Wie wird der Impfstoff in Deutschland verteilt?

Wie viel Corona-Impfstoff bekommen Impfzentren, Betriebs- und Hausärzte?

  • Lisa Klein
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Der Impfstoff in Baden-Württemberg ist knapp. Wie werden die Impfdosen im Land aktuell verteilt? Wie viel Vakzin erhalten Impfzentren, Betriebs- und Hausärzte?

Bereits seit einem Monat dürfen in Deutschland auch Hausärzte gegen das Coronavirus impfen, wie *echo24.de berichtet. Künftig sollen Betriebsärzte sowie Fachärzte ebenfalls stärker mit einbezogen werden. Entsprechende Vorkehrungen wurden bereits getroffen, die Betriebsärzte „stehen in den Startlöchern“*, nur der Impfstoff fehlt — so wie überall.

Derzeit stehen für Hausarztpraxen im Vergleich zu den Impfzentren nur wenig Impfdosen zur Verfügung — etwa 500.000 Impfdosen für alle deutschen Hausärzte pro Woche, das entspricht etwa zehn Impfdosen pro Praxis. Die Wartelisten bei den Hausärzten sind voll, aber auch die Wartelisten der Impfzentren gelangen an ihre Grenzen.

Impfstoff-Mangel in Impfzentren und bei Hausärzten: Wie wird der Impfstoff verteilt?

Den Impfzentren in Baden-Württemberg droht in der kommenden Woche ein Impfstoff-Engpass, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Termine für Zweitimpfungen gegen das Coronavirus* könnten zwar gewährleistet werden, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag, aber für die Erstimpfungen in der nächsten Woche zeichne sich ein Engpass ab.

In einigen Impfzentren könnte das dazu führen, dass Termine für die erste Impfung abgesagt werden müssten, ergänzte ein Sprecher des Ministeriums. Grund sei, dass die vom Bund in Aussicht gestellten Mehrlieferungen nicht in den Impfzentren ankommen. Für das Impfzentrum Ulm und andere Impfzentren mit ähnlicher Situation im Land sei vorerst eine Lösung gefunden worden. So bekomme Ulm gut 3.000 zusätzliche Impfdosen.

„Diese stammen aus Impfzentren mit Rücklagen und werden am 6./7. Mai ausgeliefert.“ Wie es kommende Woche dann genau weitergeht, war zunächst nicht klar. Ein Sprecher des Impfzentrums Ulm sagte der Mitteilung zufolge: „Die schnelle und pragmatische Unterstützung des Ministeriums hilft kurzfristig. Aber langfristig bleibt es dabei: Wir könnten deutlich mehr verimpfen.“

Auch die Hausärzte fordern mehr Impfstoff. Alle wollen mehr impfen, doch genügend Dosen gibt es scheinbar immer noch nicht. Mit wie viel Impfstoff kann momentan gerechnet werden? Wie wird der Impfstoff zwischen Impfzentren, Hausärzten und Betriebsärzten verteilt?

Wie viel Corona-Impfstoff erwartet Deutschland?

Im zweiten Quartal dieses Jahres, also bis Ende Juni, erwartet die Bundesregierung laut Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) Lieferungen von etwa 39,3 Millionen Impfdosen von Biontech* sowie rund 5,1 Millionen von Moderna. Das BMG weist allerdings darauf hin, dass es sich bei den angegebenen Zahlen lediglich um Prognosen handelt und sich diese Zahlen jederzeit ändern können.

Impffortschritt in Deutschland (Stand: 6. Mai 2021)

In Deutschland sind bereits 7.360.108 Personen — das entspricht 8,8 Prozent der Gesamt­bevölkerung vollständig geimpft. Insgesamt haben 26.205.337 Personen mindestens eine Impf­dosis erhalten, also 31,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Somit hat fast jeder Dritte in Deutschland bereits eine Impfdosis erhalten.

