Weltweite Corona-Pandemie

Cyber-Kriminalität: Impfstoff-Hersteller im Visier – Folgen für Corona-Impfungen?

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Menschen in Deutschland warten auf den Corona-Impfstoff. Doch Hersteller wie Biontech haben nicht nur mit der EU-Zulassung zu kämpfen, auch Cyberangriffe nehmen zu.

Das Coronavirus hat die Welt nach wie vor fest im Griff. Nahezu täglich meldet das RKI einen neuen Infektionsrekord - trotz harten Lockdowns. Und viele Menschen warten vor allem auf eins: einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2. Doch bevor das große Impfen, voraussichtlich am 27. Dezember, losgehen kann, muss der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und deren amerikanischer Partner Pfizer am 23. Dezember erst durch die EU-Kommission zugelassen werden.

Aber die Corona-Pandemie birgt auch ganz andere Gefahren, die nichts mit der Gesundheit zu tun haben. Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat sich das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe auf Unternehmen durch die Corona-Pandemie erhöht.

Cyber-Kriminalität in Deutschland: Digitalisierungsschub wegen Corona - Gesundheitswesen in Gefahr

Cyberkriminelle hätten flexibel auf die Pandemie reagiert und nutzten die allgemeine Verunsicherung der Unternehmen und der Menschen gezielt aus, warnte BSI-Präsident Arne Schönbohm am Donnerstag. Schönbohm sprach die Warnung anlässlich der Veröffentlichung eines gemeinsamen Lagebilds der deutschen und der französischen IT-Sicherheitsbehörde aus. Der Grund: In beiden Ländern habe der coronabedingte Digitalisierungsschub für mehr Angriffsflächen gesorgt.

Insbesondere das Gesundheitswesen stehe in Deutschland und Frankreich vor einer großen Herausforderung. Die Pandemie zu bekämpfen und sich gleichzeitig wirksam gegen mögliche Cyberangriffe zu wappnen. „Denn Kliniken, Impfstoffhersteller und deren Lieferketten stehen zunehmend im Fokus von Cyber-Kriminellen“, sagte Schönbohm laut einer Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ausfälle in diesen Bereichen könnten verheerende Folgen haben. Schon vor Beginn der Pandemie hätten beide Behörden eine gesteigerte Aggressivität der Erpressungsmethoden sowie immer mehr Fälle von hochprofessionellen und gezielten Angriffen auf zahlungskräftige Ziele festgestellt, heißt es in der Mitteilung weiter.

Cyber-Kriminalität: Bei Hacker-Angriff auf EMA - Daten über Corona-Impfstoff gestohlen

In der vergangenen Woche gab es bereits einen Hacker-Angriff auf das IT-System der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA mit Sitz in Amsterdam. Im Zuge des Angriffs hatten unbekannte Hacker illegal Dokumente über den Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharma-Riesen Pfizer erbeutet. Die Behörde hatte von „einigen Dokumenten“ berichtet, die im Zusammenhang mit dem Zulassungsantrag für den Impfstoff bei dem Angriff gestohlen worden seien.

Fieser Hacker-Angriff: Cyber-Kriminelle verschaffen sich Zugang zu europäischen Arzneimittel-Behörde EMA.

Aufgrund dessen hätten die Cyber-Sicherheitsbehörde in Deutschland und Frankreich einige Maßnahmen ergriffen, um die Cyber-Sicherheitslage im Gesundheitswesen zu verbessern, sagte Schönbohm. Schon im Frühjahr seien die Impfstoff-Hersteller für Gefahren durch Cyber-Kriminelle sensibilisiert worden. Auch über die Sicherheit der Logistikketten werde diskutiert. Laut dpa sei das BSI mit der Bundesregierung intensiv im Gespräch. Es gehe um den Schutz der Logistikketten der Corona-Impfstoffe. „Auch die Unternehmen müssen ihren Teil dazu beitragen, etwa durch angemessene Investitionen in die Informationssicherheit“, forderte Schönbohm.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg

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