Virus-Variante verbreitet sich weiter

Corona-Mutation aus Großbritannien ansteckender für Kinder? Wissenschaftler warnen

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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In Großbritannien ist eine Corona-Mutation registriert worden. Mittlerweile gibt es weitere Daten zu der Virus-Variante – und die könnte möglicherweise für Kinder ansteckender sein als bisherige Formen.

Die Corona-Mutation, die sich in Großbritannien verbreitet, bereitet derzeit Sorgen in ganz Europa. Nach Untersuchungen durch britische Wissenschaftler gibt es jetzt weitere Informationen zu der neuen Corona-Variante B.1.1.7. An neuen Daten ist zu sehen, dass sich die Variante des Coronavirus tatsächlich mit großer Wahrscheinlichkeit leichter überträgt als bislang kursierende Formen von Sars-CoV-2. Für diese Erkenntnis wurden Daten aus verschiedenen Regionen ausgewertet.  

Aus den Daten der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) kann man laut dem Virologen Christian Drosten ableiten, dass die Reproduktionszahl – also wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt – bei der Corona-Variante je nach Ort um 30 bis 40 Prozent erhöht ist. Der Experte wies nach dpa-Angaben aber auch darauf hin, dass die Schätzungen noch unscharf und mit Vorsicht zu genießen seien.

Corona-Mutation für Kinder möglicherweise ansteckender als andere Formen

Aber auch eine weitere Annahme, der die Wissenschaftler derzeit nachgehen, sorgt für Aufsehen. Die mutierte Variante des Coronavirus ist möglicherweise für Kinder ansteckender als bisherige Formen des Virus. „Es gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass es [das mutierte Virus] eine höhere Neigung hat, Kinder zu infizieren“, sagte Neil Ferguson, Professor und Epidemiologe für Infektionskrankheiten laut einem Bericht von Reuters. Ferguson ist auch Mitglied der „New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group“ (NERVTAG) – einer Expertengruppe, die die britische Regierung berät.

Man habe zwar noch keinen kausalen Zusammenhang erkennen können, der erklärt, dass die Corona-Mutation für Kinder ansteckender sein könnte, „aber wir sehen es anhand der Daten“, so Ferguson nach BBC-Angaben. Laut der Wissenschaftlerin Wendy Barclay, ebenfalls vom NERVTAG, könnten Kinder dann genauso anfällig für dieses Virus sein wie Erwachsene. Die Mutationen könnten es dem Virus möglicherweise leichter machen, in die menschlichen Zellen zu gelangen. Die neue Corona-Variante des Virus ist laut dpa durch etwa 20 Mutationen in ihrem Erbgut charakterisiert.

Corona-Mutation: Britische Forscher untersuchen Zusammenhang bei Kindern

Der Experte Neil Ferguson hielt aber fest, dass der Zusammenhang hinsichtlich einer Anfälligkeit bei Kindern derzeit noch untersucht werde und noch nicht bewiesen sei. „Wenn es wahr wäre, könnte dies einen signifikanten Anteil, vielleicht sogar die Mehrheit des beobachteten Ansteckungsanstiegs erklären“, sagte Ferguson. Die Coronavirus-Form breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus.

Obwohl offiziell noch kein Fall der Corona-Mutation in Deutschland bekannt ist, sind sich Experten sicher, dass B.1.1.7 bereits in der Bundesrepublik angekommen ist. Trotzdem schlagen sie nicht Alarm. Das liegt vor allem an den knallharten Regeln im Corona-Lockdown. „Bei den aktuellen Beschränkungen dürfte diese Variante hierzulande eher schwer Fuß fassen“, erklärte der Berliner Virologe Christian Drosten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Darauf deuteten Daten hin, die die PHE veröffentlicht hat.

Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass sich die Corona-Variante im Lockdown nur schwer verbreiten kann.

Corona-Mutation in Großbritannien: Biontech-Impfstoff offenbar wirksam gegen Variante

Die guten Nachrichten zur neuen Coronavirus-Variante, die in Großbritannien registriert worden ist: Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen würde. Zudem geht man davon aus, dass der Corona-Impfstoff, der ab dem 27. Dezember auch in Baden-Württemberg verimpft werden soll, auch gegen die Corona-Mutation wirkt. Nach Angaben des Biontech-Chefs ist das Präparat gegen die neue Variante wirksam.

Wie Virologe Drosten festhält, sei positiv zu werten, dass der neuen Corona-Variante ein bestimmtes Gen fehle, dass eigentlich die Krankheitsschwere verstärkt. Es könnte also durchaus sein, dass B.1.1.7. harmloser ist, sagte er gegenüber der dpa. Möglicherweise sei das auch ein Grund für die schnellere Verbreitung. Denn Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen isolieren sich eher nicht und können dadurch vermehrt andere anstecken.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

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