Kliniken bleiben besorgt

Corona-Entspannung auf Intensivstationen – trügerische Ruhe?

Das Personal darf nur noch in Schutzkleidung arbeiten.
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Das Personal darf nur noch in Schutzkleidung arbeiten.
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Ist das schon das Ende der Corona-Pandemie? Die Intensivstationen in Baden-Württemberg werden wieder leerer, doch die Kliniken warnen.

Das Coronavirus ist gefühlt überall. Aktuell sind die 7-Tage-Inzidenzen in Baden-Württemberg so hoch, wie noch nie. Mehrere Stadt- und Landkreise haben bereits die 1.000er-Marke geknackt, darunter auch der Stadtkreis Heilbronn. Doch auf den Intensivstationen der Kliniken bildet sich glücklicherweise eine ganz andere Situation ab. Die Lage scheint sich zu entspannen. Dennoch warnt die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) vor zu viel Optimismus.

Denn im Gegenteil erklärte BWKG-Geschäftsführer Matthias Einwag am Freitag (21. Januar) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa, die Lage in den Kliniken sei noch weit davon entfernt, entspannt zu sein. Hierfür seien allerdings nicht die belegten Betten der Grund, sondern die zunehmende Zahl ausfallender Mediziner und Pflegekräften.

Corona auf den Intensivstationen: Entspannung für Krankenhäuser in Sicht?

„Die Zahl der Krankmeldungen nimmt zu, manche oder mancher hat die Arbeitszeit reduziert und einige haben ihrem Beruf sogar ganz den Rücken gekehrt“, berichtet der BWKG-Chef der dpa. Aktuell sei die Personaldecke dünner, als in „normalen Zeiten“. Auch die besonders ansteckende Corona-Variante Omikron zeigt sich als verantwortlich für die vielen Infektionen.

Mit dieser dünnen Personaldecke einhergehend, stauen sich – so Einwag – in den Krankenhäusern Baden-Württembergs Operationen an. Menschen, die nicht wegen Covid-19 behandelt werden, müssen ihre OPs immer wieder verschieben. Stiegen nun die Patientenzahlen wegen weiterhin explodierender Corona-Infektionszahlen stark an, könnte es sein, dass die Kliniken durch Krankheit und Quarantäne noch weitere Personalausfälle verkraften müssen.

Dann „wird es richtig eng“, erklärt der BWKG-Chef Einwag – und als Konsequenz: „Dann wird die Zahl der planbaren Operationen noch weiter reduziert werden müssen, was für die betroffenen Patienten eine große Belastung bedeutet.“ Erst dann, wenn wieder weniger Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Baden-Württemberg behandelt werden müssen, können laut Einwag wieder planbare OPs nachgeholt werden.

Corona auf den Intensivstationen Baden-Württemberg: Gespaltenes Fazit

Das Fazit des BWKG-Chefs ist allerdings alles andere als eindeutig. Denn einerseits erklärt Einwag, die Situation auf den Intensivstationen der Baden-Württembergischen Kliniken sei derzeit nicht besorgniserregend, doch: „Das Problem ist, dass niemand sagen kann, wie sich die Situation in den Krankenhäusern mit der Omikron-Variante in den nächsten Wochen weiterentwickeln wird.“ Die Prognosen der Experten und Politiker hierzu gehen weit auseinander. Sicher ist demnach nur, dass die Zahl der Infizierten weiter sprunghaft steigt.

Ein kleiner Lichtblick für die Krankenhäuser dürfte dennoch die Corona-Impfkampagne sein. Außerdem sind die Maßnahmen zu Kontaktbeschränkungen in Baden-Württemberg mit der aktuellen Corona-Verordnung noch sehr streng. Sie sollen die Verbreitung des Virus‘ weiter eindämmen. Zusätzlich hoffen Mediziner auf die Medikamente gegen das Coronavirus. Beispielsweise sind für Molnupiravie bereits Nebenwirkungen bekannt.