Ministerpräsident Kretschmann äußert sich zu Schuldiskussion

Baden-Württemberg: Deutliche Ansage zu längeren Weihnachtsferien wegen Corona

  • vonJulia Thielen
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Verlängerte Weihnachtsferien wegen Corona. Dieser Vorschlag stand zuletzt im Raum. Für Baden-Württemberg macht der Ministerpräsident jetzt eine deutliche Ansage.

Zwei bis vier Wochen längere Winterferien, dafür entsprechende Kürzungen an Ostern oder im Sommer. Mit Vorschlägen dieser Art sorgen derzeit der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß und sein Fraktionskollege im Bundestag, Stephan Pilsinger, für reichlich Diskussionen. Aus Baden-Württemberg gab es jetzt eine deutliche Ansage zu möglicherweise verlängerten Weihnachtsferien.

Längere Weihnachtsferien wegen Corona: Debatte um kalte Klassenzimmer

„Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen“, hatte Pilsinger in der „Bild“-Zeitung gefordert. Zuvor hatte es eine Debatte über kalte Klassenzimmer gegeben. Diese müssen wegen des Coronavirus auch jetzt im Herbst und dann bald im Winter in kurzen Abständen gelüftet werden und können so schnell auskühlen.

Doch gegen die „Schnapsidee“ wie beispielsweise der Landesvorsitzende des bayrischen Elternverbands, Martin Löwe, den Vorstoß der CDU-Politiker bezeichnete, gibt es breiten Widerstand. „Nach den vielen Unsicherheiten im Frühjahr und im Sommer wollen sich Eltern jetzt auf die Ferienordnung und die geschaffenen Hygieneszenarien verlassen können“, sagte Löwe.

Wegen Corona: Längere Weihnachtsferien? Breiter Widerstand gegen Vorschlag

Man habe sich ja bisher kaum von den vielen Planungsschwierigkeiten der vergangenen Monate erholt. Und eine pauschale Verlängerung der Winterferien mache keinen Sinn. „Wir sind davon überzeugt, dass klassenweise angeordnetes Distanzlernen oder Klassenteilungen die Ansteckungsgefahr im Falle des Falles lokal ausreichend begrenzen.“

VirusDas COVID-19-Virus/Coronavirus
Häufigste SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
Seltenere SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung

Wie er sehen es viele andere auch. Zumal der durch Corona extrem begrenzte Präsenzunterricht nicht nur dringend notwendig, sondern auch von den allermeisten Betroffenen wünschenswert erscheint. Offenbar auch dann, wenn das für die Schüler bedeutet, mit Decken und Daunenjacken im Klassenzimmer zu sitzen. Das zumindest hatte der Philologenverband zuletzt empfohlen.

Weihnachtsferien wegen Corona verlängern? Bildungsexperten befürchten ohnehin Probleme

Die Kälte im Klassenzimmer scheint angesichts eines möglichen erneuten Lockdowns aber offenbar ohnehin zur Nebensache zu werden. Wichtiger scheint, die Bildung von Schülern sowie deren soziales Umfeld wieder zur Normalität zurückkehren zu lassen. Verlängerte Winterferien kämen zum falschen Zeitpunkt. Bildungsexperten befürchten längst negative Nachwirkungen des Lockdowns, vor allem bei Schülern aus ärmeren Familien. Eine Studie legte unlängst dar, dass viele Jugendliche sich selbst überlassen wurden.

Corona-Situation an Schulen in Baden-Württemberg (Stand: 13. Oktober; Quelle: Kultusministerium BW)

- An 313 Schulen in Baden-Württemberg sind insgesamt 615 Klassen beziehungsweise Gruppen aufgrund von Corona-Fällen oder einem Infektionsverdacht „vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen“.

- Zehn Schulen in Baden-Württemberg sind aus den genannten Gründen vollständig geschlossen.

- Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg etwa 67.500 Klassen an circa 4.500 Schulen.

Und auch Eltern dürften von verlängerten Weihnachtsferien nur wenig halten. Denn mit erneutem Homeschooling gehe womöglich ein „enormer organisatorischer Aufwand, verbunden mit Arbeitsausfällen, zusätzlichem Urlaub und Betreuungsschwierigkeiten“ einher, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Michael Schwägerl.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Weihnachtsferien verlängern? Klare Ansage

Infektionen würden außerdem durch längere Ferien nicht verhindert, sondern unter Umständen nur verzögert. Deshalb sei es Priorität Präsenzunterricht „mit Blick auf das Infektionsrisiko sicherer zu machen und aufrechtzuerhalten“.

„Das werden wir nicht angehen.“

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident Baden-Württemberg, zu einer möglichen Verlängerung der Winterferien

Auch in Baden-Württemberg will Ministerpräsident Winfried Kretschmann nichts von verlängerten Weihnachtsferien wissen. Er fand klare Worte zum Vorschlag der CDU-Politiker: „Das werden wir nicht angehen.“ Mit einer Verlängerung würde auch nach Ansicht Kretschmanns eine Welle von Betreuungsproblemen von Kindern und Jugendlichen ausgelöst.

Baden-Württemberg: Verfrühte Festlegung? Weihnachtsferien werden nicht verlängert

Angesichts auch in Baden-Württemberg massiv steigender Zahlen eine verfrühte Festlegung? Das bleibt abzuwarten. Immerhin sind schon jetzt zahlreiche Schüler in Quarantäne, zehn Schulen in Baden-Württemberg mit Stand 13. Oktober sogar komplett wegen eines Ausbruchs von Corona geschlossen. Klar ist: Ganz neu ist die Idee einer Ferienverlängerung jedenfalls nicht.

Schon im August hatten namhafte Virologen, darunter Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann in einer Stellungnahme geschrieben: „Sollte es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen mit regelmäßiger Beteiligung von Bildungseinrichtungen kommen, sollte eine Ausdehnung der Weihnachtsferien diskutiert werden, um die Zeiten mit höchster Infektionsaktivität zu verringern.

Corona in Baden-Württemberg: Schüler in Stuttgart schon von Regelverschärfung betroffen

Von denen wegen des Coronavirus verschärften Regeln sind aber auch in Baden-Württemberg schon jetzt Schüler betroffen. So entzerrt Stuttgart beispielsweise den Unterrichtsbeginn, um auch den Nahverkehr zu entlasten.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas

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