Das müssen Bahnreisende wissen

Bahn-Streik: Alle Infos zu Ersatzverkehr, Alternativen und Storno

Ab Donnerstag Streikt die Bahn fünf Tage lang. (Symbolbild)
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Ab Donnerstag streikt die Bahn fünf Tage lang. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Bei der Deutschen Bahn wird gestreikt. Ab Donnerstag (2. September) geht fünf Tage lang nichts mehr - doch was tun, wenn man schon sein Ticket gebucht hat?

Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, braucht in den nächsten Tagen wieder ein dickes Fell - denn die Gewerkschaft der Deutschen Lokführer (GDL) streikt. Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit legen die Beschäftigten im Güter- und Personenverkehr die Arbeit nieder. Das bedeutet Zugausfälle, Verspätungen und immer wieder nervige Wartezeiten. Doch welche Möglichkeiten hat man in diesen Tagen, trotzdem von A nach B zu kommen, und wie bekommt man sein Geld für schon gebuchte Tickets zurück?

Zunächst mal stellt sich für viele die Frage: Wie und wann kann ich mir meine gekaufte Fahrkarte wieder erstatten lassen? Darauf gibt es eine wirklich positive Antwort: Wer die Fahrt im Streikzeitraum - aus welchem Grund auch immer - nicht antreten möchte, der kann sich das Ticket kostenfrei erstatten lassen. Das gilt auch für Verbindungen, die eigentlich verfügbar wären. Dazu gibt es für Tickets, die online oder per App gekauft wurden, ein Kulanzformular auf der DB-Homepage. Wer seine Fahrkarte am Schalter gekauft hat, muss diese leider auch dort wieder zurückgeben.

Bahn-Streik: Das müssen Kunden jetzt zu Gültigkeit und Rückerstattung der Tickets wissen

Sollten Bahnkunden bei der Ticketrückgabe doch Probleme haben, gibt es die sogenannte „Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr“. Diese kann konsultiert werden - online wird ein Schlichtungsantrag gestellt und die Juristen der Schlichtungsstelle kümmern sich um den Rest. Der Vorteil: Dieser Service ist für Verbraucher kostenlos. Dennoch raten Experten dringend, eine Ticket-Reklamation nicht lange aufzuschieben.

Wer dagegen bereits ein Ticket gebucht hat und die Fahrt auch antreten möchte, hat besonders auf Hauptverkehrsstrecken oft Glück. Denn auch wenn ein Großteil der Zugverbindungen ausfällt, werden besonders gefragte Routen zumindest in regelmäßigen Abständen bedient - so die Aussage der Bahn. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, soll in Metropolregionen ein Grundangebot an Regional- und S-Bahnen fahren.

Bahn-Streik: In diesen Fällen haben Fahrgäste Anspruch auf Erstattung

Daher sollten Reisende immer zunächst prüfen, ob ihr Zug fährt. In der Bahn-App und online gibt es Ersatzfahrpläne der Deutschen Bahn. In der Liveauskunft findet man nur Züge, die in jedem Fall bis zum Ziel fahren. Doch was, wenn durch den GDL-Streik eine massive Verspätung entsteht? Kann ein Bahn-Kunde eine Entschädigung verlangen?

Dabei kommt es darauf an, wie lang die Verzögerung dauert. Wenn Fahrgäste mindestens 60 Minuten später ankommen, als geplant, haben sie Anspruch auf 25 Prozent Erstattung - bei über zwei Stunden Verspätung sind es dann 50 Prozent. Auch für diesen Fall gibt es online auf der Homepage der Deutschen Bahn ein Formular, doch die Ansprüche auf Entschädigung können auch im Zug oder in einem DB-Büro geltend gemacht werden. Für Bahnkunden mit Zeitkarten gelten übrigens pauschale Entschädigungen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde.

Bahn-Streik: Mit diesem Trick bekommt man sein Geld zurück

Allerdings sollte jeder Bahnreisende, der eine Verspätung geltend machen will, sich die Störung idealerweise von DB-Beschäftigten am Bahnhof bescheinigen lassen - alternativ reicht es auch aus, Fotos von Anzeigetafeln oder Screenshots vom Fahrplan auf dem Handydisplay vorzulegen, aus denen hervorgeht, dass es eine Verspätung gegeben hat.

UnternehmenDeutsche Bahn AG
GründungJanuar 1994
HauptsitzBerlin
CEORichard Lutz

Manchmal - in bestimmten Fällen - können Fahrgäste bei einer Verspätung sogar auf Kosten der Deutschen Bahn mit dem Bus oder Taxi weiterfahren. Das gilt, wenn die planmäßige Ankunftszeit zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr morgens liegt und die Verspätung mindestens 60 Minuten beträgt. Die Bahn erstattet dann Kosten von bis zu 80 Euro - allerdings sollte jeder Fahrgast, der diesen Service nutzen möchte, dann dringend die Quittung der Fahrt aufheben und einreichen.

Bahn-Streik: Auf andere Verbindung umsteigen - trotz Zugbindung?

Eine wichtige Frage ist noch: Was, wenn mein ursprünglicher Zug nicht fährt? Darf ich dann einfach auf eine andere Verbindung ausweichen? Im Fernverkehr gilt: Ja! Auch höherwertige Züge können in diesem Fall genutzt werden. Bedeutet: Wer ein IC-Ticket für eine Fahrt hatte, die ausfällt, kann auch einen ICE nutzen, der dasselbe Ziel hat. Die Zugbindung ist in diesem Fall aufgehoben. Auch können bereits gebuchte Tickets für den Streikzeitraum an einem anderen Tag genutzt werden. Laut Deutscher Bahn sind sie ab jetzt bis einschließlich 17. September gültig.

Im Nahverkehr sieht das Ganze etwas anders aus. Hier gilt die Faustregel: Wenn die gebuchte Fahrt voraussichtlich mindestens eine Verspätung von 20 Minuten hat, so können auch Züge des Fernverkehrs genutzt werden - ohne Aufpreis. Allerdings müssen Fahrgäste trotzdem vor Fahrtantritt ein gültiges Ticket für den Fernzug lösen - die Kosten können sie sich dann später von der Bahn erstatten lassen. Für erheblich ermäßigte Fahrkarten wie Länder- oder Semestertickets gilt diese Regelung nicht.

Bahn-Streik: Umstieg auf Bus und PKW - was muss in den nächsten Tagen beachtet werden?

Wer übrigens im Streikzeitraum vom Zug auf das eigene Auto, einen Mietwagen oder den Fernbus umsteigen will, der sollte immer mit einrechnen, dass aufgrund des Bahnstreiks auch die Straßen deutlich voller sein könnten - ein erhöhtes Staurisiko besteht. Auch gilt bei Fernbussen: In Streikzeiten ist die Nachfrage immer erhöht. Eine möglichst zeitnahe Ticketbuchung empfiehlt sich also.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer will mit dem kommenden Streik massiven Druck auf den DB-Personalvorstand ausüben. Die Bahn hatte kürzlich noch einen Schlichtungsversuch unternommen, um den Streik vielleicht doch abzuwenden - doch die GDL blockte den Vorschlag sofort ab. Der Vorwurf der Gewerkschaft gegenüber der Deutschen Bahn: „Die Bahn versucht nur, Zeit zu gewinnen und mit Scheinangeboten die Öffentlichkeit und die Medienvertreter zu irritieren.“

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