Maskenpflicht in Baden-Württemberg

Corona-Regeln in Baden-Württemberg: Das Ende der Maskenpflicht in Sicht?

  • Lisa Klein
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Die neue Corona-Verordnung von Baden-Württemberg soll das Wegfallen der Maskenpflicht unter bestimmten Bedingungen ermöglichen. Experten sehen das kritisch.

Es ist ein aktuell heiß diskutiertes Thema: die Maskenpflicht. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Länder dazu aufgefordert, die Maskenpflicht zu überprüfen und neu einzuordnen. Nun soll in Baden-Württemberg in der neuen Corona-Verordnung die Maskenpflicht unter bestimmten Bedingungen in einigen Bereichen tatsächlich aufgehoben werden – vor allem in Schulen und Außenbereichen.

Baden-Württemberg will die Maskenpflicht angesichts der sinkenden Corona-Infektionszahlen bald lockern. Bei der nächsten Überarbeitung der Corona-Verordnung soll es laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine neue Systematisierung geben, mit der etwa bei der Maskenpflicht zwischen Innenräumen und Außenbereichen unterschieden wird, wie ein Sprecher der Landesregierung mitteilte. Auch solle über die Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr und in den Schulen beraten werden. Details müsse die grün-schwarze Koalition allerdings noch verhandeln. Die Corona-Verordnung soll laut SWR Ende kommender Woche (KW25) überarbeitet werden.

Corona-Verordnung Baden-Württemberg: Aufhebung der Maskenpflicht für Schulen geplant

Laut neusten Informationen soll vor allem die Maskenpflicht an Schulen gelockert werden. Sofern die 7-Tage-Inzidenz in einer Region unter 35 liegt und es zwei Wochen an der Schule keinen Corona-Ausbruch gab, soll die Maskenpflicht „im Unterricht in allen Schulformen“ wegfallen, kündigte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an. Bereits bei einer Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche soll die Maskenpflicht auf den Pausenhöfen wegfallen. Lucha stellte für weitere Bereiche Lockerungen der Maskenpflicht in Aussicht, etwa draußen im öffentlichen Raum, in offenen gut durchlüfteten Bahnhöfen und Bushaltestellen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte zuvor die Länder aufgefordert, die Maskenpflicht zu überprüfen. Sie müssten klären, „ob und wo eine Maskenpflicht noch verhältnismäßig ist, wenn die Inzidenzzahlen niedrig sind und weiter sinken“, sagte sie der Bild am Sonntag. Auch eine Forderung nach einer generellen Aufhebung kam bereits am Wochenende von FDP und AfD – der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatten dies draußen für möglich, nicht aber in Innenräumen.

Aufhebung der Maskenpflicht in Baden-Württemberg? Eine medizinische Frage

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sagte gegenüber der dpa: „Aufgrund der aktuell niedrigen Inzidenzlage befürworte ich Lockerungen, da die Kinder und Jugendlichen in der Pandemie sich zurückgenommen haben, um die Älteren zu schützen. Und auch aufgrund der regelmäßigen Reihentestungen an Schulen sollten wir den Kindern und Jugendlichen, wenn das möglich ist, wieder etwas Belastung abnehmen“, sagte die Grünen-Politikerin.

Die Gespräche in Baden-Württemberg müssen allerdings noch abgewartet werden. „Bei der Maskenpflicht handelt es sich grundsätzlich um eine medizinische Frage, weswegen wir uns bei der Frage bezüglich einer Lockerung der Maskenpflicht eng mit dem Sozialministerium abstimmen.“

Keine Maskenpflicht mehr in Baden-Württemberg? Kretschmann mahnt zur Vorsicht

Dennoch warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor zu schnellen Öffnungsschritten. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Inzidenz noch 20 Mal höher sei als vor einem Jahr. „Leute, seid nicht übermütig, das bezahlen wir sonst bitter“, sagte er. Man könne nicht das Risiko einer vierten Welle eingehen. Für Besucher von größeren Sportveranstaltungen will er die Maskenpflicht keinesfalls lockern – auch wenn diese im Freien stattfinden. „Ich sehe das bei der EM, das geht mal gar nicht.“ Aktuell finden trotz Pandemie auch Public Viewing-Veranstaltungen statt, unter anderem auch in Stuttgart.

Auch der CDU-Landesfraktionschef Manuel Hagel warnte vor zu schnellen und voreiligen Lockerungen. „Wir dürfen keinesfalls den Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei ist“, sagte Hagel. Er warb für ein Vorgehen in mehreren Schritten. Bei niedrigen Inzidenzen könne „zuerst draußen und dann, mit deutlich mehr Vorsicht, drinnen“ gelockert werden. „Bei regional dauerhaft sehr niedrigen Inzidenzen kann ich mir auch Lockerungen an Schulen, zuerst bei unseren Jüngsten, vorstellen.“

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

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