Über eine Million Corona-Tote weltweit

Deutschlandweite Corona-Hotspots - Gibt‘s die auch in Baden-Württemberg?

  • Julia Cuprakowa
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Das Coronavirus breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Manche Städte oder Landkreise gelten als Hotspots. Gibt es solche „Risikogebiete“ auch in Baden-Württemberg?

Baden-Württemberg - Das Coronavirus hat das Land weiter fest im Griff. Täglich steigt die Zahl an Neuinfektionen. Kein Wunder also, dass der Bund in Absprache mit den Länderchefs die Corona-Regeln weiter verschärft hat. So gilt bei Feiern - wie Geburtstagen oder Hochzeiten - wieder einiges zu beachten. Doch wie steht es mit Auslandsreisen? Schließlich stehen die Herbstferien direkt vor der Tür. In Bezug darauf klingen die Ratschläge des Bundesgesundheitsministers einfach: „Man kann ja auch Urlaub im Inland machen“, sagte Jens Spahn im ZDF. Denn eine Vielzahl von Regionen Europas wurden bereits zu Risikogebieten erklärt. Wer von dort nach Deutschland einreist, muss 14 Tage in Quarantäne oder ein negatives Testergebnis vorlegen. Aber gibt es nicht auch innerhalb Deutschland Risikogebiete oder sogenannte Hotspots?

Coronavirus-Ausbreitung: Ab wann gilt ein Gebiet als Risikogebiet oder Hotspot?

Risikogebiete in Deutschland gibt es im klassischen Sinne nicht. Allerdings wird hier von sogenannten Hotspots gesprochen. Aber wann gilt eine Region als gefährdet? Laut Robert-Koch-Institut (RKI) erfolgt die Einstufung als Risikogebiet beziehungsweise Hotspots nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Eine Region gilt als Risikogebiet oder Hotspot, wenn es mehr als 50 Neuinfektionen mit dem Coronavirus je 100.000 Einwohner gibt. In diesen Gegenden besteht demnach ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Virus Coronavirus SARS-CoV-2
SymptomeDas COVID-19-Virus kann bei jedem Menschen andere Auswirkungen haben. Die meisten infizierten Menschen entwickeln leichte bis mittelschwere Symptome und werden ohne Krankenhausaufenthalt wieder gesund.
Häufigste SymptomeFieber, Trockener Husten, Müdigkeit
Seltenere SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall, Bindehautentzündung

Maßgeblich für die Bewertung und Einstufung eines Gebietes sind insbesondere die Infektionszahlen und die Art des Ausbruchs. Ist der Ausbruch eher lokal oder flächendeckend? Bei lokalen Ausbrüchen kann man auch von einem Hotspot sprechen. Außerdem spielt die Testkapazität sowie ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens (Hygienebestimmungen, Kontaktnachverfolgung usw.) eine Rolle.

Coronavirus-Ausbruch in Deutschland: Gibt es Corona-Hotspots in Baden-Württemberg?

Laut SWR.de gibt es in Baden-Württemberg derzeit keine Hotspots. Jedoch fallen zwei Kreise mit höheren Corona-Zahlen besonders auf. So etwa der Landkreis Schwäbisch Hall mit einer Inzidenz von 30,0 (Stand: 29.9.) und der Stadtkreis Heilbronn mit 26,9 (Stand: 29.9.) je 100.000 Einwohner. Bereits ab einem 7-Tage-Inzidenz-Wert von 35 gilt in Baden-Württemberg eine sogenannte Vorwarnstufe. Diese war beispielsweise in Heilbronn Ende August ausgerufen worden. Aber genau passiert bei einer Vorwarnstufe? Und wie viele Stufen gibt es insgesamt?

1. Stufe - Vorwarnstufe: Steigt der 7-Tage-Inzident-Wert auf 35 wird in einer Stadt oder einem Landkreis Baden-Württembergs die Vorwarnstufe ausgerufen. In diesem Fall wird das Infektionsgeschehen besonders beobachtet und die Bevölkerung wird zur besonderen Vorsicht gemahnt. Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen werden auf maximal 50 Teilnehmer beschränkt. Außerdem werden Tests gezielt ausgeweitet und das zuständige Gesundheitsamt zieht das Landesgesundheitsamt zur Unterstützung hinzu. Dabei orientiert sich die betroffene Stadt oder der Landkreis an die geltende Corona-Verordnung des Landes baden-Württemberg.

2. Stufe - Eingriffsstufe: Wenn die 7-Tage-Inzidenz einen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern erreicht, werden in Baden-Württemberg strengere Maßnahmen ergriffen. In diesem Fall unterscheidet das Land zwei Ausbruchsgeschehen:

  • Beschränkungskonzept bei einem lokalisierten, klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen:
  • o Ausbruchsgeschehen im Kontext einer Einrichtung (z.B. Pflegeheim, Krankenhaus, Schule), Gemeinschaftsunterkünften oder eines Betriebes.
  • o Beschränkungskonzept umfasst nur diese Einrichtung/diesen Betrieb und das damit unmittelbar zusammenhängende Umfeld (z.B. Wohnsituation, zugehörige Einrichtungen, weitere Betriebe), mögliche Kontakte bzw. Verbindungen zu Einrichtungen oder Betrieben desselben Trägers bzw. Unternehmens sind in die Betrachtung einzubeziehen.
  • o Maßnahmen sind zu ergreifen wie zum Beispiel die Isolierung von COVID-19-Erkrankten und Quarantäne für Kontaktpersonen der Kategorie I durch Anordnung der zuständigen Behörde.
  • o Beschränkung von Besuchen in den Einrichtungen/Betrieben.
  • o Konsequente Überwachung der Maßnahmen.
  • o Information der Bevölkerung durch proaktive Öffentlichkeitsarbeit.
  • o Maßnahmen gelten, bis der Schwellenwert mindestens 7 Tage lang unterschritten wird.
  • Beschränkungskonzept bei diffuser regionaler Häufung mit unklaren Infektionsketten:
  • o Je nach Grad der Infektionsgefahr sind ggf. schrittweise Maßnahmen zu ergreifen, die zur Verhütung und Bekämpfung geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sind, wie z.B. eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum, aber auch kontaktreduzierende Maßnahmen bis hin zu Ausgangsbeschränkungen. Dabei kann auf Erfahrungen aus den im Zuge der Corona-Pandemie bisher ergriffenen Maßnahmen zurückgegriffen werden. -
  • o Bei einer Häufung innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen sind daraufhin zielgerichtete Maßnahmen möglich und im Einzelfall im Hinblick auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz entsprechende Beschränkungen auch geboten.
  • o Maßnahmen sind regelmäßig zu überprüfen und gelten, bis der Wert mindestens 7 Tage lang unterschritten wird.

Coronavirus-Ausbruch in Deutschland: Baden-Württemberg verkündet schärfere Corona-Regeln

Damit die harten Maßnahmen der beiden obengenannten Stufen nicht umgesetzt werden müssen, wurden die allgemeinen Corona-Regeln verschärft. „Es sind im starken Maße derzeit die privaten Feiern, die die Infektionen hochtreiben“, erklärt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach der Videokonferenz mit Angela Merkel. Zudem rief er dazu auf, sich auch gegen die saisonale Grippe impfen zulassen und wieder vermehrt auf den Abstand und das Tragen der Alltagsmaske zu achten. „Wir steuern auf eine sehr schwierige Lage zu, wenn wir nicht gegenlenken“, sagte Kretschmann.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat nach dem Treffen von Bund und Ländern schärfere Corona-Regeln verkündet.

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