Erst Schnee dann Tauwetter

Überschwemmungen und Hochwasser: BaWü rechnet mit heftigem Wetter-Szenario

  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
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Die weißen Flocken gehen in Regen über und der liegengebliebene Schnee fängt an zu tauen. In Baden-Württemberg drohen nun Hochwasser und Überschwemmungen durch das Tauwetter.

Ab Mittwoch steigen die Temperaturen im Westen Deutschlands. Die polare Kälte weicht milder Luft, die von den Kanarischen Inseln kommt. Das bedeutet für das Wetter in Baden-Württemberg vor allem, dass aus Schneefall Regen wird und der liegengebliebene Schnee langsam beginnt zu tauen. Dabei wird Tauwetter bis in die höchsten Lagen erwartet. In Baden-Württemberg wird daher derzeit von einer drohenden Hochwasserlage geredet. „Eine markante Hochwasserlage kommt auf den südwesten Deutschlands zu“, prognostiziert der Meteorologe Jan Schenk von The Weather Channel.

Hochwasser in Baden-Württemberg: Starkregen und Tauwetter erwartet

„In Baden-Württemberg wird ein zwei-, fünf- oder sogar zehn-jähriges Hochwasser erwartet, an kleinen und mittleren Flüssen – aber nicht nur. Auch die großen Flüsse sind betroffen“, erklärt der Wetter-Experte weiter. Die Ursache für das Hochwasser: „Zum einen haben wir eine sehr mächtige Schneedecke im Südwesten und zum anderen kommt sehr milde Luft aus dem Südwesten an. Luft von den Kanarischen Inseln wird nach Deutschland geführt.“

In der Nacht zum Donnerstag soll Dauerregen einsetzen. Auch am Donnerstag und am Freitag soll es weiterhin kräftig regnen, bis zu 50 oder 60 Liter Regen pro Quadratmeter werden erwartet. In Kombination mit dem schmelzenden Schnee durch das Tauwetter, kommt es somit zu jeder Menge Wasser, das abfließen muss. Diese riesigen Wassermengen könnten in Baden-Württemberg zu Hochwasser und Überschwemmungen führen. „Wir haben im Schwarzwald bis zu 1,50 Meter Schnee liegen und davon schmilzt ein Großteil weg“, erklärt der Meteorolge Jan Schenk.

Überschwemmungen in Baden-Württemberg: Wo muss mit Hochwasser gerechnet werden?

Während sich am Mittwoch die Temperaturen noch um den Gefrierpunkt bewegen, werden am Freitag am Rhein bereits bis zu elf Grad plus erwartet. Der Meteorologe ist sich sicher: „Starkes Tauwetter gepaart mit sehr starken Niederschlägen – das gibt Hochwasser.“ Vor allem die Flüsse im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben sind betroffen. Auch in der Region zwischen Donau und Bodensee liegt eine dicke Schneedecke von rund 30 Zentimetern. In Kombination mit dem Dauerregen könnte es an den Zuflüssen zum Bodensee ebenfalls zu Hochwasser kommen.

„Da kann schon mal ein Flusslauf blockiert sein durch Eis oder Schnee. Dann kommt es eben zu Hochwasser, zu Überschwemmungen, zu gesperrten Straßen oder auch zu vollgelaufenen Kellern“, erklärt der Wetter-Experte Schenk. Generell ist die Überschwemmungsgefahr bei kleinen Flüssen größer als bei großen Flüssen wie dem Rhein, der Donau und dem Neckar. Doch die heftigen Mengen an Wasser, die durch den Starkregen und das Tauwasser zusammenkommen, können auch bei den großen Flüssen zu Hochwasser sorgen. Am Oberrhein, am Neckar und auch am Oberlauf der Donau wird mit einem 2- bis 5-jährigen Hochwasser gerechnet. 

Wann war das letzte schlimme Hochwasser in Deutschland?

In den Jahren 2016 und 2017 kam es in einigen Regionen in Deutschland zu Hochwasser. Das letzte große Hochwasser in Deutschland, welches in ganz Mitteleuropa gravierende Auswirkungen hatte, war im Jahr 2013. Dabei fielen teilweise über 400 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von vier Tagen. Das Hochwasser wurde durch Starkregen ausgelöst und forderte damals 25 Tote.

Auch die Hochwasservorhersagenzentrale der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg prognostiziert derzeit vor allem für den Südwesten des Landes 2-jährliches Hochwasser. In einigen Regionen wird hingegen „nur“ Mittelwasser erwartet, also ein erhöhter Wasserpegel, welcher eher nicht zu Überschwemmungen führt.

Gefahren durch das Tauwetter neben Hochwasser und Überschwemmungen

Aber Hochwasser und mögliche Überschwemmungen sind nicht die einzigen Gefahren, die durch das Tauwetter in Baden-Württemberg drohen können. Neben Überschwemmungen kann es durch das warme Wetter auch zu Lawinen sowie Schneebruch kommen. „Im Übrigen wird es auch sehr windig, das heißt, man sollte Wälder nicht unbedingt betreten, denn tatsächlich können auch Bäume umkippen“, warntder Meteorologe Jan Schenk.

Allerdings erwarten die Wetter-Experten, dass die Hochwasserwelle nicht lange andauern wird, denn am Wochenende soll es auch in Baden-Württemberg wieder kälter werden. Das bedeutet, dass der Regen wieder zu Schnee wird, der bei entsprechenden Temperaturen eventuell sogar liegen bleibt. Ein Grund zur Freude für alle Winterfans: der Winter 2020/2021 ist noch nicht vorbei! Der Polarwirbelsplit wird sicher auch in den nächsten Wochen für echtes Winterwetter sorgen.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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