Mitarbeiter brauchen wieder reguläre Termine

Impfstoff-Loch in Baden-Württemberg: Lieferung an Krankenhäuser gestoppt

Eine Frau zieht eine Spritze mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus auf.
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In Baden-Württemberg wurde die Lieferung von Impfstoff speziell an Krankenhäuser gestoppt.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Baden-Württemberg reagiert auf die Impfstoff-Knappheit. Krankenhäuser erhalten vorerst keinen exklusiven Lieferungen für Corona-Impfungen mehr.

Es klingt nach einem drastischen Schritt. Doch für die Landesregierung in Baden-Württemberg ist er offenbar unumgänglich. Die exklusiven Impfstoff-Lieferungen an Krankenhäuser wurden angesichts eines weiter gravierenden Mangels vorerst gestoppt. Das teilte das Landesgesundheitsamt am Samstag in Stuttgart auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach habe man entschieden „zum jetzigen Zeitpunkt“ neue Impfdosen uneingeschränkt den Impfzentren im Südwesten zur Verfügung zu stellen. Für das Personal in den Kliniken stehen dagegen keine gesonderten Impfdosen mehr zur Verfügung. „Noch immer ist der Impfstoff knapp und die dem Land zur Verfügung gestellten Impfdosen sind über Wochen in den Impfzentren verplant“, hieß es zur Begründung.

Corona in Baden-Württemberg: Drastischer Schritt wegen Impfstoff-Loch

Für die Mitarbeiter in Kliniken hat der Lieferstopp unter Umständen deutliche Auswirkungen, wie echo24.de* berichtet. Wer bereits eine Erstimpfung erhalten hat, muss sich nun schnellstmöglich um einen Termin für die Zweitimpfung im Impfzentrum bemühen. Auch wer noch gar nicht geimpft wurde, muss nun diesen „Umweg“ nehmen. Das Vorgehen der baden-württembergischen Landesregierung stößt auf Kritik: „Wir sind darüber nicht glücklich, können es auch nicht wirklich nachvollziehen“, sagte der Chefvirologe des Universitätsklinikums Heidelberg, Hans-Georg Kräusslich, der Rhein-Neckar-Zeitung. „Wir würden zum Beispiel auch gerne die Studierenden im klinischen Semester impfen, ebenso weitere Mitarbeiter. Jetzt müssen sich wieder alle im Impfzentrum anmelden, wo die Belastung ohnehin schon hoch ist.“

Noch immer ist der Impfstoff knapp und die dem Land zur Verfügung gestellten Impfdosen sind über Wochen in den Impfzentren verplant.

Landesgesundheitsministerium Baden-Württemberg

Klinik-Mitarbeiter müssen künftig also wieder wie alle anderen über die Corona-Hotline 116 117 einen Termin für eine Corona-Impfung vereinbaren. Hier hatte das Land kürzlich auf ein Recall-System umgestellt*, weil es wegen teils stundelanger Wartezeiten ebenfalls Kritik gegeben hatte. Jetzt erhalten Menschen, die sich auf eine Warteliste setzen lassen, einen Rückruf, für die Vereinbarung eines Impftermins. Trotzdem bedeutet das - zusammen mit der anschließenden Impfung in einem Zentrum - einen deutlichen logistischen Mehraufwand für die Krankenhaus-Mitarbeiter.

Corona Baden-Württemberg: Impfstoff-Mangel - Lieferung an Kliniken gestoppt

Demgegenüber steht in Baden-Württemberg aber die anhaltende Knappheit in Sachen Impfstoff. Schon der Start der Kreis-Impfstoffzentren war deshalb Anfang des Jahres chaotisch abgelaufen. Bei den Corona-Impfungen hängt Baden-Württemberg darüber hinaus generell weiter zurück. Zumindest die Impfstoffzentren sollen nun wie geplant beliefert werden können. Das Gesundheitsministerium im Land verweist zudem darauf, dass das Krankenhaus-Personal mit der höchsten Priorität ohnehin „bereits vollständig“ geimpft sei.

In den ersten Wochen nach Start der Impfkampagne in Baden-Württemberg hätten besonders gefährdete Mitarbeiter Impfstoffe der Anbieter Biontech, zu dem es gerade eine überraschende, neue Studie aus Israel* gibt, und Moderna bekommen. Später seien dann die ersten beiden Lieferungen des Astrazeneca-Impfstoffs, die das Land erhalten habe, „nahezu komplett“ an die Krankenhäuser gegangen. Es habe sich allein bei Astrazeneca um rund 72.000 Impfdosen gehandelt. Derzeit sind in Baden-Württemberg Personen aus der ersten Impfpriorisierungsgruppe für eine Corona-Impfung berechtigt. Außerdem Menschen zwischen 18 und 64 Jahren aus der zweiten und dritten Gruppe. Zuletzt war der Kreis der Berechtigten für eine Corona-Impfung noch einmal erweitert* worden. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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