Ebenfalls im zweiten Quartal sollen Arztpraxen und Betriebsärzte etwa 24,3 Millionen Impfdosen von Biontech erhalten sowie 2,7 Millionen Dosen von AstraZeneca*. Nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands sind bundesweit für die kommende Woche vom 10. bis 16. Mai (KW19) bereits 1,6 Millionen Impfdosen von Biontech angekündigt sowie 1,3 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs.

Baden-Württemberg fordert mehr Corona-Impfstoff

Wie viele dieser Impfdosen nach Baden-Württemberg gehen, ist noch nicht bekannt. Erst kürzlich forderte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) in einem Brief an Bundesgesundheitsministerium Jens Spahn (CDU) aufgrund des Impfstoffmangels im Südwesten mehr Impfstoff.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) fordert mehr Corona-Impfstoff für Baden-Württemberg. (Symbolbild)

Lucha appellierte „die für Baden-Württemberg bereitgestellte Impfstoffmenge für die Impfzentren um 100.000 Impfdosen zu erhöhen und auf dem Niveau von 400.000 bis 450.000 fortzuführen“, berichtet die Schwäbische Zeitung vergangenen Donnerstag. „Leider halten die Impfstofflieferungen des Bundes nicht so mit, wie wir das brauchen. Ich wende mich mit der Bitte an Sie, bereits in der kommenden Kalenderwoche 19 dies nachzusteuern“, heißt es in dem Schreiben des Ministers, das der Zeitung vorliegt.

Warum bekommen Impfzentren und Hausärzte unterschiedlich viel Impfstoff?

Die unterschiedliche Menge an Impfdosen in den Impfzentren und Arztpraxen ist unter anderen davon abhängig, wie beliefert wird. Die Impfzentren werden direkt vom Land beliefert, die Länder wiederum erhalten ihre Impfstoffe direkt beim Bund. Auch die Betriebsärzte sollen ab Anfang Juni direkt vom Bund beliefert werden.

Der Impfstoff für die Hausärzte wird hingegen von den Praxen selbst über die Apotheke bestellt, wie der SWR berichtet. Die Apotheken bekommen ihre Bestellung vom Pharmagroßhandel, der wiederum vom Bund beliefert wird. Letztendlich entscheidet der Bund, welche Menge an Impfstoffen die Arztpraxen erhalten — diese variiert von Woche zu Woche.

Hausärzte fordern mehr Corona-Impfstoff und eine zuverlässige Lieferung

Die Hausärzte fordern zuverlässigere Impfstoff-Lieferungen. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt wirft der Politik im Gespräch mit MDR Aktuell vor, die Hausärzte bei der Belieferung schlechter als die Impfzentren zu behandeln. Viele Hausärzte würden außerdem nicht die bestellten Impfstoffmengen erhalten. Ein weiteres Problem: Die Ärzte wissen nicht, von welchem Hersteller sie Impfdosen erhalten und wie viele. „Das ist nicht unkritisch“, sagt Weigeldt gegenüber MDR Aktuell. Die angekündigten Mengen würden außerdem nicht ausreichen.

In Baden-Württemberg haben die Hausärzte laut Robert-Koch-Institut (RKI) bisher 305.030 Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft, 36.398 Menschen haben bereits eine Zweitimpfung erhalten. Bundesweit wurden insgesamt 6.714.755 Impfdosen in Arztpraxen verabreicht (Stand: 6. Mai 2021).

Laut Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums dürfen derzeit bereits alle Vertragsärzte impfen — also auch Fachärzte, wie Kinder- und Jugendärzte. Wegen der Impfstoffknappheit wird aber aktuell empfohlen, dass zunächst vor allem Hausärzte impfen sollen. Auch Praxen für Privatpatienten sollen künftig impfen dürfen. Weiterhin bleibt dennoch ungeklärt, wie viele Impfdosen in den Praxen zugesichert werden können. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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