Inzidenzen steigen rasant

Baden-Württemberg: Bald nur noch 2G? Verschärfung für Ungeimpfte sollen kommen

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen verdoppelte sich zuletzt. Baden-Württemberg will sich vorbereiten und plant bereits Anfang September Einschränkungen für Ungeimpfte.

Update, 28. August: Schon Ende kommender Woche könnten die Intensivstationen in Baden-Württemberg wieder mit Covid-19-Patienten ziemlich voll sein – in erster Linie mit Ungeimpften. Aufgrund dessen drohen ungeimpften Erwachsenen schon Anfang September neue Kontaktbeschränkungen. Das Sozialministerium in Stuttgart will schnell gegensteuern, wenn – wie derzeit erwartet – immer mehr Covid-19-Patienten in Kliniken auf die Intensivstationen müssen.

Uwe Lahl, Amtschef im Ministerium, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind, erwägen wir erste Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene zu erlassen.“ Nach Prognosen des Landesgesundheitsamts könnten diese Grenzwerte schon Ende kommender Woche überschritten werden.

Baden-Württemberg: Verschärfungen für Ungeimpfte geplant – Ministerium sieht keine Alternative

Zu den geplanten Einschränkungen sagte Lahl: „Das sind Maßnahmen, die man schon aus den Lockdowns der zweiten und dritten Welle kennt, etwa dass sich nur zwei Familien treffen dürfen.“ Das Ministerium rechnet damit, dass ungefähr drei Millionen ungeimpfte Erwachsene im Land von diesen Verschärfungen betroffen wären. „In dieser Situation muss man als Landesregierung etwas machen. Ich sehe keine Alternative.“ Das Konzept müsse aber noch in der grün-schwarzen Regierung abgestimmt werden.

Vor allem wegen der Reiserückkehrer aus dem Ausland rechnet das Land mit stark steigenden Inzidenzen und deutlich mehr Intensivpatienten bis Mitte September. „Wenn die Zahl von 300 Intensivbetten überschritten ist, könnten wir, so unsere Überlegungen, für einige Zeit 2G für Ungeimpfte einführen. Das würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte oder Genesene ins Restaurant oder ins Konzert dürfen“, erläuterte der Ministerialdirektor.

Verschärfung für Ungeimpfte in Baden-Württemberg geplant: Zahl der Intensivpatienten steigt

„Ich kann Nicht-Geimpfte nicht zum Impfen zwingen. Deshalb muss man andere Schutzmaßnahmen ergreifen, damit die Intensivstationen nicht überlaufen“, rechtfertigte Lahl die Pläne des Ministeriums. „Wir müssen, wenn Überlastung droht, die Kontakte unter den Nicht-Geimpften solange reduzieren, bis die Überlastung nicht mehr droht.“ Laut der Deutschen Presse-Agentur soll die jüngste Entwicklung einen Anlass zur Sorge geben. „In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der belegten Intensivbetten von gut 50 auf etwa 100 gestiegen. Diese Entwicklung ist durch Nicht-Geimpfte verursacht.“

Der Entwurf für eine neue Rechtsverordnung solle in der kommenden Woche in der grün-schwarzen Regierung abgestimmt werden. Die Länder müssen reagieren, weil der Bund angekündigt hat, die 50er-Inzidenz als Leitwert aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. „Es wird voraussichtlich einen bundesweit einheitlichen Indikator geben“, erklärte Lahl. „Der Bund will die Zahl der ins Krankenhaus eingewiesenen Covid-19-Patienten festlegen, wir wollen lieber die Zahl der belegten Intensivbetten heranziehen.“ Es sei aber klar, dass die Länder die „Schmerzgrenze“ der Überlastung selbst festlegen.

Jetzt doch 2G in Baden-Württemberg? Verschärfung für Ungeimpfte geplant

Erstmeldung, 26. August: Die Zahl der Corona-Ansteckungen schießt in Baden-Württemberg weiter in die Höhe, wie echo24.de im aktuellen Corona-Ticker berichtet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt nun landesweit bei 68,1 (Stand: 26. August). Am Vortag hatte der Wert noch landesweit bei 61,7 gelegen.

Allerdings hatte sich Baden-Württemberg schon vor knapp zwei Wochen von der 7-Tage-Inzidenz als alleinigem Gradmesser für Einschränkungen verabschiedet und hielt dies auch in einer neuen Corona-Verordnung fest. Sofern die Krankenhäuser noch genug Platz für Corona-Patienten haben, sind jedoch keine größeren Beschränkungen mehr geplant. Derzeit liegen 99 Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen. Das ist ungefähr doppelt so viel wie vor zehn Tagen.

Zeitgleich steigt die Zahl der Menschen in Baden-Württemberg, die sich während der Urlaubszeit bei einer Reise mit dem Coronavirus angesteckt haben, stark an. Innerhalb der vergangenen zwei Schulferien-Wochen registrierte das Landesgesundheitsamt 2.294 Fälle, die sich womöglich im Ausland infiziert haben.

Baden-Württemberg: Corona-Zahlen steigen rasant an – Land plant Einschränkungen für Ungeimpfte

Sollten die Zahlen weiterhin in diesem rasanten Tempo ansteigen plant das Land Baden-Württemberg Einschränkungen für Ungeimpfte*. Das berichtet auch HEIDELBERG24* Ein Sprecher des Sozialministeriums bestätigte am Donnerstag (26. August) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Die Landesregierung bereitet für den Eingriffs-Fall bereits jetzt eine entsprechende Corona-Verordnung vor, die unmittelbar in Kraft treten kann.“

Er erklärte weiter: „Diese wird insbesondere Restriktionen für Ungeimpfte beinhalten, da das Infektionsgeschehen und die damit verbundene Auslastung der Intensivstationen maßgeblich durch diese Gruppe bestimmt wird.“ Solche Eingriffe für Ungeimpfte gelten als rechtlich nicht unproblematisch - in Bund und Ländern wird schon seit einiger Zeit über die Umsetzbarkeit von 2G-Regeln diskutiert.

Bald neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg?

Der Entwurf solle in der kommenden Woche in der grün-schwarzen Regierung abgestimmt werden. Die Länder müssen reagieren, weil der Bund angekündigt hat, die 50er-Inzidenz als Leitwert aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Über mögliche neue Grenzwerte und Indikatoren werde derzeit intensiv zwischen Bund und Ländern diskutiert, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Es werde aber künftig „Alarmwerte“ geben, ab denen eingegriffen werden müsse.

Als Grenzwert wird, laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Belegung von etwa 300 Intensivbetten diskutiert. Auf dem Hoch der zweiten und dritten Corona-Welle seien 640 Intensivbetten belegt gewesen, sagte Stefan Brockmann, Chef-Virologe des Landesgesundheitsamts, der dpa. Nach einer Prognose des Landesgesundheitsamts könnten schon in knapp zwei Wochen mehr als 300 Intensivbetten belegt sein. *echo24.de und *HEIDELBERG24 sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/Sven Hoppe/dpa

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