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Bluttat in Sindelfingen vor 27 Jahren: Rettet Verjährung jetzt den Täter?

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Über ein Vierteljahrhundert liegt die Tat zurück. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

2021 hatte es bereits ein Urteil gegeben, gegen welches der heute 72-Jährige erfolgreich in Revision gegangen war. Nun wird erneut verhandelt, obwohl es keine Zweifel an seiner Tat gibt.

27 Jahre sind vergangen seit einer Bluttat, die einem heute 72-Jährigen zur Last gelegt wird und noch immer ist der Fall nicht abgeschlossen. Wie die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) berichtet, muss sich der Angeklagte erneut vor Gericht verantworten. Der Rentner war im Juli 2021 bereits vom Landgericht Stuttgart zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Er hatte 1995 eine Frau an einem S-Bahnhof in Sindelfingen (Kreis Böblingen) angegriffen und erstochen, das steht aus Sicht der Justiz auch weiterhin fest. Der Mann konnte mit seiner Revision aber den Bundesgerichtshof (BGH) überzeugen, der das Urteil aufhob und den Fall an eine andere Kammer des Landesgerichts zurückverwies.

27 Jahre später: Bluttat noch immer nicht endgültig verurteilt

In dem reinen Indizienprozess mit einem konsequent schweigenden Angeklagten sei das Mordmerkmal der Heimtücke nicht ausreichend belegt worden, hieß es aus Karlsruhe. „Unklar bleibt also auch weit mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Tat, was passierte, bevor das damals 35 Jahre alte Opfer starb. Zwar stehe die Schuld des nun erneut angeklagten Mannes zweifelsfrei fest, entschied der BGH.

Aber aus Sicht der Karlsruher Richter lässt sich nicht aufklären, was vor den tödlichen Stichen passiert ist, heißt es bei der dpa. Hat es ein Gespräch gegeben oder einen Streit, hätte die Frau fliehen oder um Hilfe rufen können? Denn dann wäre es nicht unbedingt ein Mord gewesen, der nach deutschem Recht nicht verjährt, sondern vielleicht ein Totschlag. Und für einen solchen kann man nach mehr als 20 Jahren nicht mehr bestraft werden, der 72-Jährige würde den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Fall von vor 27 Jahren wird erneut verhandelt – Zeugen teils verstorben

Eine andere Strafkammer des Landgerichts soll von diesem Mittwoch an die Möglichkeit bekommen, den Fall noch einmal von Grund auf zu untersuchen. Das dürfte aufwendig werden. Denn im ersten Prozess gab es Dutzende Zeugen, viele Aussagen von Menschen, die mittlerweile im Ausland leben, die Aktenlage war katastrophal, es fehlten Asservate und angefragte Zeugen waren teilweise schon verstorben oder hatten mit Erinnerungslücken zu kämpfen. Und der Angeklagte? Er schweigt, sein Motiv bleibt unklar. „Was Sie angetrieben hat, darüber liegen wir völlig im Dunkeln“, sagte der Richter in der Begründung zum ersten Urteil.

Der Mann war erst überführt worden, nachdem ihm DNA-Spuren unter den Fingernägeln des Opfers zugeordnet werden konnten. Er hatte die 35-jährige Frau auf ihrem Heimweg von der Arbeit angegriffen und getötet. Eine nach der Tat gegründete Sonderkommission hatte den Mann bereits früh im Visier - doch die Ermittlungen blieben zunächst erfolglos. Erst 2018 erhärtete der DNA-Treffer den Verdacht gegen den in Norddeutschland geborenen Mann.

Ein unbeschriebenes Blatt war er bei Polizei und Justiz da schon lange nicht mehr: 2007 hatte ihn das Landgericht Würzburg bereits wegen Totschlags an einer Anhalterin aus Obersontheim (Kreis Schwäbisch Hall) verurteilt - auch damals erst im zweiten Anlauf nach einem Freispruch im ersten Prozess.

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