Betriebsarzt und in den Impfzentren.

Im Rems-Murr-Kreis* decke man zunächst die Zweitimpfungen ab und stelle danach neue Ersttermine ein, sagt eine Sprecherin des Landratsamts der Stuttgarter Zeitung. Auch im Kreisimpfzentrum in Waiblingen kommen die Impfdosen nur „kleckerlesweise“ an. Die Termine, die letztendlich zu vergeben seien, „sind aber innerhalb kürzester Zeit vergeben“.

Politiker treffen sich, um dem Impfstoffmangel in Baden-Württemberg entgegenzuwirken

Im Kreis Böblingen* kommt es am Dienstag, 11. Mai, zu einem zweiten Impfgipfel zwischen dem Landrat sowie Vertretern der Kreisärzteschaft, dem Pandemiebeauftragten des Kreises und Vertretern der Kommunen um die bestmögliche Verteilung der Impfstoffe sprechen. „Wir wollen uns gemeinsam für die ansteigenden Impfstoffmengen wappnen, die Bund und Land ab Ende Mai oder Anfang Juni in Aussicht stellen“, sagt Landrat Roland Bernhard. „Wir wollen den Impfturbo starten.“ Man wolle Ärzte in mehreren Kommunen unterstützen, die bereits nach Räumlichkeiten gefragt haben.

Unterdessen traf sich nach Angaben der Stuttgarter Zeitung der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Montag mit den Leitern der Impfzentren im Land. Ziel des Austauschs war es, die Verteilung der vom Bund gelieferten Impfostoffmengen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gerecht zu gestalten. Für Baden-Württemberg sollen durchschnittlich 330. 000 Impfdosen pro Woche geliefert werden. Künftig soll mehr davon in bevölkerungsreiche Landkreise gehen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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