Fakten zu kursierendem Mythos

Magnetische Einstichstelle? Absurde Verschwörungstheorie zu Corona-Impfung

In einem Impfzentrum wird ein Impfstoff aufgezogen: Das Paul-Ehrlich-Institut hofft auf gute Ergebnisse seiner Forschungen.
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Im Netz kursieren viele Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus und die Impfungen. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Dient die Corona-Impfung dazu, uns allen Mikrochips zu implantieren? Zu dem Thema kursieren aktuell angebliche Beweisvideos im Netz. Wir klären auf.

Ist das Coronavirus von Menschen erschaffen worden? Sollen wir alle durch die Kontaktbeschränkungen und Lockdown-Regelungen kontrolliert und zu Hause gehalten werden, ohne dass es eigentlich einen Grund dazu gibt? Seit Beginn der Corona-Pandemie sprießen immer mehr sogenannte „Verschwörungstheorien“ aus dem Boden. Ein Mythos, der sich schon besonders lange hält, ist dabei der, dass Bill Gates Covid-19 erfunden hat, um uns allen Mikrochips implantieren zu können.

Videos zu diesen und weiteren Verschwörungstheorien werden im Netz millionenfach geklickt - und machen Stimmung gegen Schutzmaßnahmen und die Corona-Impfungen, die uns ja eigentlich einen sicheren Weg raus aus der Pandemie versprechen. Denn die Impfkampagne schreitet immer weiter voran. Zum heutigen Tag (20. Mai) sind in Baden-Württemberg 37,3 Prozent der Bürger mindestens ein Mal geimpft. Doch das Ziel der Regierung liegt noch viel höher.

Corona-Impfung: Magnetische Einstichstelle - „Mikrochip“-Mythos bestätigt?

Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssen laut Wissenschaftlern etwa 80 Prozent aller Deutschen vollständig geimpft sein. Erst dann entfaltet sich demnach auch der Schutz für die Ungeimpften, weil das Virus nur noch von wenigen weitergegeben werden kann - und hoffentlich fast vollständig verschwindet. Umso gefährlicher sind Videos über angebliche Impfverschwörungen.

In sozialen Netzwerken sind aktuell besonders Videos über angeblich magnetische Einstichstellen im Trend. Menschen zeigen sich, wie sie zum Beispiel Kühlschrankmagnete an ihre vermeintliche Einstichstelle nach der Corona-Impfung halten. Diese Magnete bleiben hängen - somit soll bewiesen sein: Wir alle werden durch die Covid-19-Impfung gechippt, um uns später kontrollieren zu können.

Corona-Impfung: Faktenchecker klären Theorie um magnetische Einstichstelle auf

Diesem Mythos sind die Faktenchecker der Internetseite mimikama.at nachgegangen. Auf dieser Homepage werden systematisch Mythen und Verschwörungstheorien aus dem Netz überprüft, analysiert und Falschmeldungen aufgeklärt. Und laut mimikama gibt es auch ganz einfache physikalische Erklärungen dafür, dass Magnete am Körper haften bleiben.

Werden wir durch Corona-Impfungen gechippt? Der Faktencheck

1. „Mikrochips“ und „Nanochips“ sind aus Silizium gemacht - das ist überhaupt nicht magnetisch, also würde auch der Magnet-Check nicht anschlagen.

2. Die Spritzen mit dem Impfstoff sind durchsichtig, also müsste ein darin enthaltener Mikrochip so klein sein, dass man ihn nicht mit bloßem Auge sieht und er durch die Kanüle passt.

3. Magnete oder Münzen können tatsächlich am Körper haften bleiben - nämlich durch die sogenannte Adhäsion. Diese sorgt dafür, dass zwischen den Teilchen verschiedener Körper anziehende Kräfte wirken. Zum Beispiel kann so Kreide an Schultafeln haften bleiben - und auch die Wirkungsweise von Klebstoffen beruht auf Adhäsion.

4. Ein Gegenstand - also auch ein Magnet - kann auch durch Schweiß, Fett und Öle auf der Hautoberfläche haften bleiben. Das funktioniert an verschiedensten glatten Körperstellen, hat aber mit Magnetismus an sich nichts zu tun.

Und mittlerweile hat sich auch die Baden-Württembergische Regierung in die Diskussion eingeklinkt. Pascal Murmann, der Sprecher des Sozialministeriums in Baden-Württemberg, sagte kürzlich gegenüber der Stuttgarter Zeitung: „Selbstverständlich wird niemand durch die Impfung gechippt, die Impfung ist außerdem freiwillig. Wir haben ja derzeit eher die Situation, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt.“

Corona-Impfung: Gute Nachrichten - auch für Impfgegner

Und tatsächlich ist es so, dass sich in Baden-Württemberg aktuell so viele Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, dass beispielsweise das Kreisimpfzentrum Heilbronn vermutlich erst wieder Anfang Juni Erstimpfungen anbieten kann. Bis dahin muss der gelieferte Impfstoff für ausstehende Zweitimpfungen verwendet werden.

Eine große Hoffnung bleibt der mRNA-Impfstoff der Tübinger Firma CureVac, der im Juni zugelassen werden soll. Dann kann hoffentlich jeder, der sich impfen lassen möchte, auch einen Termin ergattern. Und für Impfgegner dürfte diese Aussicht eigentlich auch positiv sein, denn wenn sich viele Impfwillige immunisieren lassen, profitieren letzten Endes auch die Ungeimpften vom schwindenden Coronavirus.

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