Pünktlich zum Schulstart saubere Luft?

Corona und Schule: Endlich grünes Licht für Luftfilter – mit Einschränkungen

Klassenzimmer
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Wie sieht der Unterricht nach den Sommerferien aus? (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Sommerferien sind in Baden-Württemberg in vollem Gange. Doch noch immer ist nicht abschließend geklärt, wie die Klassenzimmer belüftet werden sollen...

Wie sieht Schule in Baden-Württemberg nach den Sommerferien aus? Das fragen sich wohl mittlerweile viele Schüler, Eltern und auch Lehrer. Denn einige Faktoren sind noch unklar - und die Infektionszahlen im Südwesten steigen bereits wieder. Die Corona-Pandemie ist noch nicht überwunden. Dennoch gibt es jetzt einen kleinen Lichtblick. Ab dem kommenden Montag können Kommunen in Baden-Württemberg die Förderung mobiler Luftfilter für ihre Schulen beantragen.

Ein riesiger Fortschritt - war doch bis vor Kurzem noch überhaupt nicht klar, ob Land und Bund jeweils eigene Richtlinien erstellen oder sich gemeinsam orientieren. Nun gibt es allerdings eine Einigung. Am Freitagnachmittag veröffentlichte das Kultusministerium die gemeinsame Richtlinie und gab damit auch direkt den Startschuss für die Beschaffung mobiler Luftfilter. Besonders für schwer lüftbare Klassenzimmer ist das eine enorme Erleichterung.

Schule nach den Sommerferien: Richtlinie für Luftfilteranlagen beschlossen

Mit der neuen Richtlinie ist nun endlich klar: Das Land übernimmt bis zu 50 Prozent der Kosten für Filteranlagen. Maximal sind 2.500 Euro pro Gerät angedacht. Doch Schulen können nicht einfach irgendwelche Luftfilter kaufen. Sie müssen bestimmte Vorgaben zu Arbeitsschutz, Lärmpegel und Wartung erfüllen - außerdem sind nur Geräte förderfähig, die mit sogenannten HEPA-Filtern ausgestattet sind. Diese filtern über 99 Prozent der Viren und Bakterien aus der Luft.

Die Luftfilteranlagen können nun aus zwei unterschiedlichen Fördertöpfen beantragt werden. Der Bund stellt 26 Millionen Euro bereit und übernimmt lediglich die Kosten für mobile Geräte in den Klassenstufen eins bis sechs in schwer lüftbaren Unterrichtsräumen. Das Land hingegen fördert die Ausstattung aller Räume mit kleinen oder nur kippbaren Fenstern für alle Klassenstufen.

Außerdem sieht das Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg für die Schulen auch CO2-Ampeln vor. Diese zeigen an, wann es wieder Zeit zum Lüften ist. Eine Alternative zu den teuren Luftfilteranlagen, wenn eine Klasse in einem gut lüftbaren Zimmer unterrichtet wird. Das Land nimmt zusätzlich zu den 26 Millionen vom Bund weitere 60 Millionen Euro in die Hand, um den Unterricht nach den Sommerferien wieder möglichst risikoarm zu ermöglichen.

Schule und Corona: Lehrergewerkschaft mit schwerem Vorwurf

Dennoch wirft die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Politik vor, zu spät zu handeln. Man habe das Thema verschlafen. Die Gewerkschaft Ver.di fordert außerdem, die 9.200 Kitas im Land mit CO2-Ampeln auszustatten. Die Kitas seien deutlich kürzer geschlossen, als die Schulen - die ersten Kinder kehren demnach schon bald wieder zurück.

In vielen Gemeinden wie beispielsweise Heilbronn, Konstanz oder Ravensburg gibt es derweil bereits Beschlüsse über den Bedarf an Luftfiltern in Klassenzimmer, die man nur schwer lüften kann - in Mannheim stieß die Entscheidung dagegen auf Gegenwehr der Eltern. Hier verlangte der Gesamtelternbeirat der Stadt in einer Petition, die Mittel für alle 2.000 Unterrichtsräume bereitzustellen.

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) macht allerdings klar: „Nach wie vor ist intensives und sachgerechtes Lüften das vorrangige Mittel, um das Infektionsrisiko in Innenräumen zu reduzieren.“ Jedenfalls scheint es ohne Zweifel extrem wichtig zu sein, dass Kinder und Jugendliche wieder in die Schule gehen können. Denn die Jugendämter warnen: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind auch in Baden-Württemberg nicht mehr sicher.

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