Corona-Abitur 2021?

Keine Abiturprüfungen wegen Corona in Ba-Wü? GEW mit Hammer-Forderung

  • vonChristina Rosenberger
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Könnten die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen? Das fordert zumindest die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Das Coronavirus stellt seit über einem Jahr unser Leben auf den Kopf. Schon im letzten Jahr (2020) gab es deshalb Debatten darüber, ob und wie Abschlussprüfungen stattfinden kann, wenn die Schüler doch wochenlang im Homeschooling waren und nicht vor Ort in der Schule lernen konnten. Dieses Jahr ist diese Problematik noch verschärfter - seit November befinden wir uns im Lockdown und die Schulen sind teilweise immer noch geschlossen. Verständlich, dass sich gerade Abschlussschüler um ihre Zukunft sorgen.

Die Problematik Corona und Schulabschlüsse hat jetzt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgegriffen und fordert, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen Corona notfalls ausfallen zu lassen. GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zu dem Thema: „Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen.“

Abschlussprüfungen 2021? GEW fordert, Prüfungen wegen Corona ausfallen zu lassen.

Alternativ schlägt Tepe vor, etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung zu machen - und ganz wichtig: Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Corona-Abitur-2021? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Abiturprüfungen in diesem Jahr notfalls ausfallen zu lassen. (Symbolbild)

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brandenburgs Ressortchefin Britta Ernst, steht der GEW-Forderung eher zurückhaltend gegenüber. Sie erklärte, alle arbeiteten mit Hochdruck an sicheren Bedingungen für die Durchführung der Prüfungen. „Niemand sollte die Jugendlichen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, zusätzlich zur normalen Prüfungsnervosität verunsichern.“

Corona-Abitur 2021: Das ist Baden-Württembergs Plan für Abschlüsse

Und auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, plädiert für Prüfungen. Die Schüler hätten sich trotz der Corona-Pandemie sehr intensiv auf die Prüfungen vorbereitet, so Beckmann, und das müsse wertgeschätzt werden. Laut Beckmann gibt es außerdem auch andere Möglichkeiten, als die Prüfungen gleich ausfallen zu lassen. Er schlägt vor, die Prüfungen allenfalls zu verschieben, die Aufgabenpools zu erweitern und die Prüfungsräume coronasicher zu gestalten.

An genau so einem Konzept hält auch das Kultusministerium Baden-Württemberg fest. Auf Anfrage von echo24.de erklärte ein Pressereferent des Ministeriums, eines der zentralen Ziele sei es, die Qualität aller Abschlüsse sowie faire und rechtssichere Prüfungsbedingungen zu gewährleisten. Die Schüler dürften aufgrund der Corona-Pandemie keine Nachteile haben. Deshalb sei es wichtig, dass die Prüfungen stattfinden und dass auf die besonderen Bedingungen Rücksicht genommen werde.

Corona-Abitur 2021: Fahrplan Abschlussprüfungen - so will Baden-Württemberg vorgehen

Bereits im Februar hatte das Kultusministerium Baden-Württemberg einen Fahrplan herausgegeben, wie mit Abschlussprüfungen jeder Art verfahren werden solle - zum Beispiel wurden bereits damals die Prüfungstermine jeweils um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben, um mehr Zeit für Unterricht und Prüfungsvorbereitung zu ermöglichen. Beispielsweise könnten so die meisten Prüflinge noch die Pfingstferien nutzen, um sich auf die Abschlussarbeiten vorzubereiten. Um die Situation noch zusätzlich zu entzerren, können die Schüler frei zwischen zwei Terminen für ihre Abschlussprüfungen wählen.

Freie Wahl beim Termin

Wie schon im vergangenen Jahr können die Schülerinnen und Schüler auch bei den anstehenden Abschlussprüfungen 2021 frei wählen, ob sie diese am Haupt- oder am Nachtermin schreiben. So bleibt den angehenden Absolventinnen und Absolventen, die noch mehr Vorbereitungszeit benötigen oder ihre Prüfungen aus anderen persön-lichen Gründen später schreiben möchten, mehr Spielraum. Aufgrund der späteren Prüfungstermine kann dann ein möglicher Nach-Nachtermin allerdings erst im September erfolgen.

Ein weiteres Mittel, um den angehenden Prüflingen faire Prüfungen zu ermöglichen: Das Kultusministerium Baden-Württemberg stellt den Lehrkräften bei jeder schriftlichen Prüfung mehr Aufgaben zur Vorauswahl. So können die Lehrerinnen und Lehrer sicherstellen, dass auch nur die Themen abgeprüft werden, die ausführlich im Unterricht behandelt wurden, erklärte Kultusministerin Eisenmann im Februar in einer Pressemitteilung. Außerdem können zum Beispiel Schüler der Berufsoberschule im Fach Deutsch in diesem Jahr aus sechs Aufsatzthemen wählen - in „normalen“ Jahren sind es lediglich fünf Themen.

Corona-Abitur 2021: Prüfungen oder keine Prüfungen - Entscheidung noch diese Woche?

All diese Maßnahmen dürften dem Deutschen Lehrerverband gut gefallen, denn auch Verbandschef Heinz-Peter Meidinger wandte sich jetzt klar gegen einen Ausfall von Abiprüfungen. Schon im letzten Jahr hat die GEW diese Forderung erhoben, und es sei im Nachhinein gesehen absolut richtig gewesen, dass die Bundesländer dem nicht gefolgt sind, erklärte Meidinger der Rheinischen Post. Auch der Deutsche Philologenverband sprach sich gegenüber der Funke Mediengruppe für reguläre Abiturprüfungen aus.

Doch an diesem Donnerstag (8. April) könnte es über die Thematik „Prüfungen oder keine Prüfungen“ endlich Klarheit geben. Dann treffen sich nämlich die Kultusminister aller 16 Länder und beraten darüber, wie es in den Schulen nach den Osterferien weitergehen soll. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will eine bundesweit einheitliche Lösung finden, die dann für alle Bundesländer verbindlich sein soll.

Rubriklistenbild: © Jonas Güttler/dpa

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