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Dicke Luft im Wasen-Zelt? Wo das Corona-Risiko beim Feiern am größten ist

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Von: Michaela Ebert

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Stuttgart
Besucher des Cannstatter Volksfests in einem Bierzelt. Der „Wasen“ ist nach dem Münchner Oktoberfest das zweitgrößte Volksfest in Deutschland. © Bernd Weißbrod/dpa

Derzeit wird in den Zelten auf dem Cannstatter Volksfest fröhlich gefeiert – und dabei ist nicht nur die Stimmung ansteckend. Gleichzeitig steigen die Corona- und Grippezahlen in der Region. Doch wie können sich Wasen-Besucher am besten schützen?

Zwei Millionen: Das ist die Zahl der Besucher, die bisher beim 175. Cannstatter Volksfest gezählt werden konnten. Zu Gast sind dabei nicht nur die Stuttgarter selbst, auch Menschen aus der ganzen Welt zieht es dafür in die Landeshauptstadt Baden-Württembergs. Wie wahrscheinlich ist es dabei, dass dort auch das Coronavirus mitfeiert und mit nach Hause genommen wird?

Beim Münchner Pendant beispielsweise kann es derzeit schon beobachtet werden: Die Infektionszahlen in der bayrischen Landeshauptstadt und im umliegenden Freistaat steigen seit dem Auftakt der Münchner Wiesn rapide an. Ob das in direkter Verbindung mit dem Oktoberfest steht, kann natürlich nicht mit völliger Gewissheit gesagt werden – ein Zusammenhang liegt aber dennoch nahe. Immerhin wurden bereits in den letzten Jahren bei vergleichbaren Veranstaltungen ansteigende Infektionszahlen etwa eineinhalb Wochen nach Beginn eines Festes registriert.

Typische „Wiesn-Grippe“ wird schon seit Jahren als Phänomen beobachtet

Auch die typische „Wiesn-Grippe“ ist kein besonders neuartiges Phänomen. Schon bei den Volksfesten vor der Pandemie konnten Wissenschaftler beobachten, dass nach der Feier zuerst die Zahl der Grippefälle in der unmittelbaren Region stieg, bevor die herbstliche Grippewelle dann in der gesamten Bundesrepublik ausbrach.

Im dunstigen und engen Festzelt ist es also gar nicht so unwahrscheinlich, sich etwas einzufangen. Das berichten auch die Stuttgarter Nachrichten: Ausgestattet mit einem CO₂-Sensor konnte im fröhlichen Getümmel gemessen werden, wo das Ansteckungsrisiko am größten ist.

Der Wasen in Zahlen
Der Wasen in Zahlen © Tom Markert

Ansteckungsrisiko im Wasen-Festzelt: Stickiger als in der überfüllten S-Bahn

Der CO₂-Sensor misst dabei zwar lediglich, wie viel Kohlenstoffdioxid-Teilchen pro Millionen Partikel (ppm) sich gerade in der Luft befinden, ganz allgemein kann damit aber gesagt werden: Je mehr Kohlenstoffdioxid in der Luft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Zumindest so lange sich unter den Feiernden auch infizierte Person befinden, die beim Singen, Lachen und Grölen die Viren in der Luft verteilen. Da es sich bei den Wasen-Besuchern um einen bunten Mix aus der Gesamtbevölkerung handelt, ist das bei den aktuellen Zahlen gar nicht so unwahrscheinlich.

Doch wo sollten sich Besucher jetzt am besten aufhalten, wenn sie sich dem geringsten Ansteckungsrisiko aussetzen möchten? In den Festzelten ist die Luftqualität nachweislich am schlechtesten. Woher die verbrauchte Luft kommt, ist dabei sicherlich kein Geheimnis: Wo dicht beieinander gedrängte Gäste eng miteinander tanzen, lautstark mitsingen und sich bei besonders bekannten Liedstrophen so richtig ins Zeug legen, kann der CO₂-Sensor eine Konzentration von bis zu 3000 ppm messen. Das ist deutlich mehr, als in manch überfüllter S-Bahn.

Dicke Luft im Wasen-Festzelt: Besucher suchen sich am besten ein luftiges Plätzchen

Die „dicke Luft“ im Festzelt wird dabei auch schon seit mehreren Jahren vom Gesundheitsamt als kritisch betrachtet. Werte oberhalb der 2000er-Marke seien dabei als „inakzeptabel“ anzusehen. Am besten suchen sich die Party-Gäste daher ein etwas luftigeres Plätzchen, an dem ein leichter Luftzug für ein wenig Frischluft sorgt.

Wer sich bei solchen Werten erst gar nicht ins Festzelt traut oder frische Luft schnappen will, kann sich auch draußen vergnügen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Auf direktem Wege aus dem warmen, feuchten und vollen Festzelt, kann es draußen schnell mal kalt und ungemütlich werden. Besonders in den kühlen September- und Oktobernächten sollte daher darauf geachtet werden, nicht mit nassgeschwitzter Kleidung ins Freie zu gehen. Zudem schwächt Alkoholkonsum das eigene Immunsystem.

Generell ist jedoch draußen die Kohlenstoffdioxid-Konzentration und damit auch die Viruslast in der Luft am geringsten. Dort konnten Werte von maximal 500 ppm gemessen werden. Trotzdem kann man natürlich auch draußen das Pech haben und zum Beispiel direkt angehustet werden.

Medizinerin verrät: Dort ist ein Wasen-Besuch vertretbar und das Corona-Risiko geringer

Etwas gemütlicher ist es dafür auf den Logen-Plätzen des Volksfestes. Dort feiern unter anderem Firmen und Politiker, wie auch der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, Frank Nopper. Die Medizinerin Laura Federle, die sich in Tübingen mit dem Coronavirus beschäftigt, verrät gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass sie einen Wasen-Besuch dort für verantwortbar hält. Auch die Messung zeigt eine akzeptable Luftqualität mit im Schnitt 1100 Teilchen CO₂ je Millionen Partikel.

Letztendlich sollte aber jeder für sich selbst abwägen, ob er einen Besuch im Festzelt für verantwortungsvoll hält – oder eben nicht. Für diejenigen, die sich nicht anstecken wollen, aber dennoch nicht auf das Spektakel verzichten wollen, lohnt es sich eventuell, die gesamte Feier nach draußen zu verlagern. Zudem stehen die meisten Veranstalter auch im engen Austausch mit Gesundheitsämtern und Stadtverwaltungen und haben somit einen prüfenden Blick auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens.

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