Ein Werk soll komplett schließen

Bosch: Stellenabbau in mehreren Werken – jetzt äußert sich der Betriebsrat

Bosch-Logo am Flughafen Stuttgart: Der Autozulieferer prüft die Schließung seines Werks im Münchner Osten. Bei den Mitarbeitern ist der Unmut groß.
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Auch bei Bosch ist der Stellenabbau ein allgegenwärtiges Thema. Nun äußert sich der Betriebsrat dazu (Symbolbild).
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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An mehreren Standorten in Deutschland will Bosch Stellen abbauen. Um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, arbeitet der Betriebsrat an einem Plan.

Das Thema „Arbeitsplätze in der Automobilindustrie“ ist speziell in Baden-Württemberg allgegenwärtig. Erst kürzlich hatte echo24.de über einen massiven Stellenabbau bei Daimler in Stuttgart berichtet. Länger ist schon bekannt, dass auch Bosch plant, hunderte Stellen abzubauen. Berichten der Stuttgarter Zeitung zufolge (Artikel hinter Bezahlschranke, Anm. d. Red.) laufen die Gespräche zwischen der Konzernführung und dem Betriebsrat bereits.

Frank Sell, der Gesamtbetriebsratschef der Bosch-Mobilitätssparte, erklärt im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung, dass besonders viele Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie vom geplanten Stellenabbau betroffen seien. Der Grund: Auch bei Bosch ist der Wandel vom Verbrenner hin zu klimafreundlichen Antriebsformen in vollem Gange. Insbesondere für E-Motoren werden deutlich weniger Bauteile benötigt, als für die klassischen Benzin- und Dieselmotoren.

Stellenabbau bei Bosch: Ein Werk soll komplett geschlossen werden

Sell sieht aber nicht nur die Wirtschaft in der Pflicht, zu handeln. Die Politik könne nicht nur Ziele formulieren, sondern müsse auch Wege aufzeigen, wie der Wandel sozial stattfinden könne, erklärt Sell. Berichten der Stuttgarter Zeitung zufolge prüft Bosch aktuell die Schließung eines kompletten Werkes in München, beziehungsweise die Verlagerung der Produktion an einen anderen Standort. Im Bosch-Werk in München arbeiten 250 Mitarbeiter, die elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile produzieren.

UnternehmenRobert Bosch GmbH
HauptsitzGerlingen, Stuttgart
Manager (CEO)Volkmar Denner
Gründung15. November 1886
Mitarbeiterzahl395.034 (Stand: 31. Dez. 2020)

Die Konzernführung von Bosch sieht laut einer Sprecherin „erhebliche Überkapazitäten und einen hohen Anpassungsbedarf“ in München. Von Stellenstreichungen ist offiziell aber noch nicht die Rede. Trotzdem stellt sich der Betriebsrat bei Bosch schon auf erneute Arbeitsplatzkämpfe ein. „Wir werden die kleinen Standorte nicht im Regen stehen lassen und werden um jeden Standort und Arbeitsplatz kämpfen“, sagt Sell im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung zum geplanten Stellenabbau.

Stellenabbau bei Bosch: So will der Betriebsrat Arbeitsplätze erhalten

Um die betroffenen Arbeitsplätze bei Bosch langfristig zu sichern, arbeitet der Betriebsrat zusammen mit der IG Metall und dem Fraunhofer-Institut an einer Zukunftsperspektive für die betroffenen Standorte in Deutschland. Sell: „Die Transformation muss in den Regionen stattfinden, aus den Standorten heraus.“ Es helfe vom Stellenabbau gefährdeten Werken wie in München, Nürnberg, Homburg, Feuerbach und Bamberg nicht, wenn man andernorts neue Fachkräfte einstelle, so Sell.

Der Betriebsrat von Bosch plädiert dafür, die vorhandenen Arbeitskräfte umzuschulen und in anderen Bereichen des Unternehmens einzusetzen, statt neue Fachkräfte von außerhalb einzustellen. Sell: „Wir wollen mitgestalten und werden Vorschläge machen, wie wir die Standorte erhalten und weiterentwickeln können, und werden es nicht akzeptieren, dass die Geschäftsleitung uns nur ihre Entscheidungen präsentiert und mit uns nur noch über die Umsetzungen verhandelt.“

Stellenabbau bei Bosch: So steht es um die Werke in Baden-Württemberg

Sell ist im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung zuversichtlich, dass viele der aktuell gefährdeten Arbeitsplätze bei Bosch auch in Zukunft noch wichtig sein werden. Bremsscheiben werden zum Beispiel auch in Elektrofahrzeugen benötigt. Weniger Sorgen um ihren Job müssen sich übrigens die Bosch-Mitarbeiter in Homburg, Feuerbach, Bamberg und Nürnberg machen. Denn in diesen Werken gelten Standortvereinbarungen, die unter anderem betriebsbedingte Kündigungen für die nächsten Jahre ausschließen.

Bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach sowie in Schwieberdingen sind nach Informationen der Stuttgarter Zeitung betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2023 für alle rund 9.600 Mitarbeiter ausgeschlossen. Dafür stellt Bosch die Produktion im Werk Bietigheim-Bissingen ein, rund 290 Mitarbeiter arbeiten aktuell noch dort. Für sie gibt es laut Unternehmen wohl einen Sozialplan. Und auch in Ludwigsburg hatte Bosch 2020 Stellen abgebaut, nachdem die Gewinne zurückgegangen waren.

Bleibt nur zu hoffen, dass es für die Werke in Bayern, Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg eine langfristige Perspektive gibt, wie es der Betriebsrat vorschlägt. Über massive Verluste kann sich das Unternehmen jedenfalls nicht beklagen. Denn erst im vergangenen Jahr sicherte sich Bosch aus Stuttgart eine Mega-Summe durch mehrere lukrative Aufträge. Letztlich muss man aber abwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren weiterentwickelt.

 

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