Im Ländervergleich nur im hinteren Mittelfeld

Corona-Impfungen: Baden-Württemberg hängt immer noch hinterher

  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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In Baden-Württemberg gehen die Corona-Impfungen immer noch vergleichsweise schleppend voran. Ein Überblick über den aktuellen Stand.

Seit Ende Dezember 2020 werden in Deutschland Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Auch in Baden-Württemberg wurde die entsprechende Infrastruktur mit Impfzentren aufgebaut, um möglichst schnell Fortschritte im Kampf gegen Corona zu machen. Aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen aber, dass der Südwesten noch weit von der Herdenimmunität entfernt ist. Etwa 60 bis 70 Prozent der Menschen im Land müssten dafür wohl eine Corona-Impfung erhalten haben. Auch im bundesweiten Vergleich hängt Baden-Württemberg laut echo24.de* weiter zurück.

Laut dem Impfdashboard der Bundesregierung, das auf Zahlen des RKI basiert, haben in Baden-Württemberg pro 100.000 Einwohner nun 2,6 Prozent die zur vollständigen Immunisierung notwendigen zwei Corona-Impfungen erhalten. Damit liegt der Südwesten im bundesweiten Vergleich nur auf dem geteilten zehnten Platz mit Sachsen-Anhalt. Am schlechtesten schneidet Niedersachsen mit 2,3 Prozent ab, ganz vorn liegt Rheinland-Pfalz mit 3,4 Prozent (Stand 4. März).

Corona-Impfungen: Baden-Württemberg hängt immer noch hinterher

Damit ist nicht nur Baden-Württemberg weit entfernt von der für die Herdenimmunität gewünschten Impfquote. In absoluten Zahlen sind derzeit 292.124 Menschen vollständig geimpft. Insgesamt müssten in Baden-Württemberg mindestens zwischen 6,6 und 7,7 Millionen eine Corona-Impfung erhalten, um eine nachhaltige Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen.

Bundeslandvollständig Geimpfte pro 100.000 Einwohner
Rheinland-Pfalz3,4%
Berlin3,4%
Bremen3,2%
Mecklenburg-Vorpommern3,2%
Schleswig-Holstein3,2%
Hamburg3,1%
Brandenburg3,0%
Thüringen3,0%
Bayern2,9%
Baden-Württemberg2,6%
Sachsen-Anhalt2,6%
Sachsen2,5%
Nordrhein-Westfalen2,5%
Saarland2,5%
Hessen2,4%
Niedersachsen2,3%

Doch für ein schnelleres Impfen schien lange Zeit der Impfstoff zu knapp. Baden-Württemberg lag nach Angaben von Sozialminister Manne Lucha im Januar auch deshalb bei den Corona-Impfungen hinten, weil gezielt Dosen zurückgehalten wurden, um die notwendige zweite Impfung in jedem Fall garantieren zu können. Sein Credo damals: Baden-Württemberg werde automatisch aufholen. Doch davon ist noch nichts zu spüren. Bei den verabreichten Erstimpfungen steht der Südwesten ebenfalls vergleichsweise schlecht da. Mit 5,3 Prozent pro 100.000 Einwohner liegt das Bundesland deutlich hinter Spitzenreiter Bremen (6,1 Prozent) zurück. Schlechter sind nur noch Niedersachsen (5,1%), Hessen (5,1%), Sachsen-Anhalt (5,1%) und Brandenburg (4,7%).

Corona-Impfungen Baden-Württemberg: Impfstoff lagert ungenutzt in Kühlschränken

Nun sollen die Länder darauf vertrauen, dass genügend Impfstoff nachkommt und die vorhandenen Lieferungen auch vollständig verimpfen. Mit dieser Strategie könnte Baden-Württemberg in Sachen Corona-Impfung aufholen. Bislang wurden von über 1,3 Millionen gelieferten Impfdosen weniger als 900.000 verabreicht. Der Rest lagert noch ungenutzt in Kühlschränken. Besonders die zuletzt verstärkte Skepsis gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca* sorgte wohl für den Rückstau. Mit der Erweiterung der zur Impfung berechtigten Personen dürfte aber auch die Anzahl der Impfwilligen wieder steigen.

In Baden-Württemberg wird seit Ende Dezember gegen das Coronavirus geimpft.

Derweil rechnet das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg offenbar damit, dass sich auch das Problem des zu knappen Impfstoffs bald erledigen wird. Schon jetzt startete ein Pilotprojekt für erste Corona-Impfungen in Arztpraxen. Die Zahl der Impfdosen dürfte nach Angaben des Landkreistages in absehbarer Zeit die Kapazitäten der Impfzentren übersteigen. 

Corona-Impfungen Baden-Württemberg: Pilotprojekt in Hausarztpraxen

Ab dem kommenden Montag soll es deshalb in fast jedem Stadt- und Landkreis eine Hausarztpraxis geben, die Corona-Impfungen anbietet, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag in Stuttgart bekanntgab. Das Angebot richtet sich demnach zunächst nur an über 80-Jährige aus der ersten Impfgruppe. Die Termine werden von den Praxen vereinbart, man muss nicht von sich aus nach einem Termin fragen, hieß es. So schaffe man die Voraussetzungen für einen künftigen reibungslosen Übergang der Impfungen in die Hausarztpraxen, teilte Minister Manne Lucha (Grüne) mit.

Bis Mitte März werden in Baden-Württemberg beispielsweise rund 450.000 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca erwartet. Hinzu kommen sollen rund 600.000 weitere Dosen von Biontech/Pfizer und 145.000 Dosen von Moderna bis Ende März. Außerdem steht der Corona-Impfstoff von Johnson&Johnson womöglich kurz vor einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur. Parallel arbeitet auch das Tübinger Unternehmen Curevac weiter an seinem Impfstoffkandidaten und rechnet mit einer Zulassung noch im zweiten Quartal 2021.

Baden-Württemberg: Impffortschritt bald schneller?

Bis Ende September soll jeder Impfwillige in Deutschland laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Angebot für eine Corona-Impfung erhalten haben. Zuletzt wurde in Baden-Württemberg von der Impfreihenfolge abgewichen, um den Impffortschritt zu beschleunigen. Das hatte nicht nur zu massiver Kritik* geführt. Bislang steigert es auch nicht spürbar das Tempo der Impfungen im Südwesten. Das könnte sich allerdings bald ändern. Bis Ende März soll den Angaben zufolge auch jedem Impfberechtigten zwischen 18 und 64 Jahren der ersten beiden Prioritätsgruppen bereits ein Angebot für einen Impftermin gegen das Coronavirus* in Baden-Württemberg gemacht worden sein. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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