Kinder ertrinken besonders häufig

Wegen Badeunfällen in BaWü: DLRG warnt mit Schock-Video vor toten Kindern

  • Julia Thielen
    VonJulia Thielen
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Badeseen in Baden-Württemberg werden jedes Jahr zur Todesfalle. Auch 2021 gab es bereits tragische Unfälle. Der DLRG warnt vor Unachtsamkeit - besonders bei Kindern.

Eine Mutter steht am Strand. Ihre Tochter spielt am Wasser. Die Mutter filmt sie, dann sich selbst. „Spiel mal kurz alleine“, sagt sie noch. Als sie sich wieder zum Kind dreht, ist nichts mehr wie es einmal war. Es ist eine bedrückende Szenerie, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zu Beginn der Badesaison in einem Video veröffentlicht hat. Doch leider ist die Geschichte dahinter viel zu oft Realität. In jedem Jahr sterben Kinder und Erwachsene wegen Unachtsamkeiten oder Leichtsinn durch Ertrinken. Auch in diesem, wie echo24.de* berichtet.

2020 ertranken laut Statistik des DLRG 39 Menschen in Baden-Württemberg. Der tiefste Wert in der Aufzeichnung des Statistischen Landesamtes. Doch wie Schwimmlegende Franziska van Almsick schon 2016 im Interview mit echo24.de* betonte: „Jedes Kind, das ertrinkt, ist eins zu viel.“ Und so gilt es auch für jeden Erwachsenen.

Baden-Württemberg: Badeunfall mit Kleinkind - DLRG warnt mit Schock-Video

Doch während Erwachsene eigenverantwortlich handeln sollten und bei einem Badeunfall oft noch um Hilfe rufen können oder durch lautes Platschen auf sich aufmerksam machen, ertrinken Kinder lautlos*. Deutschlandweit kamen im Jahr 2020 laut der DLRG 49 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 20 Jahren, knapp die Hälfte war jünger als elf. Besonders erschreckend: 18 Kinder im Vorschulalter tranken - die einzige Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr (17) angestiegen war.

Jahr Tödliche Unfälle durch Ertrinken
202039
201940
201866

Erst am Donnerstagabend, 17. Juni, kam es in Pfullingen im Landkreis Reutlingen erneut zu einem Badeunfall mit einem Kleinkind. Ein Dreijähriger war von Rettungskräften in einem Freibad entdeckt worden. Wie die Polizei mitteilte, konnte das Kind reanimiert werden. Wie der Zustand des Jungen, der in ein Krankenhaus gebracht wurde, ist, blieb zunächst unklar.

Baden-Württemberg: Tödliche Badeunfälle - zwei Leichen aus See geborgen

Allein in der vergangenen Hitze-Woche* ließ sich eine traurige Bilanz für Baden-Württemberg ziehen. Zwei Menschen starben in Seen. Polizeitaucher zogen am Donnerstagabend eine Leiche aus einem Baggersee in Schuttenwald im Ortenaukreis. Auch aus dem Opfinger See bei Freiburg war ein Mann tot geborgen worden. Beide Körper hatten in mehreren Metern Tiefe gelegen.

Auch aus anderen Bundesländern häufen sich diese Meldungen wieder. Wie tz.de* berichtet, war im Feldmochinger See in München eine leblose Frau entdeckt* worden. Eine Reanimation blieb ohne Erfolg.

Baden-Württemberg: Tödliche Badeunfälle - Schock-Video der DLRG

Experten befürchteten schon 2020, dass die Corona-Maßnahmen die Zahl der Badeunfälle und -toten in die Höhe treiben könnte. Durch die begrenzten Kapazitäten in Freibädern zieht es viele Leute an Binnengewässer. Laut DLRG waren 2020 fast 90 Prozent der Ertrinkungstode aber gerade in Flüssen und Seen passiert.

Nun könnte ein weiterer Punkt für Andrang an den zugegeben wirklich schönen Badeseen beispielsweise in Heilbronn* und Umgebung sorgen: Das Wetter in Baden-Württemberg. Sollte der von Experten prognostizierte Schwitze-Sommer eintreten, könnten noch mehr Menschen als sonst die Abkühlung suchen. Das kann Folgen haben: Auch das Gesundheitsamt warnt vor Gefahren im Neckar*. Und im schlimmsten Fall kann sogar die Zahl der tödlichen Badeunfälle in die Höhe schnellen.

DLRG: Meiste Badeunfälle ließen sich vermeiden - Schock-Video als Warnung

Dabei ließen sich laut DLRG rund 80 Prozent der Badeunfälle vermeiden. Denn häufig sind Selbstüberschätzung, mangelnde Schwimmfähigkeit und Unachtsamkeit die Ursache für tragische Vorfälle an Badeseen und in Flüssen.

So auch im Video der DLRG. „Ob zu Hause am eigenem Pool im Garten oder beim Urlaub an der Küste: Die Gefahren für Kinder und insbesondere solche ohne jegliche Schwimmfertigkeiten werden leider viel zu oft unterschätzt“, sagt DLRG-Pressesprecher Achim Wiese. „Es genügen wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit, die verheerende Folgen haben können. Das haben uns in den vergangenen Jahren einige – allzu oft – tragische Ereignisse leider bestätigt.“

Das Video schreckt ab. Am Ende bleibt der Mutter nur noch die gefilmte Szene ihrer Tochter. Das Kind selbst - so wird aus dem Clip deutlich - hat den Ausflug an den Strand nicht überlebt.

Rubriklistenbild: © dpa / Armin Weigel

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