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Nach Brand in Reutlinger Pflegeheim: Leiter spricht von einer „Katastrophe“

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Es gibt vieles aufzuarbeiten nach dem Brand in einem Pflegeheim in Reutlingen. Wie konnte das passieren? Und hätte es passieren müssen?

Nach einem schweren Brand mit drei Toten in einem Reutlinger Pflegeheim für psychisch kranke Menschen gibt es viele offene Fragen, teils sind sie schmerzhaft. Hätte das Unglück gar verhindert werden können? Brandermittler der Polizei wollen am Mittwoch Antworten finden in den rußgeschwärzten Trümmern. Unklar war am Morgen nach dem Brand vor allem der Grund für das Feuer.

„Wie genau die Situation entstanden ist, können wir noch nicht sagen“, sagte Gerhard Längle, der Leiter der Einrichtung. „Aber es ist eine katastrophale Situation für unsere Bewohner und unsere Mitarbeitenden.“

Brand in Pflegeheim kostet drei Menschen das Leben – in Reutlingen läuft die Aufarbeitung

Der Bericht der „Deutschen Presse-Agentur“ lässt nur erahnen, wie schrecklich die Szenen am Abend gewesen sein müssen: „Der Notruf erreichte die Feuerwehr am Abend um 19.43 Uhr, sechs Minuten später seien die ersten Löschwagen am Ort des Brandes gewesen, sagte Einsatzleiter Martin Reicherter. Eine Person mit rußgeschwärztem Gesicht habe beim Eintreffen der Feuerwehr bereits vor der Eingangstür des Gebäudes gesessen.“

Das Feuer war zuvor in einer von insgesamt vier Wohngruppen des Heimes ausgebrochen, es war beim Eintreffen der Feuerwehr aber bereits weitgehend erloschen und hatte sich auf einen Raum beschränkt. „Der Zustand der Räumlichkeiten ließ aber auf eine hohe Intensität schließen“, sagte Reicherter. Er hält es nach einer ersten Ansicht für möglich, dass der Brand „im Bereich des Patientenbettes“ ausgebrochen sein könnte.

Feuerwehrleute nach Brand Reutlinger Pflegeheim in psychologischer Nachsorge

Nach Angaben des leitenden Notarztes atmeten eine 53-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 73 und 88 Jahren Rauchgas ein und starben. Eine 57-jährige Frau wurde nach Angaben aus der Nacht schwer verletzt, elf Personen erlitten leichte Verletzungen. Vor Ort hatte sich die Lage einem Polizeisprecher zufolge noch dramatisch dargestellt. Im Krankenhaus habe es dann vorsichtige Entwarnung gegeben, sagte er am frühen Mittwochmorgen.

„Es war eine enorme psychische Belastung auch für die Trupps, die da drin waren“, sagte Einsatzleiter Reicherter. „Wir haben unsere psychologische Nachsorge alarmiert.“ Den insgesamt 61 Feuerwehrleuten und rund 40 weiteren Helfenden sei „der Schock ins Gesicht geschrieben“ gewesen, sagte auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck. Der SPD-Politiker zeigte sich nach dem Brand ebenfalls erschüttert: „Es ist ein schwarzer Abend für Reutlingen“, sagte er am Dienstagabend am Unglücksort.

In den Wohngruppen der sozialpsychiatrischen Pflegeeinrichtung leben jeweils sieben bis acht psychisch kranke Menschen wie eine Familie und mit eigenen Zimmern zusammen. Nach Angaben des ärztlichen Leiters des Heims handelt es sich um eine Einrichtung der Eingliederungshilfe für Menschen, die mindestens 50 Jahre alt sind. Sie leben längerfristig dort, sind aber nach Angaben der Stadt vergleichsweise selbstständig.

Brand in Reutlinger Pflegeheim wirft Fragen auf: Stiftung Patientenschutz fordert Generalschlüssel und Sprinkler

Unklar ist nach dem Feuer noch die genaue Situation in der Wohngruppe zum Zeitpunkt des Brandes. Feuerwehr und Stadt geben an, es hätten neben dem Raum, in dem das Feuer ausgebrochen sei, „20 weitere Türen geöffnet“ werden und weitere Räume durchsucht werden müssen. Da die Menschen in ihren eigenen Wohnungen wohnten, könnten sie diese auch abschließen, sagte der Reutlinger Oberbürgermeister. Nicht geklärt ist bislang, ob auch einzelne Zimmer abgeschlossen waren.

Die Stiftung Patientenschutz fordert in diesen Einrichtungen Generalschlüssel, die in einem Schlüsselsafe hinterlegt werden. Dieser müsse sich beim Auslösen einer aufgeschalteten Brandmeldeanlage automatisch öffnen. Außerdem wird die Forderung nach Sprinkleranlagen laut.

Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs befanden sich der Polizei zufolge 37 Bewohner und fünf Pflegekräfte in dem Gebäude. Der vom Brand betroffene Teil des Gebäudes sei nicht mehr bewohnbar. Die elf Leichtverletzten wurden nach Untersuchung und Behandlung in eine psychiatrische Klinik gebracht und dort betreut.

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