Corona-Impfungen beim Betriebsarzt

Impfstart bei Betriebsärzten in Baden-Württemberg: Mega-Problem dämpft Hoffnung

  • Anna-Maureen Bremer
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Ab heute können auch Betriebsärzte gegen Corona impfen. Das könnte die Impfkampagne entscheidend vorantreiben. Allerdings gibt es da ein Problem.

Impfkampagne: Betriebsärzte starten mit Corona-Impfungen

Update, 7. Juni: Jetzt geht‘s voran. Oder? Seit heute gilt keine Impfpriorisierung mehr (bisher galt sie noch in den Impfzentren) und auch Betriebsärzte können nun gegen das Coronavirus impfen. Viele Firmen geben bekannt, dass sie die Infrastruktur geschaffen und auch das notwendige Personal für Impfaktionen haben. Der Software-Gigant SAP könnte mit neun festangestellten Betriebsärzten starten, das berichtet der SWR. Im Bericht heißt es: „Rund 6.000 Spritzen könnte der Konzern mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) in einer Woche verabreichen, bekommt aber nach eigenen Angaben erst mal nur Stoff für 1.100 Beschäftigte.“

Und genau das ist das Problem: Obwohl viele Unternehmen den Mehraufwand durch Impfungen stemmen können und wollen, wissen viele noch gar nicht, wie viele Impfdosen ihnen zur Verfügung stehen werden. Während Bosch in der ersten Woche gerne schon 5.000 Impfdosen an seine deutschen Standorte vergeben möchte, hat EBM-Papst aus den Hohenlohekreis 1.500 Dosen angefordert. Andere orderten zunächst 600. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie alle wissen noch nicht, welche Vakzin-Menge ihnen schließlich geliefert wird.

Impfen gegen das Coronavirus: Betriebsärzte stehen vor einem Problem

Das Bundesgesundheitsministerium teilte am Freitag mit, dass rund 6.000 Ärzte und Ärztinnen Impfdosen angefragt hatten. Bereits diese Woche sollen sie bis zu 700.000 Dosen bekommen. Dabei gilt die Regel: maximal 804 Dosen pro Betriebsarzt oder -ärztin. Maximal! Aber ob sie die auch wirklich bekommen?

Der Präsident des Betriebsärzte-Verbandes, Wolfgang Panter sieht das kritisch. Beim SWR heißt es: „Er rechnet zunächst damit, dass pro Woche nicht mehr als 100 Impfdosen pro Betriebsmediziner ausgeliefert werden.“

Corona: Betriebsärzte stehen für Impfungen ab Juni „in den Startlöchern“

Ursprungsmeldung von 2. Mai: Bei den Corona-Impfungen in Deutschland sollen spätestens ab der Woche vom 7. Juni – also bereits in knapp einem Monat – auch Betriebsärzte mit einbezogen werden. Vorgesehen sind dann laut Bundesgesundheitsministerium mindestens 500.000 Impfdosen pro Woche für Betriebe, wie zuerst die Welt am Sonntag berichtete. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte gegenüber der Zeitung, derzeit warten noch viele auf Impftermine, „aber bereits in ein paar Wochen werden wir voraussichtlich mehr Impfstoff haben als Terminanfragen.“

Die Bundesregierung hatte eine Einbindung der Betriebsärzte bereits grundsätzlich für Juni angekündigt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mitteilte. Dank wachsender Liefermengen soll das Impf-Netz somit noch größer werden. Nach dem Start mit mobilen Impfteams und mehr als 400 regionalen Impfzentren der Länder sind inzwischen auch mehr als 60.000 Arztpraxen dabei. Die Impfungen haben damit deutlich Fahrt aufgenommen.

Impffortschritt in Deutschland (Stand: 29. April)

Inzwischen haben 26,9 Prozent der Bürger in Deutschland mindestens eine Impfung erhalten. Den vollen Impfschutz mit einer zweiten Impfdosis haben Stand Freitag bereits 7,7 Prozent. Insgesamt 28.774.580 Impfdosen wurden bereits in Deutschland verabreicht, das entspricht 96,2 Prozent der gelieferten Dosen.

Corona-Impfung: Betriebsärzte sollen ab Anfang Juni mit dem Impfen beginnen

Laut einer vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Lieferprognose mit Stand 30. April werden für Arztpraxen und Betriebsärzte im Juni wöchentlich jeweils mehr als drei Millionen Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer erwartet. Nach 3,4 Millionen Dosen in der Woche ab 31. Mai sollen für drei Wochen jeweils mehr als 3,6 Millionen Dosen folgen und in der Woche vom 28. Juni mehr als 3,7 Millionen Dosen. Im Mai sollen die Praxen demnach jeweils 1,6 Millionen Dosen pro Woche von Biontech bekommen und in den ersten beiden Mai-Wochen zusätzlich jeweils mehr als eine Million Dosen des Präparats von AstraZeneca.

