Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe

Baden-Württemberg: Streiks im ÖPNV vorerst beendet – was kommt jetzt?

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Die Gewerkschaft „ver.di“ hat Beschäftigte privater Omnibusunternehmen ab Montag erneut zum Streik aufgerufen. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Nach dem letzten Streik ist vor den Tarifverhandlungen. War‘s das vorerst mit den Busfahrerstreiks im öffentlichen Personenverkehr Baden-Württembergs?

Update, 15. September: Pünktlich zum Schulstart haben in ganz Baden-Württemberg Busfahrerinnen und Busfahrer die Arbeit niedergelegt. Drei Tage lang - von Montag bis Mittwoch - mussten deshalb morgens Dutzende Kinder an ihren Haltestellen ausharren. Die Busse kamen oft nicht. Doch nun kehrt vorerst wieder Normalität ein - zumindest, bis die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband abgeschlossen sind.

Busfahrer-Streiks vorerst beendet: Siebte Runde der Tarifverhandlungen steht an

Die Gewerkschaft ver.di ist sehr zufrieden mit den Streiks im privaten Omnibusgewerbe diese Woche. Es habe eine „hohe Streikbeteiligung“ gegeben, teilte ver.di am Mittwoch in Stuttgart mit. Nach eigenen Angaben wehrt sich die Gewerkschaft mit den Streikaktionen gegen unbezahlte Standzeiten der Busse. Außerdem wollen die Busfahrer über Nacht- und Sonntagszuschläge verhandeln.

Die Tarifverhandlungen sollen nun am 21. und 22. September, also Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche, stattfinden. Der Ausgang dieser Verhandlungsgespräche hat Auswirkungen auf rund 9.000 Busfahrer in Baden-Württemberg - einige von ihnen auch in der Region Heilbronn-Neckar-Franken und Stuttgart.

Busfahrer-Streiks Montag bis Mittwoch: Bereits sechs Verhandlungsrunden gescheitert

Erstmeldung: 11. September: Es ist gerade erst einige Tage her, da hat die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) mit einer riesigen Streikaktion für Aufsehen gesorgt. Deutschlandweit legten Arbeitnehmer fünf Tage lang sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr die Arbeit nieder. Viele Pendler und Reisende bekamen die Folgen zu spüren - Züge fielen aus oder kamen später, auch im Raum Heilbronn war der Bahn-Streik deutlich zu spüren. Doch während die GDL nun das neue Angebot der Deutschen Bahn prüft und von dieser Seite wohl erstmal keine weiteren Zugausfälle drohen, kommt auf Pendler und Reisende in Baden-Württemberg schon der nächste Streik zu - diesmal im Öffentlichen Nahverkehr.

Aufgerufen hat die Gewerkschaft ver.di. Ab Montag (13. September) soll wegen des Tarifkonflikts im privaten Omnibusgewerbe gestreikt werden. Ver.di hatte bereits vor Beginn der Sommerferien angekündigt, den unterbrochenen Arbeitskampf wiederaufzunehmen. Mittlerweile sind sechs Verhandlungsrunden mit den Arbeitgebern, dem WBO, ergebnislos im Sand verlaufen.

WBO

Der WBO vertritt als Berufs- und Arbeitgeberverband die Interessen von rund 350 Omnibusunternehmen in Baden-Württemberg, zu denen neben den privaten auch einige kommunale, gemischtwirtschaftliche und staatliche Verkehrsunternehmen zählen. Hinter der Bezeichnung „WBO“ steht der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen e.V. mit Sitz in Böblingen.

Nun sind zunächst Beschäftigte in rund zwanzig Betrieben aus ganz Baden-Württemberg zum Streik aufgerufen. Hauptstreiktag ist laut ver.di der Dienstag, doch in vielen Betrieben wird auch am Montag und Mittwoch gestreikt. Am Dienstag ist dann außerdem ein Demozug in Stuttgart mit anschließender Kundgebung geplant. Der Zug startet gegen zehn Uhr am Gewerkschaftshaus und endet um Elf am kleinen Schlossplatz. Die Gewerkschaft ver.di erwartet Streikende aus ganz Baden-Württemberg.

Busfahrer-Streiks ab Montag: Diese Orte rund um Heilbronn und Stuttgart sind betroffen

Die Mitarbeiter aus dem ver.di-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken und Stuttgart beteiligen sich komplett über alle drei Tage an den Streiks. Betroffen sind Busunternehmen unter anderem aus Güglingen, Schwäbisch Hall, Ellwangen, Crailsheim, Waiblingen, Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen.

  • ver.di Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken: Omnibusverkehr Ruoff GmbH, Standorte Güglingen und Neuenstadt am Kocher, Stadtbus Schwäbisch Hall GmbH, Friedrich-Müller-Omnibusunternehmen GmbH, Standorte Schwäbisch-Hall, Ellwangen, Bühlertann und Crailsheim.
  • ver.di Bezirk Stuttgart: Ludwigsburger Verkehrslinien, bei Omnibusverkehr Spillmann in Bietigheim-Bissingen, bei Omnibus Verkehr Ruoff (Standorte Hemmingen, Waiblingen und Backnang), bei Omnibusverkehr Fischle, Standort Waiblingen, bei Wöhr Tours, Weissach, bei Friedrich Müller Omnibusverkehr (Standorte Ludwigsburg, Marbach, Böblingen und Sachsenheim) und bei der WBG Württembergische Busgesellschaft, Standort Ludwigsburg.

Die Gewerkschaft ver.di will mit der erneuten Streik-Aktion Druck in der bereits siebten Verhandslungsrunde am 21. und 22. September machen. Unter anderem fordert ver.di eine Pausenregelung nach dem Arbeitszeitgesetz, eine Vereinheitlichung der Sonntags- und Nachtzuschläge auf höherem Niveau sowie die Aufnahme von Verhandlungsn für eine betriebliche Altersvorsorge. Ver.di-Verhandlungsführerin Hanna Binder erklärte in einer Pressemitteilung vom Donnerstag: „Wir setzen darauf, dass die Streiks nächste Woche die Arbeitgeber endlich zum Einlenken bewegen.“

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