Mit mehr Impfungen in Praxen und Firmen rückt auch die Zukunft der Impfzentren in den Blick. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), sagte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen: „Wenn die Impfpriorisierung Ende Mai, Anfang Juni aufgehoben wird, wäre es sinnvoll, das Impfen den Ärzten zu überlassen. Die kennen ihre Patienten.“ Ob das wirklich so sinnvoll ist, sei dahingestellt – schließlich sind Hausärzte auch ohne Corona teilweise komplett überlastet. Erst kürzlich platzte einem Heilbronner Arzt der Kragen aufgrund mangelnder Strategie im Kampf gegen das Coronavirus.

Impfungen beim Betriebsarzt ab Juni: Folgt nun die Aufhebung der Impfpriorisierung?

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert, die Betriebsärzte so schnell wie möglich in die Corona-Impfungen einzubeziehen: „Die Politik ist jetzt gefordert, so rasch wie möglich die letzten Voraussetzungen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass Impfdosen in ausreichender Menge auch für die Betriebsärzte zur Verfügung gestellt werden“, sagte Dulger der Rheinischen Post. „Unsere Betriebsärzte in den Unternehmen stehen in den Startlöchern.“

„Wir erreichen rund 31 Millionen Menschen“, unterstrich Dulger. Große Firmen hätten bereits Impfstraßen errichtet, sie brauchten nur noch Impfstoff. Die Impfpriorisierung sollte dann aber fallen, mahnte Dulger. Sie wäre in den Betrieben kaum umsetzbar. Reinhardt betonte außerdem: „Die Impfzentren funktionieren sehr gut, sie sind top-organisiert. Die Mitarbeiter leisten wirklich gute Arbeit.“ Allerdings gebe es einen Teil der Bevölkerung, der lieber vom Hausarzt geimpft werden möchte: „Diese Menschen vertrauen ihrem Doktor, den sie seit Jahren kennen. Wenn er die Impfung für richtig erachtet, sagen viele: Ich mache das. Dieser Faktor wirkt erheblich im Hinblick auf diejenigen, die jetzt noch Zweifel haben.“

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert, die Betriebsärzte so schnell wie möglich in die Corona-Impfungen einzubeziehen. (Symbolbild)

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprach sich dafür aus, die Reihenfolge bei den Corona-Impfungen vorerst beizubehalten. „Wenn wir zu früh die Priorisierung aufgeben, fürchte ich das Windhund-Prinzip“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wer gut vernetzt ist und jemanden kennt, der jemanden kennt, hat dann viel bessere Karten als jemand, der weniger gut verdrahtet ist.“

Mittlerweile rückt auch das Impfen von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren in den Fokus. Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bei der EMA die Zulassung ihres Corona-Vakzins für diese Altersgruppe beantragt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt fordert für die Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendliche „schnellstmöglich“ eine Impfstrategie. „Sonst wird das im Sommer wieder Streit und Chaos mit Ansage“, warnte sie. „Bund und Länder müssen es dieses Mal endlich hinbekommen, vorausschauend zu handeln.“

Impfungen beim Betriebsarzt ab Juni: Forderung nach mehr Rechte für Geimpfte

Unterdessen geht die Debatte über Lockerungen für Geimpfte und Genesene weiter. Die Bundesregierung bereitet dazu eine Verordnung vor. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält es für möglich, dass sie Ende nächster Woche mit der Bundesratssitzung am 7. Mai abgeschlossen sein kann.

Die beiden CDU-Politiker Carsten Linnemann und Tilman Kuban forderten unterdessen mehr Rechte nicht nur für Geimpfte und Genesene, sondern auch für negativ Getestete. „Wer einen aktuellen Testnachweis vorlegen kann, der von geschultem Personal durchgeführt wurde, muss wieder im Restaurant sitzen und Hotelzimmer oder Ferienwohnungen buchen können“, sagte Linnemann der Welt am Sonntag. Die geplante Bundesverordnung zu Ausnahmeregeln für Geimpfte und Genese müsse entsprechend ergänzt werden.

Kuban, warnte vor Ungleichbehandlungen, sollten nur Geimpfte und Genese von Coronabeschränkungen ausgenommen werden. „Die allermeisten jungen Menschen verhalten sich seit über einem Jahr sehr solidarisch, gehen für Ältere einkaufen, helfen in den Impf- und Testzentren und stellen sich richtigerweise hinten an bei der Impfreihenfolge“, sagte der Vorsitzende der Jungen Union der Zeitung. „Es darf nicht das Signal geben, dass bereits ein Teil der Gesellschaft wieder reisen und normal leben darf, während andere noch Monate ausharren.“

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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